Navigation:
Foto: Ein toter Pottwal liegt am Strand.

Ein toter Pottwal liegt am Strand.© dpa

Tiere

Pottwal-Kadaver werden aus der Nordsee geborgen

Mit Seilen, Kran und mehreren Schiffen: Helfer bergen die tonnenschweren Pottwale aus der schleswig-holsteinischen Nordsee. Vor Büsum ist der dritte Meeressäuger gestrandet.

Büsum. Vor der schleswig-holsteinischen Nordseeküste sind mehrere Pottwalkadaver aufgetaucht. Nach den zwei Funden bei Helgoland entdeckten Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) Tönning nahe Büsum ein weiteres totes Tier auf einer Sandbank, wie WSA-Sprecher Asmus Plötz am Mittwoch sagte. Die Besatzung des Arbeitsschiffs "Wulf Isebrand" beobachtete den Körper des geschätzt zehn bis zwölf Meter langen Tieres am Mittwoch. Er sollte am Donnerstag geborgen werden. Das Gewässerschutzschiff "Neuwerk" nahm einen der beiden nahe Helgoland entdeckten Jungbullen an Deck. Mit Seilen und einem Kran hatte die Besatzung zuvor bereits an der Bergung der Meeresriesen gearbeitet. Anschließend wurde das erste Tier auf den Schlepper "Odin" des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) verladen. Es sollte noch am Donnerstagabend nach Nordstrand (Kreis Nordfriesland) gebracht werden, wie ein LKN-Sprecher sagte. Veterinäre der Tierärztlichen Hochschule Hannover wollten demnach am Donnerstag mit der Untersuchung der Tiere beginnen, die das Land Schleswig-Holstein bezahlt.

Mit dem Fund vor Büsum sind in den vergangenen Tagen nun insgesamt zehn tote Pottwale an der Nordseeküste angeschwemmt worden. Vor der niederländischen Insel Texel waren fünf und auf der ostfriesischen Insel Wangerooge zwei Pottwale angespült worden. Nach Angaben des Nationalparks Wattenmeer sind seit 1990 insgesamt 80 Pottwale an den Küsten Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande gefunden worden. In aller Regel handle es sich um Jungbullen, die auf ihrer Wanderung durch den Atlantik zwischen November und März vom Kurs abkommen. Ein Zusammenhang zwischen den Strandungen gilt nach Einschätzung eines Sprechers als wahrscheinlich, da die Tiere in Gruppen auftreten. 1996 und 1997 waren vor der dänischen Insel Röm 16 beziehungsweise 13 Pottwale gestrandet.

Nach Einschätzung einer Wildtierforscherin haben sich auch die nun entdeckten Wale wahrscheinlich verschwommen. Die flachen Gewässer im Bereich des Wattenmeers würden dann zu einer Art Falle, die meist den Tod bedeute, sagte die Leiterin des Büsumer Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung, Ursula Siebert. Gestrandete Tiere noch zu retten, sei extrem schwierig. Dabei handle es sich meist um Bullen, "weil vor allem die Männchen die Wanderroute in den Norden auf sich nehmen - wegen Nahrungsaufnahme".

Weshalb die Wale einen falschen Weg nahmen, ist unklar. Wal-Experte Michael Dähne vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund berichtet von verschiedenen Gründen, weshalb sich die Tiere in die Nordsee verirrt haben könnten: "Es kann natürliche Ursachen haben, an Unterwasserlärm, an Solaraktivitäten oder an Krankheiten liegen, aber auch an seismischen Aktivitäten oder militärischem Sonar", sagte er. Dass noch mehr Pottwale an der Nordseeküste entdeckt werden könnten, wollte Dähne nicht ausschließen. Die gelegentlich in der Nordsee vorkommenden Tiere werden dem LKN zufolge dem Azorenbestand von weltweit rund einer Million Pottwale zugerechnet. Mit ihrem akustischen Orientierungssinn können sich die schweren Tiere dort schlecht orientieren. Geraten sie ins Flachwasser und stranden, kann das Gewicht ihres Körpers ihre Blutgefäße und die Lunge abdrücken - daran sterben sie.

dpa


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was halten Sie von einem Rauchverbot im Auto?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie