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Bei dem Unfall in Bremervörde kam es zu Rangeleien zwischen Gaffern und der Polizei.© dpa

Gaffer

Innenminister fordert ein Fotoverbot

Gaffer an Unfallorten sind schon lange ein Ärgernis. Inzwischen kursieren kurz darauf immer häufiger im Internet indiskrete Schnappschüsse und Videos von den Opfern. Das macht Innenminister Pistorius wütend. Er kündigt strafrechtliche Konsequenzen an.

Hannover. Als Konsequenz aus den Erfahrungen bei einem Unfall in Bremervörde will Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius das Fotografieren und Filmen von Unfallopfern verbieten. "Wir brauchen dringend einen entsprechenden Straftatbestand", sagte der SPD-Politiker am Donnerstag in Hannover.

Nach der Sommerpause will Pistorius in Zusammenarbeit mit dem Justizministerium einen Gesetzentwurf vorlegen, der dann umgehend in den Bundesrat eingebracht werden soll. Pistorius sagte, er finde es zutiefst abstoßend, wenn Gaffer mit ihren Handys Verletzte oder gar Halbtote aufnehmen, um sich damit im Netz zu profilieren. Außer der Presse habe niemand das Recht, Aufnahmen von Unfällen und Opfern zu machen. Das von ihm geforderte Foto- und Filmverbot beziehe sich ausdrücklich auch auf alle am Einsatz beteiligten Polizisten und andere Einsatzkräfte.

Am vergangenen Sonntag war in Bremervörde ein Auto in eine Eisdiele gekracht. Dabei kamen ein 2 Jahre alter Junge und ein 65-Jähriger ums Leben. In der Folge gab es massive Rangeleien zwischen Polizei und Gaffern, die Fotos machen wollten.

Nach einer vorläufigen Begutachtung durch Experten war das Auto der Unglücksfahrt in einem intakten Zustand. "Es sieht so aus, dass keine Mängel vorlagen", sagte Polizeisprecher Heiner van der Werp. Das gelte auch für die Bremsen des Wagens. Die 59 Jahre Verursacherin des Unfalls äußerte sich bisher nicht. Gegen sie wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Für Donnerstag ist zum Gedenken an die Opfer eine Andacht in der St.-Liborius-Kirche in der Stadt im Landkreis Rotenburg geplant. Die Ausschreitungen zeigten, dass inzwischen bei Unglücken immer häufiger "die rote Linie" überschritten werde, betonte Pistorius. Ihn mache das respektlose Verhalten der Gaffer wütend: "Ich bin richtig auf Zinne." Da sich die Opfer in der Regel nicht selbst gegen die Aufnahmen wehren könnten, sei es die Schutzaufgabe des Staates, für ihre Rechte einzutreten. Die Bilder und Videos seien ein "schwerer Verstoß gegen die Würde der Menschen", betonte Pistorius.

Außer Journalisten könne auch niemand die Erstellung mit einem Informationsrecht für die Öffentlichkeit rechtfertigen. Dies gelte ausdrücklich auch für sogenannte "Leserreporter", die ihre Bilder gegen eine Abdruckprämie an Boulevardzeitungen weitergeben würden. Kritik an der Praxis war in der Vergangenheit auch wiederholt von Prominenten gekommen, die von Laienfotografen abgelichtet wurden.

 dpa


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