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Eine Hand am Smartphone, die andere am Lenkrad des Fahrzeuges - eine tödliche Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer.

Eine Hand am Smartphone, die andere am Lenkrad des Fahrzeuges - eine tödliche Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer. © Holger Hollemann/Archiv

Prozesse

Handy am Steuer: Fahrerin wegen versuchten Mordes verurteilt

Während sie eine Nachricht auf ihrem Telefon tippt, erwischt eine Autofahrerin zwei Radfahrer mit ihrem Wagen. Statt zu helfen, flüchtet die Frau. Ein Gericht urteilt: Das war versuchter Mord.

Stuttgart. Während der Fahrt hat eine junge Autofahrerin mehr Interesse für ihr Handy als für die Straße und verursacht einen tödlichen Unfall. Weil die Angeklagte nicht hilft, verurteilt das Landgericht Stuttgart die 21-Jährige wegen versuchten Mordes zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung.

Die Angeklagte hatte zu Prozessauftakt geleugnet, beim Fahren Textnachrichten auf ihrem Telefon getippt zu haben. Nach dem Aufprall will sie in Panik davongefahren sein und nicht bemerkt haben, dass sie mit ihrem Auto zwei Radfahrer erfasst hatte. Einer starb, der andere wurde schwer verletzt. Durch die Kurznachrichten "war die Angeklagte so abgelenkt, dass sie die Radfahrer nicht wahrnahm", sagte die Vorsitzende Richterin bei der Urteilsverkündung.

Das Gericht verurteilte die Frau auch wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Die Strafe wurde zu drei Jahren Bewährung ausgesetzt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Angeklagte war an einem Augustmorgen 2014 auf einer Bundesstraße zwischen Weil der Stadt und Renningen westlich von Stuttgart ungebremst in die Männer gefahren. Nach Gerichtsangaben muss sie rund neun Sekunden nicht auf die Straße geschaut haben. Die Radfahrer waren nach Aussage der Vorsitzenden Richterin auf der geraden Strecke gut erkennbar - sie trugen auffällige Kleidung. "Ausweichen wäre durch eine leichte Lenkbewegung möglich gewesen."

Die Fahrerin hatte bei dem Unfall gegen 7.45 Uhr nicht einmal versucht, auszuweichen. Durch den Zusammenstoß wurden die Männer in eine Wiese geschleudert. Der Aufprall dauerte nach Erkenntnissen des Gerichts höchstens 0,2 Sekunden. Die Reaktionszeit, die es braucht, um den Blick aufzurichten, sei 0,5 Sekunden lang.

Die Autofahrerin hatte nach dem Aufprall kurz angehalten, war dann aber trotz schwerer Schäden an ihrem Wagen weitergefahren, unter anderem mit einem platten Reifen. Das Gras sei hoch gewesen, die Opfer hätten weit von der Straße entfernt gelegen, so die Vorsitzende Richterin. "Ob sie die Radler sah, ist unklar." Die Frau rief später die Polizei und sagte, sie sei mit einem Auto zusammengestoßen - die Polizei fahndete derweil schon nach ihrem Fahrzeug und stellte schnell die Verbindung zum Unfall mit den Radfahrern her.

Das Urteil erging unter anderem wegen versuchten Mordes in einem Fall, weil die Frau nach Angaben des Gerichts billigend in Kauf genommen hatte, dass durch ihre unterlassene Hilfeleistung jemand stirbt. Sie habe demnach wegen des starken Aufpralls annehmen müssen, dass sie mindestens einen Menschen mit ihrem Fahrzeug erfasst hatte. Sie habe mit ihrer Flucht die Absicht gehabt, ihre Tat zu verdecken - nach Angaben einer Gerichtssprecherin ein Mordmerkmal.

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen versuchten Mordes durch Unterlassen in zwei Fällen drei Jahre Jugendstrafe beantragt. Die Verteidigung hatte auf höchstens zwei Jahre auf Bewährung plädiert.

dpa


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