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Wieder am Start: Lufthansa-Jet auf einem Rollfeld.© dpa

Vulkanasche

Mit Sondergenehmigung: Lufthansa fliegt wieder

Nach tagelangem Stillstand wegen der Aschewolke des isländischen Vulkans kommt wieder Bewegung an den Himmel über Deutschland.

Erste Maschinen der Lufthansa sollten am Montagabend ab 18.00 Uhr von Frankfurt/Main und München abheben. Die Vulkanasche sollte nach Sichtflugregeln um- oder unterflogen werden. Offiziell hatte die deutsche Flugsicherung zuvor entschieden, die Flughäfen bis mindestens 02.00 Uhr in der Nacht zum Dienstag geschlossen zu halten.

Ziel der Lufthansa sei unter anderem die USA, vereinzelt seien auch Kurzstrecken geplant - die Maschinen würden zunächst jeweils nach Sichtflugregeln gesteuert, sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels.

Die Lufthansa kündigte zudem an, 15 000 gestrandete Passagiere nach Deutschland zurückzuholen. 50 Langstrecken-Jets sollten noch am Montag in Nord- und Südamerika, Afrika und Asien starten und an diesem Dienstagmorgen in Frankfurt, München und Düsseldorf landen, sagte der Sprecher.

Trotz dieser kleinen „Löcher im Luftraum“ - die Lage blieb auch am Montag zugespitzt: Die Wirtschaft klagte weiter über Milliardenverluste, Flugsicherung und Politik pochten nach wie vor auf die Sicherheit. Im Ausland saßen insgesamt noch etwa 100 000 deutschen Pauschaltouristen fest, teilte das Außenministerium mit.

Nach Berechnung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) entgeht den deutschen Unternehmen wegen des Flugverbots täglich rund eine Milliarde Euro an Umsatz. Bundesregierung und Industrie vereinbarten, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, um den wirtschaftlichen Schaden möglichst gering zu halten. Forschungsflugzeug untersucht Aschewolke

Um kurz nach 16.00 Uhr startete ein Forschungsflug zur Untersuchung der Aschewolke von Oberpfaffenhofen bei München. Das Flugzeug Falcon 20 E werde bis an die holländische Grenze fliegen, um die Dichte der Ascheteilchen in der Luft sowie ihre Größe zu messen, sagte die Sprecherin Miriam Kamin vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Ergebnisse sollen voraussichtlich erst in den nächsten Tagen vorliegen.

Forscher der Eigenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich bestätigten nach Messungen mit Wetterballons, Lasern und Messflugzeugen, dass die Aschewolke über Europa tatsächlich die für Flugzeuge gefährlichen Vulkanaerosole enthält. „Wir konnten in einer Höhe zwischen vier und fünf Kilometern eine besonders hohen Anteil an Vulkanaerosolen feststellen“, sagte ETH-Professor Thomas Peter. Sie gelten als gefährlich für Flugzeuge, da sie in der Hitze der Triebwerke schmelzen und zu Glasablagerungen führen können. So hatte die Vulkanasche zuvor einen NATO-Kampfjet bei einem Testflug über Europa beschädigt. Die Maschine landete am Wochenende mit Glas im Triebwerk, sagte ein hoher US-Beamter am Montag in Brüssel. Fluggesellschaften mit Millionenverlusten

Die Fluggesellschaften verlieren nach Angaben der Internationalen Luftfahrtvereinigung IATA täglich mindestens 150 Millionen wegen der Flugverbote. Hinzu kämen Ausgaben für die Entschädigung von Passagieren und für die Verlegung leerer Flugzeuge. Die EU-Kommission will deshalb staatliche Finanzspritzen für die Unternehmen erleichtern. „Wir sind bereit, ähnlich zu reagieren wie nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001“, sagte EU- Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia.

Die Airlines, aber auch die EU-Kommission wollen sich dafür einsetzen, dass die Flugverbote bald aufgehoben werden können. Allerdings habe die Sicherheit oberste Priorität. Die EU- Verkehrsminister werden am Nachmittag in einer Telefonkonferenz über das Flugverkehrschaos beraten.

Der DIHK sagte, der Milliarden-Umsatzverlust beziehe sich ausschließlich auf den Außenhandel, davon würden wertmäßig 35 bis 40 Prozent über die Luftfahrt abgewickelt, sagte DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Ein großer Teil könne wieder hereingeholt werden, sobald die Flugzeuge nach dem Abzug der Vulkanasche-Wolke wieder starten könnten.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte im Deutschlandfunk: „Es wäre beinahe zynisch und mit mir politisch nicht machbar, Umsatzeinbrüche gegenzurechnen mit irgendeinem nicht vertretbaren Risiko für Leib und Leben von Passagieren.“ Die Zahl der Flugverbote ging in der Nacht zum Montag zeitweise zurück. Nach Angaben der europäischen Luftsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel war der Luftraum vor allem im Süden am Mittelmeer und in großen Teilen Skandinaviens zumindest zeitweise wieder frei. In Spanien waren am Montag alle Flughäfen geöffnet, es wurden aber bis zum Mittag fast ein Drittel der 5200 geplanten Flüge gestrichen. Am Sonntag hatte sich die Sperrung teils von Mallorca bis Nordnorwegen und von Irland bis zur Türkei erstreckt. Dennoch rechnete Eurocontrol für Montag nur mit einer leichten Entspannung. Etwa 70 Prozent der sonst gut 28 000 Flüge sollten ausfallen - am Sonntag waren es noch knapp 80 Prozent. Mehr Passagiere bei der Bahn

Das Flugverbot am Himmel bescherte den Fernzügen der Deutschen Bahn knapp ein Drittel mehr Fahrgäste. In den vergangenen Tagen seien bis zu 30 Prozent mehr Reisende in ICE und Intercity unterwegs gewesen, teilte der bundeseigene Konzern am Montag in Berlin mit. Normalerweise sind es im Schnitt täglich etwa 340 000 Fernzugpassagiere. Auch bei den Fernbussen habe die Nachfrage stark angezogen. Fahrten in westeuropäische Metropolen wie London und Paris seien ausgebucht.

Großbritannien will gestrandete Urlauber von der Marine zurück in die Heimat bringen lassen. Wegen des Chaos’ im Luftverkehr schickte die Regierung in London am Montag drei Schiffe der Royal Navy auf den Weg - darunter auch einen Flugzeugträger. „HMS Ark Royal“, „HMS Ocean“ und „HMS Albion“ sollten im Ärmelkanal und in Spanien zum Einsatz kommen, sagte Premierminister Gordon Brown am Montag nach einer Sitzung des Notfall-Komitees in London. Die „HMS Ark Royal“ ist ein Flugzeugträger. Pro Schiff könnten nach Medienangaben 800 bis 1000 Menschen transportiert werden. Weniger Asche, mehr Lava

Der Vulkan am Eyjafjalla-Gletscher auf Island stößt zunehmend weniger Asche und dafür mehr Lava aus. Ein Sprecher des Meteorologischen Institutes in Reykjavik sagte der Nachrichtenagentur dpa am Montag: „Das sind gute Nachrichten für Flugreisende in Europa.“ Ein Überwachungsflug per Hubschrauber habe bestätigt, dass die für den Flugverkehr in Europa gefährliche Wolke mit Vulkanasche über dem Eyjafjalla-Gletscher nur noch eine Höhe zwischen 500 Metern und zwei Kilometern erreicht. Experten warnten allerdings vor voreiligen Schlüssen für den Flugverkehr, weil sich auch wieder neue Krater auf dem Eyjafjallajökull mit wieder stärkerem Ascheausstoß bilden könnten. dpa


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