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URTEIL: Briten müssen wegen eines Kusses in der Öffentlichkeit in Dubai ins Gefängnis.© dpa

Urteil

Kuss bringt Briten in Dubai ins Gefängnis

Ein Kuss auf den Mund bringt zwei Briten im arabischen Emirat Dubai für einen Monat ins Gefängnis. Ihre Berufung gegen ein entsprechendes Urteil wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses blieb ohne Erfolg.

DUBAI. Ein Gericht habe den Richterspruch am Sonntag bestätigt, sagte Rechtsanwalt Khalaf al- Hosni der Nachrichtenagentur dpa. Der Anwalt hatte den 24 Jahre alten Mann und die 25-jährige Frau gegen die Vorwürfe verteidigt.     Beide müssen zudem je 272 Dollar (200 Euro) Geldstrafe zahlen, weil sie bei ihrem Restaurantbesuch außerdem Alkohol getrunken hatten. Nach Verbüßen der Haft sollen sie nach Großbritannien abgeschoben werden. Der Mann will erneut Berufung einlegen.    

In Europa wurde der Fall umgehend zum Politikum. Der Präsident des Europa-Parlaments, Jerzy Buzek, kritisierte das Urteil aus dem sittenstrengen Emirat mit ungewöhnlich scharfen Worten. „Wenn die beiden Angeklagten ins Gefängnis müssten, wäre dies ungerecht und falsch“, erklärte Buzek am Sonntag in Brüssel.

Die Briten waren im November 2009 festgenommen worden. Eine Araberin hatte sie angezeigt, weil sie sich in einem Restaurant auf den Mund geküsst hatten. Die 38-Jährige, die mit ihrer zwei Jahre alten Tochter in dem Lokal in der edlen Wohngegend Jumeirah Beach Residence speiste, fühlte sich davon belästigt. Das Paar habe gegen die Anstandsregeln verstoßen.

Der Anwalt der Briten sagte, die Frau habe den Kuss nicht einmal selbst gesehen. Ihre Tochter habe ihr davon erzählt. Die Beschuldigten argumentierten, sie hätten sich lediglich auf die Wange geküsst, was in Dubai erlaubt sei. Das Gericht habe nicht einen ihrer Zeugen angehört. Es sah den Kuss auf dem Mund als erwiesen an.    

Ein Islam-Experte sagte der BBC, ihn überrasche das Urteil nicht: „Das Problem in diesem besonderen Fall ist, dass einer der britischen Bürger muslimische Wurzeln hat.“ Die Behörden in Dubai würden bei Ausländern sonst oft ein Auge zudrücken, weil die Gäste viel Geld bringen. Doch erst kürzlich habe das islamisch-konservative Emirat die Auslegung der Rechtsprechung verschärft.

Im März hatte ein Gericht in Dubai ein indisches Paar zu drei Monaten Haft verurteilt. Begründung: Der Mann und die Frau hätten anzügliche SMS ausgetauscht. Vor zwei Jahren sollten zwei Briten ebenfalls drei Monate im Gefängnis verbringen, weil sie am Strand geknutscht hatten. Die Strafe wurde später aufgehoben.

Parlamentspräsident Buzek erklärte, er sei “überrascht und enttäuscht“ über die Gerichtsentscheidung. Auch wenn das Paar das geltende Recht gebrochen habe, sei das Urteil unverhältnismäßig. Buzek rief das Gericht in Dubai dazu auf, die Entscheidung zu überdenken und künftig Strafen zu verhängen, die angemessen seien und eine erzieherische Wirkung hätten. dpa


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