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Auch in der indischen Hauptstadt Neu Delhi erreicht die Luftverschmutzung Rekordwerte. Foto: Harish Tyagi/Archiv

Auch in der indischen Hauptstadt Neu Delhi erreicht die Luftverschmutzung Rekordwerte. Foto: Harish Tyagi/Archiv

Umweltverschmutzung

Rekord-Smog in Neu Delhi: Regierung erlässt Fahrverbote

Gefährlicher Smog nimmt Millionen Menschen in Indiens Hauptstadt die Luft zum Atmen. Erstmals erlässt die Regierung nun weitreichende Maßnahmen. Selbst für den Regierungschef gelten Fahrverbote.

Neu Delhi. Millionen Menschen in Indiens Hauptstadt atmen mit jedem Zug giftige Gase und tückischen Feinstaub ein. Die Lungen brennen, die Augen tränen, und ständig sind die Menschen krank - mal ist es eine Bronchitis, dann eine Erkältung.

"Wir husten alle", sagte Regierungschef Arvind Kejriwal am Donnerstag. Deswegen erließ er erstmals weitreichende Fahrverbote für Privatautos in Neu Delhi. So soll die verheerende Luftverschmutzung eingedämmt werden, die gerade neue Rekordwerte erreicht.

Grundsätzlich dürfen ab dem 1. Januar abwechselnd nur Fahrzeuge mit gerader oder ungerader Zahl auf dem Nummernschild fahren. Wer sich nicht daran hält, muss 2000 Rupien (28 Euro) zahlen - eine saftige Strafe in Neu Delhi, wo Fahren über die Rote Ampel nur 100 Rupien kostet. Ausnahmen gelten etwa für Krankenwagen, Polizei, Feuerwehr, Leichenwagen und VIPs - sich selbst zählte Kejriwal hier nicht dazu.

Der Regierungschef erklärte, es käme auch darauf an, dass die Besitzer der rund 2,6 Millionen Autos in Delhi mitmachten. "Wenn jeder die Regeln bricht und die Menschen den Plan nicht akzeptieren, werden wir das Vorhaben abbrechen müssen, wir können das nicht mit dem Schlagstock durchsetzen." Während der Pressekonferenz hustete er mehrfach. Im vergangenen Winter war Kejriwal wegen seines chronischen Hustens zu einer Naturheilkunde-Kur nach Südindien geflogen.

Neu Delhi gehört zu den Städten mit der weltweit schlechtesten Luft. Die Weltgesundheitsorganisation WHO kam in einer Studie 2014 zu dem Ergebnis, dass nirgendwo sonst so viel Feinstaub in der Luft ist wie in Neu Delhi. An vielen Tagen ist die Belastung schlimmer als in Peking, wo jüngst mehrfach die Alarmstufe "Rot" ausgerufen wurde.

Während in China aber das Bewusstsein über die Gefährlichkeit des Smogs seit Jahren hoch ist und viele Menschen draußen eine Maske tragen, haben sich die Menschen in Neu Delhi bislang kaum mit dem Thema auseinandergesetzt. Erst seit etwa einem Jahr berichten die indischen Medien breit über die Gefahren.

Jetzt aber hüllt der Smog die Stadt oft tagelang in einen Dunstschleier. Nach Angaben mehrerer indischer Zeitungen war der Mittwoch der Tag mit der am stärksten verschmutzten Luft des Jahres. Auch am Donnerstag zeigten die staatlichen Instrumente für alle Messstationen in der 17-Millionen-Metropole "sehr schlechte" oder "schlimme" Werte an.

Der Index der Ministeriums für Geowissenschaften kletterte für den tückischen Feinstaub mit weniger als 2,5 Mikrometer Durchmesser (PM2,5) am Donnerstag an vielen Orten auf 400 bis 500 Punkte. Der Grenzwert der WHO liegt bei 25 Punkten im Tagesdurchschnitt. Die Feinpartikel setzen sich tief in der Lunge ab und können direkt ins Blut gehen. Ärzten zufolge verursachen sie Atemwegserkrankungen, können Krebs erregen und schwächen allgemein das Immunsystem.

Kejriwal forderte die Bürger seiner Stadt auf, mehr öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Die Regierung werde 6000 neue Busse und 10 000 neue Auto-Rikschas zulassen. Auch forderte er implizit zum Kauf von Fahrzeugen auf, die die Luft weniger belasten. Denn Elektro-Autos, Hybrid-Autos und mit Gas betriebene Fahrzeuge sind von den Verboten ausgenommen. Außerdem dürfen Frauen, die alleine unterwegs sind, aus Sicherheitsgründen immer fahren.

Umweltschützer begrüßten die Maßnahmen, sehen aber weiteren Handlungsbedarf. Den neben Autos und Diesel-Lastwagen, die meist dicke Rußwolken ausstoßen, gibt es zahlreiche weitere Feinstaubquellen in Neu Delhi: Herdfeuer zum Kochen, Feuer zum Wärmen in der Nacht, offenes Müllverbrennen, Kohlekraftwerke und Ziegeleien am Stadtrand, Verbrennen von Stroh auf umliegenden Feldern, Sand aus den Wüsten sowie Staub von den unzähligen offenen Baustellen.

dpa


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