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Blick in den Gerichtssaal: Die Angeklagten mit ihren Verteidigern© dpa

Justiz

Eskalation der Gewalt: "Black Jackets" vor Gericht

Die Opfer auf dem Esslinger Schulhof hatten in dieser Nacht keine Chance: Mit schwarzen Sturmhauben vermummt fielen 22 mutmaßliche Mitglieder der Jugendbande „Black Jackets“ über etwa 15 junge Leute her, die unter einer Pergola standen.

Mit Baseballschlägern, Teleskopschlagstöcken und Holz- und Eisenstangen schlugen die Täter brutal auf ihre Opfer ein - ein 26-Jähriger wurde dabei fast zu Tode geprügelt, musste operiert werden und lag wochenlang im Koma.

„Er schwebte mehrere Wochen zwischen Leben und Tod“, sagte der Stuttgarter Staatsanwalt Gernot Blessing zu Beginn des Prozesses gegen die zwischen 17 und 24 Jahre alten Männer. 21 von ihnen wird dreifacher versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und schwerer Landfriedensbruch zur Last gelegt. Ein weiterer Beschuldigter wurde wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung angeklagt und ist auf freiem Fuß.

Die Eskalation der Gewalt in Esslingen am 26. Juni 2009 ist beispiellos: Wie Blessing ausführte, soll das Motiv des brutalen Überfalls Rache gewesen sein. Der Bruder eines 20 Jahre alten Angeklagten soll zuvor von Mitgliedern der Esslinger Gang „La Fraternidad“ (LF) geschlagen und provoziert worden sein. Der 20- Jährige und ein 19 Jahre alter Angeklagter sollen sich an ihre Kumpels von den „Black Jackets“ in Stuttgart gewandt haben, um den LF-Leuten eine Abreibung zu verpassen.

Schließlich wurde der Überfall geplant, Waffen wurden ausgesucht. Gemeinsam soll die Truppe dann nach Esslingen gefahren sein, wo sie die LF-Mitglieder vermuteten. Der Prozess soll die Tatbeteiligung der Angeklagten klären und Licht in die Strukturen der „Black Jackets“ bringen.

Viele Mitglieder der „Black Jackets“ gelten als brandgefährlich, einige sind in kriminelle Milieus verstrickt. Die Anhänger tragen einheitliche schwarze Bomberjacken mit einem Pitbull und der Aufschrift „Forever friends“ (Freunde für immer). Die Jugendgang wurden 1985 in Heidenheim von überwiegend jungen Türken gegründet. Heute zählt die Polizei einige hundert Mitglieder, die in verschiedenen Städten in „Chapter“ (Ortsgruppe, Abschnitt) eingeteilt sind.

Mehr als 30 solcher Zusammenschlüsse soll es geben, etwa 20 davon in Baden-Württemberg. Heute mischen in der Gruppe auch andere Nationalitäten mit: Die Angeklagten stammen aus Serbien, Kroatien, Kasachstan, Afghanistan, Mazedonien, dem Kosovo, dem Irak und der Türkei. Einige von ihnen haben die deutsche Staatsbürgerschaft.

Wegen der Vielzahl der Verfahrensbeteiligten, Sympathisanten und der Sicherheitsvorkehrungen begann der Prozess mit rund eineinhalbstündiger Verspätung. Der Mammutprozess des Landgerichts mit rund 75 Beteiligten - davon 42 Verteidiger - musste aus Platzgründen in den Sitzungssaal des Oberlandesgerichts in Stammheim ausgelagert werden.

Kurz nach Prozessbeginn meldeten sich einzelne Verteidiger zu Wort: Einer stellte einen Befangenheitsantrag gegen die Richter wegen „Ungleichbehandlung“ der Inhaftierten, ein anderer rügte die Zusammensetzung der Schöffen. Diesen Gesuchen schloss sich jeweils eine Vielzahl anderer Verteidiger an. dpa


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