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Geldsammelbüchse in Kaufbeuren. Insgesamt spenden in diesem Jahr weniger Deutsche, dafür allerdings höhere Beträge.

Geldsammelbüchse in Kaufbeuren. Insgesamt spenden in diesem Jahr weniger Deutsche, dafür allerdings höhere Beträge. © Karl-Josef Hildenbrand

Soziales

Sachspenden und höhere Summen: Deutsche geben anders

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise zeigte sich in Deutschland eine Woge der Solidarität. Aber spendeten dadurch auch mehr Menschen? Nein, sagt eine Studie. Aber das ist nur die eine Seite.

Berlin. Im Jahr der Flüchtlingskrise hat sich die Spendenbereitschaft der Menschen in Deutschland einer Studie zufolge verändert.

In den zwölf Monaten von Oktober 2014 bis Oktober 2015 gaben weniger Menschen Geld für gemeinnützige Organisationen, wie der Deutsche Fundraising Verband unter Berufung auf den TNS-Infratest Spendenmonitor mitteilte. Bis zum Oktober waren es demnach 42 Prozent, im Vorjahreszeitraum noch 45 Prozent.

Allerdings kommt die Befragung auch zu dem Ergebnis, dass sich die Art der Spenden angesichts der Flüchtlingskrise verändert hat: Statt Geld zu geben, tendiert ein größerer Teil demnach zur Sachspende. Und wenn doch Geld gespendet wird, sind es größere Summen. Andere Studien kommen dagegen zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Spender gestiegen ist.

So erklärte das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) vor einigen Tagen, dass die Bereitschaft zum Geben hierzulande sogar deutlich zugenommen habe. Demnach könnte der Anteil der Spender in der deutschen Bevölkerung 2015 erstmals bei über 50 Prozent liegen.

Das DZI rechnet damit, dass das Volumen der Geldspenden in diesem Jahr nahezu 7 Milliarden Euro erreicht. 2014 waren es 6,5 Milliarden. Die Gründe dafür sieht DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke in dem schweren Erdbeben in Nepal und der Flüchtlingskrise. Sonderspendenaktionen wie bei dem Erdbeben ließen die Gesamtsumme der Spenden erfahrungsgemäß immer steigen, sagte Wilke der Deutschen Presse-Agentur. "Die Hilfsbereitschaft in der Flüchtlingskrise äußert sich vor allem in ehrenamtlichem Engagement, aber auch in Sach- und Geldspenden."

Das DZI stützt sich bei seiner Prognose auch auf eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Diese hatte im Auftrag des Deutschen Spendenrats 10 000 Deutsche ab zehn Jahren befragt. Von Januar bis September 2015 stifteten die Privatleute demnach rund 3,4 Milliarden Euro. Das waren fast 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Der Deutsche Spendenrat geht deshalb davon aus, dass in diesem Jahr bis zu 5,6 Milliarden Euro in die Kassen der Hilfsorganisationen und Kirchen fließen könnten. "Die Flüchtlingswelle hat wohl viele zum Spenden aufgerufen", erklärte GfK-Marktforscherin Gertrud Bohrer im November.

Der Deutsche Fundraising Verband rechnet dagegen mit 4 Milliarden. Das wären knapp 300 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Die Durchschnittsspende stieg demnach von 128 Euro auf 146 Euro.

Allerdings berichtet der Verband von einer gesunkenen Spenderzahl. Besonders gravierend sei der Rückgang im mittleren Alterssegment zwischen 30 und 64 Jahren, hieß es. Dort spendeten demnach rund fünf bis sechs Prozent weniger als im Vorjahr. "Wer sich angesichts der aktuellen Zahlen über höhere Spendensummen freut, denkt zu kurzfristig", erklärte Arne Peper, Geschäftsführer des Deutschen Fundraising Verbands. "Wenn dieser Trend anhält, werden die gemeinnützigen Organisationen in zehn Jahren große Probleme bekommen. Menschen im Alter über 60 Jahre sind seit jeher die tragende Spendersäule der gemeinnützigen Organisationen."

dpa


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