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Das russische Fernsehen zeigt erschreckende Bilder des Terroranschlags in Moskau.

Das russische Fernsehen zeigt erschreckende Bilder des Terroranschlags in Moskau.© ap

Terroranschlag in Moskau

„Der Krieg kommt in ihre Städte“

Hat der Krieg islamischer Separatisten im Kaukasus wieder die russische Hauptstadt erreicht? Sechs Jahre nach ähnlichen Anschlägen militanter Tschetschenen sprengten sich am Montag mitten im morgendlichen Berufsverkehr zwei Selbstmordattentäterinnen in überfüllten Moskauer U-Bahn-Stationen in die Luft.

Von David Novak

Moskau. Hinter dem Blutbad mit fast 40 Toten und mehr als 60 Verletzten vermuten die Behörden auch diesmal Rebellen aus abtrünnigen Kaukasusrepubliken wie Tschetschenien, die vor nicht allzu langer Zeit erneut gedroht hatten, den Kampf nach Russland hinein zu tragen.

Die erste Bombe detonierte kurz vor 08.00 Uhr in der Station Lubjanka in der Stadtmitte, die direkt unter dem Sitz des Geheimdienstes FSB liegt, einer Nachfolgeorganisation des KGB. Die zweite Explosion folgte etwa 45 Minuten später im U-Bahnhof Kulturpark in der Nähe des bekannten Gorki-Parks. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler trug die Attentäterin hier einen Gürtel mit Plastiksprengstoff und zündete ihn, als sich die Zugtüren öffneten.

„Ich hörte einen Knall, sah mich um, und alles war voll Qualm. Die Leute rannten schreiend zum Ausgang“, berichtete der 24-jährige Alexander Walukow, der auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig am Kulturpark in einem Zug saß. Walentin Popow war gerade aus der Gegenrichtung im Bahnhof angekommen: „Ich habe zum ersten Mal im Leben einen toten Menschen gesehen“, sagt der 19-Jährige.

Die Moskauer U-Bahn zählt zu den verkehrsreichsten der Welt; sie befördert an durchschnittlichen Werktagen rund sieben Millionen Fahrgäste und ist ein wichtiges Element im Nahverkehr der chronisch staugeplagten Stadt. Nach den Anschlägen war der Stadtverkehr praktisch lahmgelegt: Rettungswagen mit heulenden Sirenen hatten Mühe, durch die verstopften Straßen voranzukommen.

Auf Amateuraufnahmen aus dem Bahnhof Lubjanka, die das russische Fernsehen zeigte, waren verletzte und vermutlich tote Menschen auf dem Boden liegend und ein verqualmter Bahnsteig zu erkennen. Verletzte, manche mit blutigen Kopfverbänden, wurden in Rettungswagen und Hubschraubern abtransportiert. Aus den betroffenen U-Bahnhöfen strömten entsetzte Pendler, viele weinten. Von Panik war nach Angaben einer Zeitungsverkäuferin am Bahnhof Lubjanka nichts zu bemerken, doch viele Fahrgäste seien verstört gewesen. „Ein Mann weinte, er bekreuzigte sich und sagte ’Gott sei Dank, ich lebe noch’“, berichtete sie.

Der letzte bestätigte Terroranschlag in Moskau ereignete sich im August 2004, als eine Selbstmordattentäterin sich vor einer U-Bahn-Station in die Luft sprengte und zehn Menschen in den Tod riss. Zu dem Anschlag bekannten sich tschetschenische Separatisten. Die russische Polizei hat in jüngster Zeit im Nordkaukasus mehrere führende militante Islamisten getötet. Erst vorige Woche kam in der Region Kabardino-Balkarija der Rebellenführer Ansor Astemirow bei einem Schusswechsel mit der Polizei ums Leben. Die Polizeiaktionen ließen Racheaktionen der Militanten befürchten.

Erst im Februar hatte der tschetschenische Rebellenführer Doku Umarow gedroht, dass „die Zone militärischer Operationen auf russisches Territorium ausgeweitet wird. ... Der Krieg kommt in ihre Städte.“ Umarow übernahm auch die Verantwortung für den Bombenanschlag auf den Newski-Express von Moskau nach St. Petersburg im November, bei dem 26 Menschen getötet wurden.

Präsident Dmitri Medwedew kündigte am Montag an, dass „der Kampf gegen den Terrorismus unerschütterlich und bis zum Ende fortgesetzt“ werde. Auch Ministerpräsident Wladimir Putin, dessen Ruf zu einem Gutteil auf seinem harten Vorgehen gegen tschetschenische Separatisten vor zehn Jahren gründet, schwor, dass „Terroristen vernichtet werden“ würden.

Einzelheiten nannte keiner von beiden. Es war nicht zu erkennen, ob Russland eine neue Strategie für die unruhige Kaukasusregion besitzt. Russische Truppen hatten die tschetschenischen Aufständischen damals zwar mit massiven Angriffen aufgerieben. Doch noch immer können sich die Separatisten in den Bergen und Wäldern der Region verhältnismäßig ungehindert bewegen und gelegentlich kleinere Angriffe ausführen


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