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Die Ermittler testen, ob sich mit der Software Einbrüche vorhersagen und stoppen lassen.

Die Ermittler testen, ob sich mit der Software Einbrüche vorhersagen und stoppen lassen.
 © dpa

Pilotprojekt

Polizei will mit eigener App Einbrüche verhindern

Auch die Polizei setzt auf die Vorteile der Digitalisierung. In Niedersachsen sammelt eine selbstentwickelte App Informationen über Einbrüche und schätzt die Gefahr für Wiederholungstaten ein. Nach den ersten Testwochen sind die Ermittler zufrieden.

Salzgitter.  Der Auftrag lautet, Einbrüche zu verhindern. Björn Hirsch und Daniel Arth von der Polizei in Salzgitter setzen sich in ihren Streifenwagen und starten ihren Tabletcomputer. Wenige Sekunden später zeigen farbige Markierungen auf dem Display die Einbruchschwerpunkte der vergangenen 24 Stunden, und die beiden Beamten machen sich auf den Weg genau dorthin. Was schon so routiniert wirkt, ist eigentlich noch ganz neu.

Seit Anfang Februar läuft bei der Polizeiinspektion in Salzgitter-Peine-Wolfenbüttel sowie in Wolfsburg ein niedersächsisches Pilotprojekt. Das digitale Programm „PreMap“ gibt den Polizisten mobil und zeitnah Informationen über Wohnungseinbrüche, die bis zu vier Wochen zurückliegen.

Die Informationen zu den Einbrüchen werden dabei auch genutzt, um Prognosen über die Gefahr von Wiederholungstaten abzugeben. Grundlage dafür ist die weltweite Erfahrung durch das Phänomen „Repeat-Near-Victimisation“. Aufgrund von empirischen Daten wird dabei davon ausgegangen, dass Täter nach einer ersten Tat innerhalb der nächsten 72 Stunden oft im Umkreis von 500 Metern erneut zuschlagen.

Es geht nicht darum, die Täter auf frischer Tat zu ertappen. Das würde die Polizisten zwar freuen, ist aber in den zehn Wochen, in denen das Projekt läuft, noch nicht vorkommen. „Das Programm ist ein Teil unserer Präventionsarbeit gegen Einbrüche“, sagt Hauptkommissar Hirsch. Es helfe vor allem bei der Vorbereitung und Planung der Streifenfahrten.

Früher mussten die Beamten in der Wache unzählige Papiere durchgehen und Tabellen sichten, bevor sie sich überhaupt in den Streifenwagen setzen konnten. Diese Arbeit erledigt jetzt das Programm. Hirsch und sein Kollege, Oberkommissar Arth, sind nach den ersten Wochen überzeugt, dass die App ihnen dabei hilft, schneller und gezielter in Risikogebieten Streife zu fahren.

„Das Feedback ist durchweg positiv“

„Davon gibt es hier Salzgitter einige, wir haben viele Fälle“, sagt Hirsch bei der Fahrt durch Norden der Stadt. Drei Taten in jüngster Vergangenheit zeigt das Display für diesen Bereich an. Viele Schwerpunkte für Einbrüche kennen die Beamten natürlich. Es komme aber auch oft vor, das sie von der Auswahl der Einbrecher überrascht sind.

Denn die professionellen Täterbanden konzentrieren sich nicht nur auf Einfamilienhäuser in besseren Wohnlagen. „Sie schlagen auch in Reihenhaussiedlungen zu, in denen es auf den ersten Blick gar nicht so viel zu holen gibt“, berichtet Arth. Mit den verlässlichen Daten aus dem Programm müssen sich die Polizisten nicht mehr auf die eigene Wahrnehmung und ihr Bauchgefühl verlassen.

„Wenn der Empfang über den Mobilfunkstandard LTE gut ist, funktioniert auch die Technik, auch wenn die Anwendung manchmal etwas langsam ist“, sagt Arth. Diese Rückmeldung deckt sich mit den ersten Eindrücken der etwa 250 Polizisten, die die App gerade in ihren Arbeitsalltag integrieren. 29 Tablets stehen dafür zur Verfügung. „Das Feedback ist durchweg positiv“, sagt Sven Kohrs vom Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen.

Das Besondere an dem Projekt sei, dass es sich bei dem Programm um eine Eigenwicklung des LKA und der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen handelt. In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg werde kommerzielle Software getestet - und in Bayern sei eine kommerzielle Variante nach erfolgreichem Test bereits im Einsatz.

Niedersachsen hat sich für ein eigenes Projekt entschieden, für das rund 100.000 Euro zur Verfügung stehen. „Dieses Budget halten wir derzeit auch ein“, berichtet Kohrs. Ein weiterer Vorteil sei, dass das Projekt auf ständigen Austausch angelegt ist und die Anwendung entsprechend angepasst wird. Für die nächste Version arbeiten die Techniker beispielsweise schon an der monierten Schnelligkeit. „Die unbedingt notwendige Ver- und Entschlüsselung sensibler Daten führt aber zwangsläufig zu Zeitverlust“, erklärt Kohrs.

„Exemplarisch für Niedersachsen“

Die Polizeiinspektionen Wolfsburg und Salzgitter-Peine-Wolfenbüttel wurden für das Projekt gewählt, weil sie die Unterschiede von typischen Flächen- und städtischen Dienststellen in Niedersachsen abbilden. „Auch das Bild der Kriminalität in diesen Städten ist exemplarisch für Niedersachsen“, ergänzt Kohrs.

In Niedersachsen gab es 2016, wie den meisten anderen Bundesändern auch, zwar weniger registrierte Einbrüche zuvor. Das Problem ist aber nicht kleiner geworden. „Es ist manchmal wie der vielzitierte Kampf gegen Windmühlen, bei dem wir den Tätern immer nur hinterherrennen“, sind sich die Polizisten Hirsch und Arth einig. Beide betonen, dass sie froh über jedes Hilfsmittel bei der Kriminalitätsbekämpfung sind und sprechen sich schon nach den ersten Testwochen für den weiteren Einsatz von „PreMap“ aus. „Es gibt ein großes Interesse an der Anwendung“, bestätigt Kohrs. Für eine Bilanz sei es aber noch zu früh. „Das wird erst nach Beendigung der Pilotphase und der Auswertung der Nutzung Anfang August möglich sein“.

Von RND/dpa


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