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Gesundheit

Ebola-Seuche: WHO kündigt Aktionsplan an

Mit einem 100-Millionen-Dollar Programm will die Weltgesundheitsorganisation den Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika verstärken. Der Aktionsplan soll an diesem Freitag in Conakry, der Hauptstadt Guineas, gestartet werden, wie die WHO in Genf mitteilte.

Genf/Freetown. Damit soll unter anderem deutlich mehr medizinisches Personal eingesetzt werden können. Angesichts der fortschreitenden Ausbreitung des Ebola-Virus in Westafrika erklärte auch Sierra Leone den nationalen Notstand. Präsident Ernest Bai Koroma will die Seuche mit einem Maßnahmenpaket in den Griff bekommen. So sollen ganze Gebiete im Osten des Landes unter Quarantäne gestellt werden.

Die USA gaben eine Reisewarnung für drei afrikanische Staaten heraus. Sie gilt für Guinea, Liberia und Sierra Leone, teilte das Center for Disease Control in Washington mit.

In Conakry wollen Präsidenten westafrikanischer Staaten mit WHO-Generaldirektorin Margaret Chan konkrete Schritte zur Intensivierung des Kampfes gegen die Seuche erörtern. Chan sagte dazu: "Das Ausmaß des Ebola-Ausbruchs und die davon ausgehende Gefahr machen es notwendig, dass die WHO sowie Guinea, Liberia und Sierra Leone die Gegenmaßnahmen erheblich verstärken." Am dringendsten sei der Einsatz weiterer Ärzte und Krankenschwestern, Seuchenexperten, Logistiker sowie Sozialarbeiter. Der Aktionsplan sieht auch stärkere Maßnahmen zur Aufklärung vor.

"Die Lage ist außer Kontrolle", sagt Mariano Lugli, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Genf. Das Virus sei nicht zu stoppen, lokale Gesundheitsbehörden seien überfordert. In Sierra Leone wurden größere Menschenansammlungen verboten. Die Sicherheitskräfte seien angewiesen worden, die Anordnungen durchzusetzen, berichtete der britische Sender BBC.

Koroma kritisierte die WHO scharf. Als der Staatschef am Donnerstagmorgen das Landesbüro der Behörde in Freetown besuchen wollte, habe er dieses geschlossen vorgefunden, "ohne Rücksicht darauf, dass wir es in unserem Land mit einem Notfall zu tun haben", hieß es in einer Mitteilung. Das WHO-Zentrum in Sierra Leone müsse aber "24 Stunden am Tag in vollem Einsatz sein", sagte der Präsident.

Vor wenigen Tagen war der wichtigste Ebola-Experte des Landes im Alter von 39 Jahren an dem Virus gestorben. Sheik Umar Khan hatte mehr als 100 Patienten behandelt und sich dabei selbst angesteckt. In seinem Heimatland galt er als Nationalheld.

Zwei Amerikanern, die ebenfalls an der Krankheit leiden, soll es etwas besser gehen. Bei den Patienten handelt es sich um einen Arzt, der für die Hilfsorganisation Samaritan's Purse tätig ist, und eine Missionarin. Ihr Zustand sei jedoch ernst, teilte die Organisation auf ihrer Webseite mit. Zahlreiche Mitarbeiter sollen wegen der prekären Lage aus der Region abgezogen werden, hieß es. Medizinisches Personal werde aber vor Ort weiter Infizierte betreuen.

Das Nachbarland Liberia hatte bereits am vergangenen Wochenende den Notstand ausgerufen und seine Grenzen geschlossen. Ausnahmen sind lediglich zwei Flughäfen und drei andere Grenzpunkte, an denen aber Zentren eingerichtet wurden, um Ein- und Ausreisende auf eine mögliche Erkrankung zu prüfen.

Am Mittwoch hatte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf die Schließung aller Schulen des Landes angeordnet. Auch sollen die Märkte in Grenzregionen geschlossen werden. Der Freitag (1. August) wurde offiziell zum Ferientag erklärt, um alle öffentlichen Gebäude desinfizieren zu können.

Auch Nigeria hatte vor einigen Tagen nach dem Tod eines Ebola-Kranken aus Liberia seine Sicherheitskräfte an Flughäfen, Seehäfen und Landesgrenzen in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Die Luftaufsichtsbehörde verbot der Fluglinie ASky, Ziele in dem Land anzusteuern. Die Airline habe fahrlässig gehandelt, hieß es. Der infizierte Mann war in einer ASky-Maschine eingereist.

Das US-Friedenscorps kündigte an, Hunderte Helfer aus den drei betroffenen Ländern abzuziehen. Man wolle die Lage mit der Gesundheitsbehörde (CDC) und dem Außenministerium in Washington beobachten, teilte das Peace Corps mit. Sein Team bleibe, sagte Mariano Lugli von Ärzte ohne Grenzen. "Wir stellen uns auf weitere zwei bis sechs Monate ein."

Erste Ebola-Fälle waren in Guinea im März registriert worden, rückblickend wurde darauf geschlossen, dass es schon im Dezember 2013 erste Infektionen gab. Rasch wurden auch Liberia und Sierra Leone erfasst. Es handelt sich um den schwersten Ausbruch der Krankheit seit ihrer Entdeckung im Jahr 1976. Auch ist es die erste Epidemie mit dem gefährlichen Zaire-Ebolavirus in Westafrika.

Etwa 730 Menschen sind dem Erreger nach WHO-Daten bis zum 27. Juli zum Opfer gefallen - mehr als jeder zweite erfasste Infizierte. Es gibt noch keine zugelassene Impfung gegen Ebola und keine Therapie. Die einzigen Gegenmittel sind bisher Aufklärung der Bevölkerung, Isolierung der Kranken und die hartnäckige Überwachung aller Menschen, die mit Patienten Kontakt hatten.

dpa


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