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Die neue Spezialeinheit BFE+ der Bundespolizei darf bei einer Terrorlage „sofort reingehen“.

Sicherheit

Deutschlands härteste Polizeitruppen

Die deutsche Politik hat nach den Terroranschlägen von Paris aufgerüstet. Terroristen rasch und radikal stoppen und bei Bedarf sofort erschießen. Das ist der Auftrag der neu gegründeten Spezialeinheit der Bundespolizei: BFE+.

Berlin. Der Auftrag der im vergangenen Jahr rekrutierten BFE+ (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit Plus) klingt eher nach militärischem als nach polizeilichen Einsatz. Genauso ist das Signal auch gemeint. Jenseits des oft ideologisch motivierten Streits um das Zusammenspiel von Polizei und Militär im Inneren sollten nach außen sichtbare und nach innen wirksame Fakten geschaffen werden.

Die Truppe darf bei einer Terrorlage „sofort reingehen“ und hat das Ziel, im „Schusswechsel mit Terroristen zu bestehen“. So lobte seinerzeit der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Roger Lewentz (SPD), die auf fünf Standorte verteilten 250 Sonderkräfte, die aus der Bundespolizei entstammen. Ihr Spezialgebiet: Amoksituationen, Terror- und Geisellagen, Zeugen schützen, Krisenverhandlungen führen, im Zweifelsfall nicht lange fackeln.

Die Polizisten beherrschen den Häuserkampf, haben das Sturmgewehr G36 statt Maschinenpistolen und verfügen über modernste Sicherungsmittel. Sie sind polizeiliche Fachleute für den finalen Einsatz – mit quasi militärischen Mitteln. Während normale Polizeikräfte die Bevölkerung schützen und einzelne Angreifer aufhalten sollen, geht es bei der BFE+ faktisch um die ultimative Lösung.

Überraschenderweise kam die hoch motivierte Elitetruppe bei der Münchner Amoklage nicht zum Einsatz. Als einzige der Landespolizeien in der Bundesrepublik verfügt die bayerische Polizei, so wie sonst nur die Bundespolizei und die Spezialkräfte, auch über harte Waffen: Maschinengewehr und Handgranate. Sie nimmt eine „Streuwirkung“ ihrer Waffen beim Einsatz im Kauf - anders als die Schutzpolizei dies soll und darf.

Statt der BFE+ die GSG9 per Hubschrauber von Bonn-Hangelar nach München verlegt. Die Grenzschutzgruppe 9 wurde im September 1972 gegründet, nach dem polizeilichen Desaster mit Schutzpolizisten, die auf den Terrorangriff auf die Olympischen Spiele von München reagieren mussten. In München zur Stelle waren auch die österreichische Sondergruppe „Cobra“ sowie Spezialkräfte aus Hessen und Baden-Württemberg. „Aus dem Stand heraus“ hätten die Ordnungskräfte in Bayern „eine komplexe Einsatzlage hervorragend gemanagt“, lobte sogar der sonst nie um einen bunten Forderungskatalog verlegene Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Seit der Stürmung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ in Mogadishu genießt die GSG9 einen legendären Ruf. Sie verfügt über alles, was der internationale Waffen- und Ausrüstungsmarkt hergibt und gilt noch immer als eine der härtesten Spezialtruppen weltweit. Scharfschützen gehören zum Kern der Bundespolizei-Gruppe.

Die Bundesländer verfügen über 22 Spezialeinsatzkommandos (SEK). Sobald man es mit bewaffneten Tätern zu tun hat, werden sie gerufen. Geiselbefreiung, die Überwältigung oder Ausschaltung von Gegnern sind ihr Spezialgebiet. Unterstützt werden die SEK durch MEK (Mobile Einsatzkommandos). Beide kooperieren eng, insbesondere dann, wenn es sich um mobile Täter handelt.

Theoretisch ergänzt werden könnten die polizeilichen Spezialkräfte bei ganz außergewöhnlichen Großlagen im Bedarfsfall auch durch weitere Spezialkräfte der Bundeswehr. Zu ihnen gehören die 50 Kampfschwimmer der Bundesmarine, Kommandosoldaten für Einsätze im Wasser, aus der Luft und auf dem Land. Einen Sonderstatus bildet das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr. Die rund 1000 Elitesoldaten sind die geheimste Sondertruppe für Auslandseinsätze. Rund 40 Spezialisten für extrem riskante Durchsuchungsaktionen sind in der Zentralen Unterstützungsgruppe Zoll (ZUZ) zusammengefasst.

Alle Spezialkräfte haben ein gemeinsames Problem: Sie finden nicht genügend Nachwuchskräfte. Dauereinsatzbereitschaft, hoch qualifizierte Ausbildung und bisweilen unterfordernde Routineeinätze bei Demonstrationen oder Fußballspielen passen nicht immer zu einem normalen Leben.

Dieter Wonka


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