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Schüler und Angehörige gedenken am 26.April 2016 vor dem Gutenberg-Gymnasium der Opfer des Amoklaufs von Erfurt. Ein Ex-Schüler hatte dort 16 Menschen und sich selbst getötet.

Schüler und Angehörige gedenken am 26.April 2016 vor dem Gutenberg-Gymnasium der Opfer des Amoklaufs von Erfurt. Ein Ex-Schüler hatte dort 16 Menschen und sich selbst getötet.
 © dpa

15 Jahre danach

Das hat sich nach dem Erfurter Amoklauf geändert

Vor 15 Jahren hat ein ehemaliger Schüler des Gutenberg-Gymnasiums in Erfurt 16 Menschen und sich selbst erschossen. Als Reaktion auf die Amoktat wurden verschiedene Gesetze geändert. Die Konsequenzen im Überblick.

Erfurt.  Eine Stadt im Gedenken: Der Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt jährt sich am Mittwoch zum 15. Mal. In einer Gedenkstunde erinnerten die Schüler und Lehrer an die 16 Todesopfer, die die Bluttat am Vormittag des 26. April 2002 gefordert hatte. Damals hatte der ehemalige Schüler des Gymnasiums, Robert Steinhäuser, elf Lehrer, eine Referendarin, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten erschossen. Danach erschoss sich der 19 Jahre alte Amokläufer selbst. Nach der Tat des Sportschützen entbrannte eine Debatte über das deutsche Waffenrecht, das daraufhin verschärft wurde. Und auch auf anderen Gebieten wurden Konsequenzen gezogen.

Verschärfung des Waffenrechts

2002 wird eine verpflichtende medizinisch-psychologische Untersuchung für angehende Schützen unter 25 Jahren eingeführt. Die Altersgrenze für Kauf und Besitz von Schusswaffen bei Sportschützen steigt von 18 auf 21, bei Jägern von 16 auf 18 Jahre. Schießsportordnungen von Verbänden, die auch ein sogenanntes Bedürfnis für bestimmte Waffen begründen können, müssen behördlich genehmigt werden.

Nach dem Amoklauf von Winnenden 2009 werden unter anderem die Überprüfungsmöglichkeiten für das sogenannte waffenrechtliche Bedürfnis verschärft. Schießen mit großkalibrigen Waffen wird erst ab 18 Jahren erlaubt. Zudem werden die Möglichkeiten zur – auch verdachtsunabhängigen - Kontrolle der Waffenaufbewahrung erweitert. Grundsätzlich dürfen die Kontrolleure eine Wohnung aber nur mit Zustimmung des Waffenbesitzers betreten.

Veränderung der Einsatztaktik

Nach dem Einsatz am Gutenberg-Gymnasium wird die Polizeitaktik bei solchen Fällen geändert. Nunmehr sollen auch Streifenpolizisten bei Amokläufen sofort in das Gebäude zum Täter vordringen. In Erfurt hatte das Spezialeinsatzkommando nach Berichten über einen zweiten Täter das Gebäude mehrere Stunden lang Raum für Raum durchsucht, in dieser Zeit konnten Rettungskräfte nicht zu allen Opfern vordringen.

Mehr Schulpsychologen eingestellt

In Thüringen werden nach dem Amoklauf von Erfurt befristet für ein Jahr 16 Schulpsychologen eingestellt. In den Jahren 2011 und 2012 wird die Zahl der Schulpsychologen in dem Bundesland auf insgesamt 35 Stellen ausgebaut. Laut Bundesverband Deutscher Psychologen erreicht allerdings auch heute kein einziges Bundesland den aus seiner Sicht anzustrebenden Versorgungsschlüssel von einem Psychologen für 1500 Schüler.

 Änderung des Schulgesetzes

In Thüringen wird die „besondere Leistungsfeststellung“ am Ende der 10. Klasse des Gymnasiums eingeführt, damit Gymnasiasten ohne Abitur einen dem Realschulabschluss gleichgestellten Schulabschluss haben und auch die Fachhochschulreife erwerben können. Der Amokläufer von Erfurt hatte wegen seines Verweises vom Gutenberg-Gymnasium kurz vor dem Abitur keinen Schulabschluss.

In das Thüringer Schulgesetz wurde auch aufgenommen, dass Eltern volljähriger Schüler über schulische Angelegenheiten, vor allem Leistungsabfall und Ordnungsmaßnahmen, zu informieren sind. Die Eltern des Amokschützen von Erfurt wussten nichts vom Schulverweis, da ihr Sohn ihnen den regelmäßigen Schulbesuch vorspielte.

Von RND/dpa

Johann-Gutenberg-Gymnasium, Gutenbergpl. 6, 99092 Erfurt, Deutschland - 

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