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Hochwasser in Sandomierz, Polen.© dpa

Hochwasser

Flutwelle fließt nach Norden - Aufatmen im Süden

Im Süden Polens hat sich die Hochwasserlage am Donnerstag entspannt, in der Mitte des Landes bereitete man sich auf den Kampf gegen die Wassermassen vor. Die Flutwelle auf Weichsel und Oder bewegte sich flussabwärts nach Norden und bedrohte immer neue Ortschaften - darunter auch die Hauptstadt Warschau.

Warschau. Nach Angaben des Fernsehsenders TVPInfo starben in den Fluten bisher neun Menschen, drei wurden am Donnerstagmorgen noch vermisst. In Krakau kam ein 65- Jähriger durch einen Stromschlag ums Leben, als er seinen überfluteten Keller auspumpen wollte.

Die Lage in Krakau und der Umgebung sowie in Schlesien habe sich stabilisiert, teilte Innenminister Jerzy Miller am Vormittag in Warschau mit. Die Pegel der Weichsel von ihrer Quelle bis zu Zawichost rund 200 Kilometer nordöstlich von Krakau gingen zurück. „Der Wetterbericht klingt optimistisch“, betonte der Minister. Die Dämme seien aber völlig durchweicht und daher „wenig stabil“, warnte er.

In Warschau gilt der Zoologische Garten am rechten Weichsel-Ufer als besonders gefährdet. Der Zoodirektor schloss nicht aus, dass einige gefährliche Tiere erschossen werden müssen, falls das Wasser ihre Gehege erreicht. Auf die Flutwelle bereitete sich auch die niederschlesische Metropole Breslau vor. Die Höchststände der Oder wurden dort am Freitagmorgen erwartet. Am Vormittag floss die Welle durch Oppeln. 43 Ortschaften in der Region waren überflutet.

Polens Regierungschef Donald Tusk warnte vor den dramatischen Folgen der Flutwelle. Die Pegel der Weichsel seien an einigen Orten höher als jemals in den vergangenen 160 Jahren, sagte Tusk nach einer Sitzung des Krisenstabes in Warschau. Das Gremium beriet in der Nacht über erforderliche Maßnahmen, um die Hauptstadt vor der Flut zu schützen. Zu rechnen sei mit Durchbrüchen der Dämme, nötig sei schnelles Reagieren, so Tusk vor Journalisten. Laut Regierung könnten sich die Hochwasserschäden auf zwei Milliarden Euro summieren.

Tusk sprach sich dagegen aus, in den betroffenen Gebieten formell den Notstand auszurufen. Das wäre „in politischer Hinsicht abenteuerlich“, erläuterte der Ministerpräsident. In Polen soll am 20. Juni ein neuer Staatspräsident gewählt werden. Würde der Notstand ausgerufen, müsste die Wahl laut Gesetz auf den Herbst verschoben werden.

Gegen die Flut kämpften insgesamt rund 50 000 Feuerwehrleute und 1000 Soldaten an. Tausende Häuser und Straßen waren betroffen, 360 Schulen blieben geschlossen. dpa


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