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Bernhard Pörksen hält die pauschale Shitstorm-Kritik der letzten Tage für falsch. Foto: Privat

Bernhard Pörksen hält die pauschale Shitstorm-Kritik der letzten Tage für falsch. Foto: Privat

Gesellschaft

Neue Debatte über "Shitstorm" im Internet

Til Schweiger will sich auch nach einer Flut fremdenfeindlicher Kommentare auf seiner Facebook-Seite weiter für Flüchtlinge einsetzen. "In dem Moment, wo ich aufhöre, das zu tun, lebe ich nicht mehr in einer Demokratie, das ist ja genau das, was die Leute wollen", sagte der Filmstar im ARD-"Nachtmagazin".

Berlin. Der "Tatort"-Schauspieler vertrat auch die These, das Fernsehen trage zur Abstumpfung bei. Schweiger hatte am Samstag den Hinweis auf eine Spendenaktion für Flüchtlinge geteilt. Danach posteten innerhalb kurzer Zeit Dutzende Menschen ausländerfeindliche Kommentare.

Auch über Bundeskanzlerin Angela Merkel (#merkelstreichelt) und den Kabarettisten Dieter Nuhr war in den vergangenen Tagen ein sogenannter Shitstorm hereingebrochen. Nuhr schrieb daraufhin in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Die Primitivität und Aggressivität, mit der Andersmeinende im Internet verfolgt werden, scheint mir denselben psychologischen Mechanismen zu folgen, die früher zu Lynchjustiz und Pogromen führten."

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen brach dagegen in einem dpa-Interview eine Lanze für das Phänomen. "Ich halte die pauschale Shitstorm-Kritik der letzten Tage für falsch", sagte der Tübinger Professor. "Hier zeigt sich, bei aller berechtigten Empörung über eine ungehemmte Aggression, eben auch eine Publikumsverachtung, die nur die Fronten verhärtet." Zwar gebe es zweifellos böse Attacken, die nicht zu entschuldigen seien. Aber ein Shitstorm könne auch große gesellschaftliche Fragen spiegeln: "Man denke nur an die sogenannte Aufschrei-Debatte - hier ging es um den alltäglichen Sexismus gegenüber Frauen."

Auch der Politologe Martin Emmer sagte, im Prinzip seien die Debatten Teil eines Demokratisierungsprozesses - jeder könne sich jetzt zu Wort melden und mitreden. Richtig sei aber auch: "Die digitalen Öffentlichkeiten sind sehr viel härter und direkter als all das, was früher in der massenmedialen Welt, abgepolstert und herausgefiltert durch journalistische Selektionsmechanismen, passiert ist."

dpa


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