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Johannes Heesters

Auftritt vor SS im KZ Dachau?

Heesters will Nazi-Verdacht ausräumen

Kurz vor seinem 105. Geburtstag will der Entertainer Johannes Heesters ein für allemal mit Verdächtigungen aufräumen, er sei 1941 im Konzentrationslager Dachau vor der SS aufgetreten.

Heesters’ Klage gegen den Berliner Autor Volker Kühn auf Unterlassung und Widerruf wird am Donnerstag vor dem Landgericht Berlin verhandelt, wie die Pressestelle am Dienstag bestätigte. Heesters bestreitet nicht, das KZ besucht, wohl aber, dabei vor der SS gesungen zu haben.

Nach Angaben von Heesters’ Anwalt Gunter Fette behauptet Kühn unter anderem, Heesters sei 1941 „zur Ertüchtigung und zum Vergnügen“ vor der SS aufgetreten. Das sei falsch. Der am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort geborene Heesters wird Fette zufolge nicht zur Verhandlung kommen.

Die umstrittenen Äußerungen Kühns finden sich in dem Hörbuch „Hitler und die Künstler - Mit den Wölfen geheult“, das im November 2006 im Berliner Verlag duo-phon erschien und 2007 mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet wurde.

Verlagschef von Richtigkeit der Vorwürfe überzeugt


Verlagschef Alfred Wagner zeigte sich am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP davon überzeugt, dass die von Kühn erhobenen Vorwürfe stimmen. „Es gibt Fotos von diesem Tag. Eines zeigt Heesters im weißen Frack, ein anderes zeigt ihn zusammen mit der Lagerkapelle“, sagte Wagner. Es gebe auch die Aussage des ehemaligen Dachau-Häftlings und späteren Wiener Kulturstadtrats Viktor Matejka, der in einem TV-Interview erklärt habe, damals im KZ für Heesters den Vorhang gezogen zu haben.

Heesters hatte in der Vergangenheit stets betont, „dass ich mich für diesen von den Nazis vorgeschriebenen Besuch, auch wenn ich keinerlei Chance hatte, mich diesem zu entziehen, abgrundtief schäme“.

Auf seiner Homepage tritt er aber der „fälschlichen und immer wieder aufgekommenen Behauptung“ entgegen, „dass ich bei dieser Gelegenheit auch vor dem SS-Wachkorps gesungen habe“. Dies sei „mittlerweile glücklicherweise endlich widerlegt worden“. 2006 habe endlich bewiesen werden können, dass es den entsprechenden Auftritt nie gegeben habe.

Heesters ist derzeit den Angaben zufolge bis Januar in der Rolle des Kaisers Franz Joseph in dem Singspiel „Im weißen Rössl“ zu sehen, das in der Komödie Winterhuder Fährhaus in Hamburg aufgeführt wird.

Gemeinsam mit der Ungarin Marika Rökk bildete Heesters das ausländische Traumpaar des deutschen Kinos während der NS-Diktatur. Seine holländischen Landsleute nahmen ihm aber übel, dass er zu den meistbeschäftigten Stars in den deutschen Filmen der Nazizeit zählte. Im Februar dieses Jahres wurde er bei seinem ersten Auftritt in seiner niederländischen Heimat seit 44 Jahren ausgepfiffen. Vor dem Theater in seiner Geburtsstadt Amersfoort versammelten sich zahlreiche Demonstranten und warfen ihm vor, in Deutschland für die Nazis gesungen zu haben.


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