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Polizisten durchsuchen in Essen eine Halle mit Autoteilen. Fotos: Stephan Witte

Polizisten durchsuchen in Essen eine Halle mit Autoteilen. Fotos: Stephan Witte © Stephan Witte

Kriminalität

Ermittler sprengen internationale Autoknacker-Banden

"Wie bei einem Autozulieferer": So beschreibt die Polizei ein jetzt ausgehobenes Lager von Autoknackern in Essen. In mehreren Bundesländern und auch in Litauen sind Ermittler gegen mutmaßliche Diebesnetzwerke vorgegangen. Es geht um Millionenschäden.

Essen/Norderstedt. Mit großangelegten Razzien und zahlreichen Festnahmen ist die Polizei in gleich zwei Verbrechensserien gegen internationale Diebesbanden vorgegangen. Der Schaden geht in die Millionen. Im Fokus der Ermittler waren Autoknacker und auch Einbrecher in Deutschland und Litauen.

Wie die Polizei am Dienstag in Essen mitteilten, konnte in einem Fallkomplex ein Netzwerk von Autodieben zerschlagen werden. Die Verdächtigen sollen vor allem hochwertige Autos und Fahrzeugteile wie Navigationsgeräte und Airbags gestohlen haben - die entdeckte Hehlerware soll 1,1 Millionen Euro wert sein. Zeitgleich präsentierten Polizei und Staatsanwaltschaft in Schleswig-Holstein ihren Erfolg in einem zweiten Komplex: Ihnen gelang nach eigenen Angaben ein Schlag gegen eine Diebesbande, die für rund 600 Einzeltaten in mehreren Bundesländern verantwortlich sein soll. Hier beläuft sich der Schaden demnach auf 1,5 Millionen Euro.

Die beiden Aktionen haben der Kieler Oberstaatsanwältin Birgit Heß zufolge nichts miteinander zu tun. "Die Tatsache, dass beide Banden es auf ähnliche Beute abgesehen hatten, zeigt aber, wie groß der Markt dafür vor allem in Osteuropa sein muss", sagte sie in Norderstedt.

Bei der Aktion unter Essener Federführung wurden nach Angaben der Ermittler knapp 50 Verdächtige in Deutschland und Litauen festgenommen und etwa 8 Haftbefehle vollstreckt. "Es ging nicht nur um die kleinen Fische, sondern darum, an die Köpfe zu kommen", sagte der Essener Polizeipräsident Frank Richter.

Rund 700 Beamte waren in Nordrhein-Westfalen und noch einmal 80 in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen beteiligt. Parallel seien in Litauen 90 Fahnder im Einsatz gewesen, um unter anderem die Hintermänner dingfest zu machen. Allein in Deutschland wurden rund 100 Wohnungen und Büros durchsucht. "Bis heute können wir den Banden rund 440 Straftaten zuordnen - da kommt aber sicher noch was dazu", erläuterte der Polizeipräsident. Neben den Delikten rund um Autodiebstahl werde unter anderem auch wegen Einbrüchen und Raub ermittelt.

Die Hehlerware im Wert von 1,1 Millionen Euro wurde unter anderem in einem großen Lager in Essen entdeckt. "Die Regale sehen aus wie bei einem Autozulieferer", sagte Richter. Rund ein Jahr habe die 13-köpfige Essener Sonderkommission "Kasimir" ermittelt, bevor die Beamten zugriffen. Benannt ist die Gruppe nach dem litauischen Nationalheiligen.

Im Fall der zweiten Diebesserie - mit Federführung in Norddeutschland - schlugen die Ermittler ebenfalls in mehreren Bundesländern und in Litauen zu. Acht Menschen seien festgenommen worden, darunter auch der mutmaßliche Drahtzieher aus Litauen, hieß es bei einer Pressekonferenz in Norderstedt. Der 36-Jährige soll nach ersten Erkenntnissen nicht nur die in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg agierenden Diebe gesteuert, sondern auch die Absatz- und Vertriebswege der Beute koordiniert haben.

Die litauische Polizei meldete sogar 17 festgenommene Litauer - allerdings blieb unklar, auf welche Ermittlungskomplexe sich diese Zahl bezieht. Die Festgenommenen würden verdächtigt, hochwertige Autos und Fahrzeugteile gestohlen zu haben. Der verursachte Schaden belaufe sich auf mindestens fünf Millionen Euro, hieß es in einer Mitteilung der Litauer.

dpa


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