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Experte: Gezielte Strategie der AfD

Twitter: Deutschland vereint unter #boatengsnachbar

Pünktlich zum ersten Testspiel in der Vorbereitung auf die Fußball-EM in Frankreich äußert sich AfD-Vize Alexander Gauland abfällig über Nationalspieler Jérôme Boateng – Zuzfall? Keines falls, glaubt Rechtsextremismusforscher Alexander Häuslersieht. Deutschlandweit wird Position bezogen. Demonstrativ stellt sich ein Großteil der Nation hinter Boateng: Bürger, Künstler, Politiker, Nationalspieler. Boateng reagiert richtig, nämlich unaufgeregt, sachlich und ruhig. "Schade, dass man sich mit sowas heute noch auseinandersetzen muss", so der Weltmeister.

Berlin. Der Rechtsextremismusforscher Alexander Häusler sieht in den abfälligen Äußerungen des stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland zu dem dunkelhäutigen Fußballnationalspieler Jérôme Boateng eine gezielte Strategie der Partei. Gauland habe bewusst an der "rechtspopulistischen Eskalationsschraube" gedreht, sagte der Wissenschaftler der Hochschule Düsseldorf.

Für Deutschland mit Deutschland im Rücken: Lukas Podolski (links), Jerome Boateng und Mesut Özil.

Für Deutschland mit Deutschland im Rücken: Nationalspieler Lukas Podolski, Jerome Boateng und Mesut Özil nach dem WM-Sieg 2014 in Berlin.

Klare Bekenntnisse bei Twitter

SPD-Chef Sigmar Gabriel bezeichnet die AfD auf Twitter als deutschlandfeindlich.

Nationalmannschafts-Kollege Benedikt Höwedes hat schon in der U21 neben Boateng gespielt und mit ihm schon dort Titel für Deutschland gewonnen. Seine Botschaft an Gauland und die AfD ist deutlich:

Deutschlandweit verbreitet sich unter dem #boatengsnachbar eine Welle der Solidarität mit unserem Nationalspieler.

AfD begeht "moralischen Tabubruch"

Laut Häusler handle es sich um "eine typische Inszenierung der AfD". Die Partei verfolge damit das Ziel, "in die Schlagzeilen zu kommen", betonte Häusler vom Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus und Neonazismus (Forena). Sie begehe einen "moralischen Tabubruch" und mache anschließend die Medien für eine angeblich falsche Darstellung verantwortlich. Gauland hatte am Wochenende mit Äußerungen über Boateng für Empörung gesorgt. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" zitierte ihn mit den Worten: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Gauland bestritt später, "sich über Boateng geäußert" zu haben. Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry entschuldigte sich bei Boateng und verwies auf Erinnerungslücken Gaulands. Auch sie äußert sich bei Twitter. Das eigentliche Highlight dabei ist aber die Reaktion von Kult-Rapper Eko Fresh:

Eine solche Debatte stößt auf Ablehnung

Nach Ansicht von Häusler ist die Reaktion Petrys ein Indiz für den Konkurrenzkampf an der Spitze der rechtspopulistischen Partei. Zudem geht der Wissenschaftler davon aus, dass die Äußerungen Gaulands in der Bevölkerung ein eher negatives Echo haben: Gerade jetzt vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft werde eine solche Debatte auf Unverständnis und Ablehnung stoßen. Mit einer solchen Strategie der Diskreditierung dunkelhäutiger Fußballer sei schon die NPD vor der Fußball-WM 2006 bei dem damaligen Nationalspieler Patrick Owomoyela gescheitert.

So reagiert der DFB

Der neue DFB-Präsident Reinhard Grindel sagte der FAS, es sei "einfach geschmacklos", die Popularität Boatengs und der Nationalmannschaft "für politische Parolen zu missbrauchen". Im Video der Post des DFB. "Wir sind Vielfalt".

Und natürlich gilt auch bei uns bei der Neuen Presse: Lieber Jérôme Boateng, sei unser Nachbar. Und wenn du dann schon Mal in Hannover wohnst, kannst du hier eigentlich auch gleich ein bisschen Fußball spielen. Wir könnten deine Klasse gerade gut gebrauchen.

bep/NP/fw


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