Navigation:
Heinrich Scholl bat die Bevölkerung per Zeitungsanzeige um Hilfe. Foto: Sören Stache/Archiv

Heinrich Scholl bat die Bevölkerung per Zeitungsanzeige um Hilfe. Foto: Sören Stache/Archiv

Prozesse

Ex-Bürgermeister schweigt zu Mordvorwürfen

Einst als erfolgreicher Kommunalpolitiker gefeiert, jetzt Angeklagter in einem Mordprozess: Ein Ex-Bürgermeister aus Brandenburg soll seine Ehefrau erdrosselt haben, seit Donnerstag steht der 69-Jährige vor dem Potsdamer Landgericht.

Potsdam/Ludwigsfelde. Im Verhandlungssaal schweigt der Angeklagte. Zuvor hatte Heinrich Scholl die Tat bestritten. Er soll seine Frau Brigitte (67) Ende Dezember 2011 in einem Waldstück bei Ludwigsfelde getötet haben.

Wie seine Verteidigerin Heide Sandkuhl zum Auftakt des Prozesses vor dem Landgericht Potsdam mitteilte, wird sich Scholl zu den Mordvorwürfen nicht äußern. "Die bislang vorgelegten Indizien bilden keine tragfähige Grundlage für eine Verurteilung", sagte Sandkuhl.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam stützt ihre Anklage vor allem auf die Ortung von Scholls Handy in der Nähe des Tatorts und auf DNA-Spuren. Das Gericht hat bislang 29 Verhandlungstage bis Ende Februar 2013 und mehr als 70 Zeugen eingeplant. Dem 69-Jährigen droht eine lebenslange Haft. Aus Sicht des Gerichts ist aber auch eine Verurteilung wegen Totschlags möglich, was eine mildere Strafe von 5 bis 15 Jahren zur Folge hätte.

Laut Anklage hat Scholl seine Frau in den Mittagsstunden am 29. Dezember 2011 in einem Waldstück mit einem Schnürsenkel erdrosselt. Anschließend soll er ihr eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt und zwei Faustschläge versetzt haben. Den zum Teil entkleideten Leichnam habe er mit Moos und Laub bedeckt, verlas Staatsanwalt Gerd Heininger die Anklage. Anschließend soll der 69-Jährige den Hund der Frau ebenfalls erdrosselt haben.

Mit versteinerter Miene verfolgte Scholl - im grauen Anzug und mit schwarzem Polohemd - die Ausführungen, schüttelte kurz den Kopf. Ihm schräg gegenüber im Gerichtssaal saß sein Sohn. Der 48-Jährige tritt als Nebenkläger im Verfahren auf. "Er möchte sich ein eigenes Bild machen", erklärte sein Anwalt Sven Rasehorn. Beim nächsten Prozesstag am 23. Oktober (9.00) wird sein Mandant als Zeuge aussagen.

Nicht nur Scholl junior, sondern auch die Einwohner von Ludwigsfelde - einer gut 24 000 Einwohner zählenden Gemeinde südlich von Berlin - suchen nach einer Erklärung. Bis zu seinem altersbedingten Amtsende Anfang 2008 galt Scholl als erfolgreicher Kommunalpolitiker und Ehrenmann. Gerüchte über Eheprobleme und ein von ihm unter Pseudonym geschriebenes Buch mit erotischen Fantasien sorgten nach der Tat für Spekulationen.

Scholl hatte seine Frau am 29. Dezember 2011 bei der Polizei als vermisst gemeldet. Am 25. Januar 2012 wurde er verhaftet und ist seitdem in Untersuchungshaft. Der 69-Jährige will zum Tatzeitpunkt eine Therme besucht haben. Per Annonce hatte er nach Zeugen gesucht, die ihn dort gesehen haben und entlasten könnten - eine recht einzigartige, bislang aber auch erfolglose Aktion.

dpa


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Finden Sie, dass es im Stadion Bereiche geben soll, in denen Pyro erlaubt ist?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie