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Christoph T. versteckt sich unter einer Jacke, als er ins Gericht gefahren wird.© dpa

S-Bahn-Mord

Jugendstrafe in erstem Prozess zu Mordfall Brunner

Der Mord an dem Geschäftsmann Dominik Brunner sorgte bundesweit für Entsetzen. Jetzt ist ein erster Jugendlicher verurteilt worden, der an der Eskalation beteiligt war. Bei dem Mord war er aber nicht dabei.

Von Sabine Dobel

München. Gut ein halbes Jahr nach dem Mord an dem Manager Dominik Brunner in München hat in einem ersten Prozess ein junger Mann eine Jugendstrafe bekommen. Das Jugendschöffengericht beim Amtsgericht München verurteilte den inzwischen 18-Jährigen am Dienstag unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter räuberischer Erpressung zu 19 Monaten Haft. Der Verurteilte muss aber vorerst nicht ins Gefängnis: Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt, wenn er seine im März nach der Untersuchungshaft begonnene Drogentherapie die nächsten fünf Monate weitermacht.

Christoph und zwei Freunde hatten am 12. September 2009 in München eine Gruppe von Schülern bedroht und Geld verlangt. Er soll der Wortführer gewesen sein und auch zugeschlagen haben. Er war aber nicht dabei, als Brunner am S-Bahnhof Solln zu Tode geprügelt wurde, nachdem er sich schützend vor die Schüler gestellt hatte. Der damals 17-Jährige habe mit dieser „schrecklichen Tat“ in Solln nichts zu tun gehabt, betonte Amtsgerichtspräsident Gerhard Zierl.

„Er ist sehr betroffen, was in Solln passiert ist“, unterstrich auch sein Anwalt Tom Heindl. Er sei zufrieden mit dem Urteil. „Die Therapie wird fortgesetzt, dort hat er sich nach Auskunft der Therapeuten sehr gut gemacht.“ Christoph habe vor Gericht umfassend gestanden und das Urteil sofort angenommen. Gerichtssprecherin Ingrid Kaps sagte, in den nächsten fünf Monaten müsse er nun zeigen, dass er die Sache wirklich ernst nehme. Dann werde über die Bewährung entschieden. Diese sogenannte Vorbewährung ist nur im Jugendstrafrecht möglich.

Das Verfahren unter Vorsitz von Richterin Heike Adam-Mezger fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, der Gerichtssaal A 177 war mit Sperrholzwänden vor neugierigen Blicken geschützt. Gerade bei Jugendlichen gehe darum, eine unbelastete Prozess-Atmosphäre zu schaffen und die Wiedereingliederung in die Gesellschaft nicht zu behindern, erläuterte Kaps.

Streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit war der Junge Mann am Morgen in das Justizgebäude gebracht worden. In einem weißen Wagen am Boden kauernd, eine bunte Decke über den Kopf, wurde er auf das Justizgelände gefahren und über einen Hintereingang in den Gerichtssaal geführt.

Der Fall Brunner hatte wie so viele belanglose Rangeleien begonnen: Die Jugendlichen wollten von den vier 13 bis 15 Jahre alten Kindern 15 Euro haben. Christoph soll auf die Jüngeren losgegangen sein und mindestens einen Schüler geschlagen haben. Außerdem soll er seine Freunde Markus und Sebastian angestachelt haben - dann aber stieg er in eine andere S-Bahn, um Freundin und Großmutter zu besuchen. Dominik Brunner hat er nie gesehen.

Als er von der Festnahme seiner Freunde erfuhr, schrieb er in einem Internetforum: „Schießt alle Bullen tot und holt den Basti und Markus raus.“ Die Staatsanwaltschaft warf ihm deshalb auch öffentliche Aufforderung zu Straftaten vor, zudem Drogenbesitz. Denn obwohl er damals schon in einem Haus des Drogenhilfevereins Condrobs lebte, wurde etwas Rauschgift bei ihm gefunden, als er am Tag nach der Tat festgenommen wurde.

Unter normalen Umständen hätte sein Prozess wahrscheinlich keinerlei Interesse geweckt: Er hat gepöbelt, ein paar Euro verlangt, ohne nennenswerte Folgen zugeschlagen, Drogen genommen, Parolen im Internet veröffentlicht - alles in allem: Jugendtypische Delikte, Routine für die Gerichte.

In diesem Fall aber eskalierte die Lage bis zum Mord. Brunners Einsatz für die Schwächeren, den er mit dem Leben bezahlte, sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit und löste eine Bewegung für Zivilcourage aus. Die beiden mutmaßlichen Täter, Markus und Sebastian, damals 18 und 17 Jahre alt, sind wegen Mordes angeklagt. Ihr Prozess wird voraussichtlich im Sommer beginnen, ein Termin steht noch nicht fest.


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