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Er hat es geschafft: Rheinschwimmer Andreas Fath ist nach 1230 Kilometern am Ziel.

Er hat es geschafft: Rheinschwimmer Andreas Fath ist nach 1230 Kilometern am Ziel. © Meike Böschemeyer/Archiv

Umwelt

Noch nie war Salzwasser so lecker: Rheinschwimmer am Ziel

Drei Länder, 1230 Kilometer - Nach 28 Tagen voller Strapazen erreicht der Rheinschwimmer Fath sein Ziel: Die Nordsee vor der holländischen Küste. Der schwimmende Professor hat endlich Salzwasser im Mund.

Rotterdam. Die letzten Meter im eisigen Wasser, die niederländische Küste verschwindet, am rot-weißen Grenzpfahl sieht er nur noch die Weite des Meeres. Andreas Fath ist am Ziel. Nach über 1230 Kilometern hat der Rheinschwimmer am Sonntag gegen 11:30 Uhr die Mündung des Flusses erreicht: Die Nordsee.

"Ich bin erleichtert und sehr, sehr glücklich", sagte der 49-jährige Chemieprofessor aus dem baden-württembergischen Furtwangen der Nachrichtenagentur dpa kurz nach Erreichen des Ziels. Das Boot der Rotterdamer Hafenbehörde, das ihn begleitete, tutete laut, und die Menschen an Bord jubelten. Darunter waren auch seine Frau und die drei Söhne, erzählte er begeistert. Da hatte er bereits das Ziel geschmeckt: Salzwasser.

"Die letzten Kilometer habe ich die ganze Reise noch einmal im Kopf erlebt", sagte Fath. Am 28. Juli war er in den eiskalten Tomasee im schweizerischen Graubünden ins Wasser gestiegen und dann in Etappen bis zur Mündung beim niederländischen Hoek van Holland geschwommen.

Um 7 Uhr hatte die letzte Etappe begonnen. "Ohne Frühstück, das gab's im Hotel noch nicht", stöhnte Fath. Das Wasser war 17, die Luft neun Grad kalt. Erst schwamm er zehn Kilometer bis zum Rotterdamer Hafen. Dort stieg er auf ein Boot der Hafenbehörde. Denn Schwimmen ist in Europas größtem Hafen verboten. Auf der Höhe des Küstenortes Hoek van Holland, sprang er wieder von Bord und legte die letzten Kilometer bis aufs offene Meer zurück.

28 Tage lang war er dicht an den Ufers des Stromes geschwommen. Durch den Bodensee bis nach Basel, durch Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bis in die Niederlande. "Kein Tag war wie der andere." Überall hätten ihm Menschen zugejubelt und ihn ermutigt, sagte er. Eine alte Frau hatte für ihn einmal am Strand Kaffee gekocht, erinnerte er sich. "Sie hat mir erzählt, wie sie in ihrer Jugend im Rhein geschwommen sei."

Vor Beginn des Marathons hatte er noch gedacht, dass es nach der Hälfte einfacher werden sollte. Doch dann kamen Regen, Hagel, Kälte und starke Strömungen. "Ich schwamm vom Sommer in den Herbst", sagte der frühere Leistungssportler. Auch durch den Neoprenanzug spürte er die Kälte, vor allem in den Pausen. Hinzu kamen in den letzten Tagen noch Probleme mit Magen und Darm. "Das war schrecklich", erinnerte er sich.

Fath ist der dritte Mensch, der den Rhein der Länge nach durchschwamm. Nur wenige Tage vor ihm hatte der Schweizer Langstreckenschwimmer Ernst Bromeis nach 44 Tagen sein Ziel erreicht. 30 Tage hatte 1969 der deutsche Kaufmann Klaus Pechstein gebraucht.

45 Jahre später war der Super-Marathon sicher einfacher, räumte der schwimmende Professor nun ein. "Der Neopren-Anzug ist besser, und der Rhein ist sauberer als 1969." So sauber, dass es sogar Lachse gibt und man auch ohne Schutzanzug baden kann.

Denn noch immer gelangen Reste von Antibiotika oder sogar Drogen ins Trinkwasser von Millionen Menschen. Fath schwamm auch nicht für den Rekord, sondern für die Wissenschaft. Er wollte auf den Gewässerschutz aufmerksam machen. Sein Team, das ihn auf einem Kajak und über Land begleitete, entnahm Wasserproben. Die will Fath nun analysieren. Dazu braucht er ein neues Gerät, für das er Sponsoren finden wollte. Auch das Ziel des Marathons hat er erreicht, sagt er.

Wasser ist Faths Leidenschaft. Doch der Rhein-Marathon brachte auch den früheren Leistungssportler oft an seine körperlichen Grenzen. Aufgeben war aber nie eine Option, sagte er. Und wenn es mal ganz schwer war? "Manchmal musste ich mich extra motivieren," sagte er. "Aber das muss man ja manchmal auch, wenn man morgens zur Arbeit geht." Das könnte ihm in einer Woche wieder passieren, wenn er wieder Klausuren seiner Studenten korrigieren muss.

dpa


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