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Wenig Hoffnung

Nach Explosionen noch Dutzende in russischem Bergwerk vermisst

Zwei Tage nach dem schweren Grubenunglück in Sibirien mit mindestens 32 Todesopfern sind die Hoffnungen auf eine Rettung der noch 58 Vermissten geschwunden.

Moskau. Die Suche in der Raspadskaja-Mine werde durch Sauerstoffmangel erschwert, sagte der russische Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu am Montag. Bei zwei Methangasexplosionen waren am Samstag neben Bergleuten auch 18 Rettungskräfte gestorben.

Die Suche nach den 58 Vermissten wurde durch die anhaltende Gefahr von Explosionen in den Bergwerksstollen erschwert. Die Einsatzkräfte hätten mit Sauerstoffmangel zu kämpfen, sagte Minister Schoigu am Unglücksort. Um das Explosionsrisiko nicht zu erhöhen, müsse die Sauerstoffzufuhr aber eingeschränkt werden. Dennoch gab Schoigu die Hoffnung auf die Rettung von Überlebenden nicht auf. Immerhin seien die Stromversorgung und die Belüftung des Bergwerks in der südwestsibirischen Region Kemerowo wiederhergestellt. Mehr als 550 Einsatzkräfte setzten die Suche fort.

Die Methangasexplosionen im Bergwerk Raspadskaja war so heftig, dass auch Bauten über Tage zerstört wurden, wie Bilder des Staatsfernsehens zeigten. Ein überlebender Grubenarbeiter sagte dem russischen Rundfunk: „Sie haben erst spät Luft in die Schächte gepumpt. Sie werden jetzt nur noch Leichen hinaustragen.“ Er schilderte, dass er fast zwei Stunden gebraucht habe, um aus den teilweise verschütteten Stollen voller Staub hinauszuklettern. „Wir sind rausgekommen, aber wir hatten immer noch viel Zeit, um eine Menge Gas einzuatmen“, sagte der Bergarbeiter.

Die erste Explosion hatte sich am Samstagabend ereignet, als gerade mehr als 300 Kumpel unter Tage arbeiteten. Sie wurden nach Behördenangaben in etwa 490 Meter Tiefe verschüttet. Bei dieser Explosion starben mindestens zwölf Bergleute. Eine zweite Methangasexplosion ereignete sich etwa zwei Stunden später, als bereits Rettungskräfte auf der Suche nach Verschütteten in das Bergwerk hinabgestiegen waren. In der Nacht zu Montag wurden die Leichen von 18 Einsatzkräften geborgen. Das russische Katastrophenschutzministerium gab die Zahl der Toten am Montag auf seiner Website mit mindestens 32 an.

Vor den Büros der Bergwerksleitung warteten Angehörige der Verschütteten verzweifelt auf Nachricht. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin ordnete in Moskau an, die Familien der Todesopfer mit umgerechnet 25.600 Euro zu entschädigen. Die Verletzten sollten kleinere Summen erhalten.

Nach dem Unglück wurden Ermittlungen wegen fahrlässiger Handhabung der Sicherheitsvorschriften eingeleitet. Die Führung des Bergwerks erklärte hingegen, den Instrumentenanzeigen zufolge seien die Methankonzentrationen in den Stollen normal gewesen. Viele Unglücksursachen seien möglich, sagte Vize-Direktor Wladimir Gorjaschkin laut russischen Nachrichtenagenturen. Die Raspadskaja-Mine gehört zum Teil dem Stahlproduzent Ewras, der wiederum zu 36 Prozent dem russischen Milliardär und FC Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch gehört.

Die Raspadskaja-Mine ist eine der wichtigsten Russlands. Sie liefert Kohle für die Stahl- und Eisenindustrie in Russland, der Ukraine, Osteuropa und Asien. In Russland ereignen sich häufig Bergwerkunglücke. Ursachen sind veraltete Anlagen, Verstöße gegen die Vorgaben zur Belüftung oder mangelhafte Kontrolle der Gaskonzentration in den Schächten. afp


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