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Nach Bekanntwerden des Missbrauchfalls legen Menschen Kerzen vor der St. Joseph Kirche in Salzgitter ab.© dpa

Salzgitter

Kritische Fragen an Kirche nach Kindesmissbrauch

Ein erneuter Missbrauchsfall trifft die katholische Kirche. Dabei sollen strengere Regeln so etwas seit kurzem verhindern helfen. Die kirchliche Basis fordert, dass auch die katholische Sexualmoral auf den Prüfstand kommt.

Hannover. Obwohl die katholische Kirche nach dem Missbrauchsskandal im vergangenen Jahr einen Wandel eingeleitet hat, steht sie erneut in der Kritik: In Salzgitter ist ein Priester nach jahrelangen Vergehen an drei Jungen verhaftet worden. Ein vor sieben Jahren erstmals von dem Geistlichen missbrauchter Jugendlicher brachte die Ermittlungen mit seiner Anzeige Ende Juni in Gang.

Schon 2006 gab es Hinweise auf den Pfarrer, es folgte eine Ermahnung und 2010 eine Prüfung durch die Staatsanwaltschaft - ergebnislos. Eine schonungslose Aufklärung der Fälle allein reicht nicht, erklärt die kirchliche Basis. Die katholische Kirche müsse den verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Sexualität zum Gegenstand ihrer Priesterausbildung machen, sagt Christian Weisner von der Bewegung "Wir sind Kirche".

Im vergangenen Jahr wurden immer mehr Missbrauchsfälle in kirchlichen Schulen und Gemeinden öffentlich. Die katholische Kirche reagierte: Die jahrzehntelange Vertuschung solle zu Ende sein, null Toleranz gegenüber Missbrauch lautete die neue Devise.

Dazu wurden die erst 2002 auf Druck durch die Situation in den USA eingeführten Leitlinien zum Umgang mit sexueller Gewalt verschärft. Bei jedem Verdacht auf sexuellen Missbrauch wird nun automatisch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Ein strikteres Vorgehen in der Kirche weltweit mahnte im Mai auch der Vatikan an. In München stellte Kardinal Reinhard Marx am Montag ein kirchliches Internetportal gegen Missbrauch vor.

Das Online-Lernprogramm für kirchliche Mitarbeiter soll sexuellem Missbrauch vorbeugen. Zugleich wurde in München ein eigenes "Zentrum für Kinder- und Jugendschutz" der Päpstlichen Universität Gregoriana eingerichtet. Auch das für den nun verhafteten Pfarrer zuständige Bistum Hildesheim ging das Thema Missbrauch an und richtete einen fünfköpfigen Beraterstab ein, dem auch eine Psychiaterin als Ansprechpartnerin bei Missbrauchsfällen durch Geistliche angehört.

Alte Akten wurden auf Hinweise zu möglichen verschwiegenen Missbrauchsfällen hin untersucht, Betroffenen wurde psychologische und therapeutische Hilfe zugesichert. Missbrauch ist aktuell Thema von Schulungen in den Dekanaten, eine Präventionsbeauftragte soll in Kürze die Arbeit aufnehmen.

"Der aktuelle Fall zeigt, dass sexuelle Gewalt trotz der Leitlinien nach wie vor vorkommt", sagt Weisner. Etliche der Täter seien selber Opfer der katholischen Sexualmoral und setzen sich nicht mit dem Thema Sexualität auseinander. "Man denkt, mit der Zölibatsverpflichtung bekomme ich das in den Griff."

Tatsächlich müsse die katholische Kirche noch ganz viel aufarbeiten. "Die ganze Kirche muss jetzt so etwas wie eine Psychoanalyse machen, das wird ein langer schmerzhafter Prozess." "Wo Kinder sind, wird es auch in Zukunft Missbrauch geben, nicht nur in der Kirche, aber leider auch in der Kirche", erklärte der Hildesheimer Weihbischof Heinz-Günter Bongartz. Weisner reicht diese Feststellung nicht aus: "Das Bistum muss sich fragen lassen, ob die Kirche nach den Leitlinien von 2002 ausreichend gehandelt hat", sagt er.

"Es gibt Misstrauen, aber Seelsorge lebt auch von Nähe", hatte Bongartz gesagt. Da der Vorwurf des Missbrauchs nicht konkret im Raum gestanden habe, habe es keine Gründe gegeben, den nun verhafteten Priester in seiner Arbeit einzuschränken. Die Beamten nahmen ihn nun kurz vor dem Aufbruch zu einer Jugendfreizeit in Taizé (Frankreich) fest. dpa


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