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Seit Mitte Dezember kämpft das Universitätsklinikum in Kiel gegen die Ausbreitung eines gefährlichen multiresistenten Keims.

Seit Mitte Dezember kämpft das Universitätsklinikum in Kiel gegen die Ausbreitung eines gefährlichen multiresistenten Keims. © Carsten Rehder

Krankenhäuser

Kampf gegen gefährlichen Keim in Kiel nun mit externer Hilfe

Mit Hilfe von Fachleuten aus Frankfurt am Main hat das Universitätsklinikum Kiel den Kampf gegen einen gefährlichen multiresistenten Keim fortgesetzt. Die beiden Spezialisten für den MRGN-Keim, gegen den vier Antibiotika-Gruppen wirkungslos sind, haben bereits die Arbeit aufgenommen.

Kiel. Die Gewerkschaft Verdi warf dem Klinikum unterdessen Hygieneverstöße infolge von Personalmangel vor. Der Krankenhausgesellschaft liegen dagegen keine Hinweise auf Hygienefehler oder andere Defizite in diesem Bereich vor. Der Bundesgesundheitsminister will die Meldepflicht verschärfen.

Nach derzeitigem Stand trugen elf gestorbene Patienten zusätzlich zu teils schweren Erkrankungen den Keim. Bei neun wurde das Bakterium als Todesursache ausgeschlossen. Bei zwei Patienten war die Ursache zunächst nicht zweifelsfrei geklärt.

Bis Samstagabend wurden 27 Patienten positiv auf das gegen fast alle Antibiotika resistente Bakterium Acinetobacter baumannii getestet. Nicht alle erkrankten daran.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) brachte eine Verschärfung der Meldepflichten auf den Weg. Damit sollen derartige resistente Erreger nicht erst bei Krankheitsausbruch, sondern beim ersten Nachweis des Erregers gemeldet werden. Die Verordnung soll im Sommer in Kraft treten. Es sollen Verfahren erprobt werden, mit denen Patienten schon vor Klinikaufenthalten auf gefährliche Keime untersucht werden.

Aus Sicht der Gewerkschaft Verdi sind die tragischen Umstände in Kiel nicht so überraschend, wie es die Klinikleitung darstelle. 2013 seien vom Pflegepersonal 1864 sogenannte Gefährdungsanzeigen aus der Pflege gestellt worden. Das seien bundesweite Spitzenwerte.

Auf Personalversammlungen, zuletzt am 12. Januar, sei auf eine dramatische Arbeitsverdichtung gerade auf den betroffenen Stationen hingewiesen worden. Personal- und Zeitmangel führten zu Verstößen gegen Hygiene- Vorschriften.

Auch der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Hygieniker, Klaus-Dieter Zastrow sprach von Hygienemängeln als Ursache. "Wie soll sich so ein Keim sonst weiterverbreiten?" Schleswig-Holsteins Krankenhausgesellschaft hat dagegen keine Hinweise auf Hygienefehler oder andere Defizite in diesem Bereich am Klinikum.

Verdi forderte sofortige Konsequenzen. Der Sparkurs müsse beendet werden, der geplante Personalabbau sei unverantwortlich, das Klinikum brauche mehr qualifiziertes Personal. Das gelte nicht nur für die Pflege, sondern auch für Reinigungspersonal.

Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur, oberste Priorität habe jetzt die Bekämpfung des Keims sowie die Information von Patienten und Angehörigen. "Im Anschluss steht eine Aufarbeitung im Fokus. Dazu gehört auch die Frage, ob und wie wir in Deutschland beim Patienten-Screening Verbesserungen erzielen können."

Einen Hygiene-Aktionsplan von Bund und Ländern forderte die Deutsche Stiftung Patientenschutz. "Es ist nicht akzeptabel, dass wir jedes Jahr 40 000 Tote durch Krankenhausinfektionen beklagen, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Gröhe müsse rasch handeln.

dpa


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