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Rüdiger Nehberg ist Deutschlands bekanntester Abenteurer.© dpa

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NP-Interview

„Da erscheint die Wildnis als Rückzugsgbiet“

Zurück in die Wildnis: Die Survival-Branche boomt, der archaische Kampf gegen die Natur ist plötzlich wieder modern. Woran liegt das? Ein Experte klärt auf: Das ist typisch Mann.

Hannover. Der Gifhorner Urologe Peter Hopp (54) ist Mitglied der deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V. und führt Coachings für Männer durch.

„Lofty“ Wiseman erklärt Männern, wie sie in der Sahara überleben. Was halten sie von so einem Survival-Buch im 21. Jahrhundert?

Nun ja, früher haben wir ja auch Karl May gelesen (schmunzelt). Die Welt ist unglaublich komplex geworden, gleichzeitig ist unser Alltag komplett geregelt - aber in manchen Fällen sogar viel gefährlicher als die Ausnahmesituationen, die in solchen Büchern geschildert werden. Bei vielen Männern gibt es aber eine Sehnsucht, in solche archaischen, anderen Welten abzutauchen, in solchen Fantasien und Gedanken zu schwelgen. Da geht es auch um Neugier und Entdeckertum. Ein Satz wie „Ich bin dem gewachsen“ macht Männer glücklich.

Hängt das auch mit der heutigen Definition der Männerrolle zusammen?

Die Rolle war früher klar strukturiert - heute ist sie weit vielschichtiger, das Männerbild hat sich innerhalb einer Generation dramatisch gewandelt. Die Emanzipation der Frauen ist toll, sie können ihre Bedürfnisse heute artikulieren - das müssen Männer auch lernen. Aber männliche Attribute wir Kraft, forsches Auftreten und Durchsetzungsfähigkeit sind heute nicht gerade gesellschaftsfähig. Sie sind aber wichtig, sie sollten ausgelebt werden dürfen.

Ist ein Buch wie der „Survival Guide“ dann so eine Art Fluchtpunkt?

Es kann ein Mittel sein, den enormen Erwartungen von Arbeitgeber und Familie zu entfliehen, dem massiven Druck, der sich aufbaut. Viele Männer um die 40 Jahre leiden heute unter erhebliche Ängsten. Da erscheint die Wildnis als Rückzugsgebiet, das Buch lädt ein, eigene Bedürfnisse zu klären und wahrzunehmen. Körper und Leistung sind ja immer noch ein zentrales Thema für Männer. Ich gehe zum Beispiel gerne alleine auf Trekking-Touren - weil dann keine Erwartungen an mich gestellt werden, man kann den Körper neu erfahren, sich selber spüren.

Können Männer heute noch ohne Hilfsmittel Feuer machen?

Es ist ja nichts Neues, was Autoren wie Lofty Wiseman schreiben. Aber früher wurde dieses Wissen von Generation zu Generation weitergegeben. Heute wachsen viele Jungs ohne männliche Bezugsperson auf, da ist die Prägung durch Mutter, Kindergarten und Grundschule eher weiblich. So ein Buch ist möglicherweise auch eine beruhigende Lektüre, sie gibt Männern das Gefühl: „Ja, ich könnte eine derartige Situation managen!“ Aber zwischen Tun und Denken ist oft eine große Kluft.

Früher waren die Menschen Jäger und Sammler. Sind Männer heute noch Jäger?

Teilweise. Viele Männer machen heute noch „Trophäenschau“: mein Motorrad, mein Weber-Grill, mein Auto. Der Körper ist ein Rückzugsgebiet, das Männern - neben Hof, Keller, Garage - zugestanden wird. Männer lieben Wettbewerb und Herausforderungen. Deshalb ist Mannsein auch eine riskante Lebensform. Männer sterben im Schnitt fünf Jahre früher als Frauen. Das liegt nicht an der Biologie, sondern am Sozialverhalten.


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