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Rund 500 Fische wurden in einen zwei Kilometer entfernten Teich gebracht.

Rund 500 Fische wurden in einen zwei Kilometer entfernten Teich gebracht. © Andreas Gebert

Tiere

Feuerwehr sucht Alligator-Schildkröte Lotti: Badesee gesperrt

Reptilien-Alarm im bayerischen Allgäu: In einem Badesee in der Gemeinde Irsee (Landkreis Ostallgäu) hat eine Alligator-Schildkröte einen Jungen in den Fuß gebissen.

Irsee. Die Feuerwehr hat am Sonntag die Suche nach dem bissigen Reptil fortgesetzt, sogar das Wasser des Sees wurde abgelassen. Doch das Tier ließ sich bis zum Abend nicht blicken.

Der achtjährige Junge war am vergangenen Montag von der Schildkröte gebissen worden, dabei wurde ihm die Achillessehne gleich zweimal durchtrennt. Zunächst war die Wasserwacht bei ihrer Ersten Hilfe von einer Schnittverletzung durch eine Glasscherbe ausgegangen, wie Bürgermeister Andreas Lieb von der freien Wählervereinigung "Bürgerforum Irsee" am Sonntag berichtete. Allerdings fielen gleich die starke Blutung und die besonders heftigen Schmerzen auf.

Der Junge wurde dann von seiner Mutter ins Klinikum Kaufbeuren gebracht und dort am Fuß operiert. Der Achtjährige habe einen speziellen Verband bekommen und dürfe die Sehne sechs Wochen lang nicht dehnen, sagte Lieb. Kurz nach der Operation meldete sich der Arzt im Rathaus und wies darauf hin, dass die Verletzung des Jungen nur von einem Biss stammen könne - er selbst könne sich aber nicht erklären, welches Tier so zubeißen könne.

Experten versicherten dem Bürgermeister, dass die Verletzung auf keinen Fall von einem einheimischen Fisch, auch nicht von einem Hecht, stammen könne. Daraufhin schickte Lieb mit Einwilligung der Mutter des Buben Bilder von der Wunde an das Zoologische Institut in München. Nach längerer Prüfung wurde dort am vergangenen Donnerstag bestätigt, dass die Verletzung wohl von einer Alligator-Schildkröte herrührt. Unklar ist noch, ob es sich um eine Schnapp- oder um eine Geierschildkröte handelt. Unmittelbar nach Eingang des Faxes aus München ließ Lieb den Badeweiher aus Sicherheitsgründen sperren.

Lieb besuchte auch den Jungen. Die Eltern seien mit dem Sohn aus Bonn in den Ferien ins Allgäu gekommen. Sie hätten den Vorfall gelassen aufgenommen und gesagt: "So etwas kann immer mal vorkommen." Die Familie wolle auch im kommenden Jahr wieder im Allgäu ihre Ferien verbringen.

Die Feuerwehr suchte am Wochenende vergeblich nach dem Tier. Möglicherweise habe es sich im Schlamm vergraben, hieß es. Seit Samstag wurde kontinuierlich Wasser aus dem See in einen Bach abgelassen. Am frühen Sonntagabend wurde der See dann abgefischt. Rund 500 Fische wurden laut Lieb in einen zwei Kilometer entfernten Teich gebracht.

Nach dem Abfischen wurde noch am Sonntag das Restwasser des Sees abgelassen, um die Schildkröte auf alle Fälle zu erwischen. Bleibe das Tier auch ohne Nahrung und Wasser unauffindbar, werde man den Oggenrieder Weiher bis zum Frühjahr ohne Wasser lassen, sagte Lieb. Man könne zwar nicht ausschließen, dass die Schildkröte an ein anderes Gewässer wandere - "aber den Allgäuer Winter überlebt sie nicht".

Lieb hat auch einen Finderlohn von 1000 Euro ausgelobt - und zugleich die Anwohner davor gewarnt, die Schildkröte eigenmächtig fangen zu wollen. Teenager gaben dem Reptil inzwischen einen Namen. "Lotti" heißt die Schildkröte, wie auf Pappschildern am Seeufer zu lesen ist.

Trotz der Sperrung des Sees und des Starts der Wasserableitung waren am Samstag noch einige Badegäste gekommen. Vor allem am abgeschirmten Nacktbadestrand an der Westseite des Sees seien noch einige Leute ins Wasser gegangen, berichtete Lieb. "Da habe ich mich schon gewundert, dass mehrere Männer so mutig waren."

Die bissigen Reptilien sind eigentlich in den USA beheimatet, ihre Haltung ist in Deutschland seit 1999 verboten. Wie das Tier in den Weiher kam, ist unklar. Vermutlich wurde es von seinem Besitzer ausgesetzt.

In den vergangenen Jahren sorgten gefährliche Reptilien immer wieder für Aufregung. Im Jahr 2008 verängstigte in München eine Schnappschildkröte eine Spaziergängerin. Bei Garmisch-Partenkirchen biss ein weiteres Exemplar einen 15-Jährigen in den Finger und erhielt daraufhin den Spitznamen "Schnappi". Die Geierschildkröte "Eugen" löste 2002 als "Ungeheuer von Dornach" bei München ebenfalls ein Badeverbot aus.

dpa


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