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Kriminalität

Messerattacke: Vermutlich kein Terrorakt

Er war barfuß, zückte ein Messer und stach wie wild auf Pendler ein. In Grafing nahe München sorgt ein Attentäter für Angst und Schrecken. Ist es die Tat eines Verwirrten? Oder gibt es einen politischen Hintergrund?

Grafing. Der Täter sticht ohne Vorwarnung zu. Er betritt am frühen Dienstag am Bahnhof im oberbayerischen Grafing gegen 4.50 Uhr die erste nach München fahrende S-Bahn und greift einen Fahrgast mit dem Messer an. Danach sticht er am Bahnsteig auf einen weiteren Mann ein, ehe er zum Bahnhofsvorplatz geht und dort zwei Radfahrer niedersticht.

Eines der Opfer, ein 56 Jahre alter Mann aus der Region, erliegt wenig später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Stunden nach der Tat sind Beamte in weißen Schutzanzügen am Bahnsteig mit der Spurensicherung beschäftigt. Ein Spurensicherer spricht seine Beobachtungen in ein Diktiergerät. Blutspuren am Bahnsteig deuten darauf hin, dass der Täter wie wild auf seine Opfer einstach. Der Zug, in dem er einen der Männer angriff, ist sichergestellt. Auch dort sichern Beamte Spuren. Der rund 30 Kilometer östlich von München gelegene Bahnhof ist teils mit rot-weißen Flatterbändern abgesperrt.

Auf der Treppe zum Bahnsteig hat Grafings Bürgermeisterin Angelika Obermayr ein Blumengesteck niedergelegt. Obermayr zeigt sich geschockt: "Wir sind ein absolut friedliches oberbayerisches Kleinstädtchen im Münchner Umfeld", sagt sie dem Sender n-tv. "So was ist absolut neu und erschüttert hier die Menschen wirklich zutiefst, die so was halt nur aus dem Fernsehen kennen. Aber dass das hier vor Ort passiert, das ist absolut unfassbar."

Noch sind die Hintergründe der schrecklichen Bluttat in dem Städtchen mit rund 13 500 Einwohnern nicht vollständig aufgeklärt. Nur so viel steht fest: Der kurz nach der Tat festgenommene mutmaßliche Täter ist deutscher Staatsangehöriger - und war bei seiner Festnahme barfuß. "Der Täter machte Äußerungen bei der Tat, die auf eine politische Motivation schließen lassen", teilen Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt (LKA) mit.

Was genau er rief, wollen die Ermittler zunächst nicht sagen, auch nicht, dass er angeblich den Namens Allahs rief. Zeugen wollen es gehört haben. Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer berichtet lediglich von Aussagen, wonach der Täter von ungläubigen Menschen sprach, die er töten wolle.

Doch echte Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund gibt es nicht. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) berichtet am Mittag, der aus Hessen stammende Mann sei zuletzt wegen psychischer Auffälligkeiten und wegen Drogenkonsums in Erscheinung getreten. Der Angreifer habe seine Tat bereits eingeräumt. Die rote S-Bahn, in der der Täter zustach, und Gleis 1 samt Bahnsteig bleiben weiter gesperrt.


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