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25. März: Ein Mitglied der Bergungsmannschaft vor einer Trümmerstück der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen.

25. März: Ein Mitglied der Bergungsmannschaft vor einer Trümmerstück der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen. © Guillaume Horcajuelo

Luftverkehr

Copilot Lubitz suchte im Internet nach tödlichen Giften

Der Copilot der abgestürzten Germanwings-Maschine hat im Internet nach Zyankali, Valium und tödlichen Medikamenten-Cocktails gesucht - offenbar um sich allein das Leben zu nehmen.

Düsseldorf. Ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitag Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR. Offiziell war bislang nur bekannt, dass sich Andreas Lubitz über "Möglichkeiten der Selbsttötung" informiert hatte. Gut elf Wochen nach dem von Lubitz verursachten Flugzeugabsturz in den französischen Alpen wurde in Haltern der erste tote Schüler beigesetzt.

Den Ermittlern zufolge hatte der 27-Jährige seine Suizidgedanken niemandem offenbart: Weder Angehörige, Ärzte noch Arbeitgeber hätten davon gewusst, hieß es. Lubitz habe sich sogar über Patientenverfügungen informiert, offenbar für den Fall eines misslungenen Suizids. Im Dezember 2014 habe er begonnen, Ärzte aufzusuchen. In den fünf Jahren davor seien keine gesundheitlichen Auffälligkeiten feststellbar.

Demnach klagte Lubitz ab Dezember über Seh- und Schlafstörungen. Neurologen seien von einer Angststörung ausgegangen. Ein Mediziner habe einen "psychosomatischen Beschwerdekomplex" diagnostiziert. Die Krankschreibung habe Lubitz seinem Arbeitgeber aber vorenthalten. Die Ermittlerkommission "Alpen" habe 46 Patientenakten von Lubitz ausgewertet.

Die deutschen Ermittler sehen neben dem Copiloten niemanden, der für den Absturz der Maschine mitverantwortlich sein könnte. Somit gibt es nach deutschem Recht keinen Ansatzpunkt für ein Strafverfahren. Die Ermittlungen dauern aber an, teilte die Staatsanwaltschaft auf dpa-Anfrage mit. Die Behörde trat dem Eindruck entgegen, sie habe die Übernahme der Strafverfolgung von den französischen Behörden abgelehnt. Ein solches förmliches Ersuchen sei bislang nicht eingegangen, sagte ein Behördensprecher.

Der französische Staatsanwalt Brice Robin hatte angekündigt, er werde das Verfahren weiterführen. Für einen möglichen Prozess wäre damit ein Gericht in Marseille zuständig. Nach Angaben des Staatsanwaltes hat er seinen Kollegen in Düsseldorf angeboten, das Verfahren abzugeben, da der Copilot, die meisten Opfer und die Fluggesellschaft aus Deutschland stammen. Auf das Angebot sei die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf nicht eingegangen.

Copilot Lubitz soll den Airbus am 24. März auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz gebracht haben. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben. Die meisten Opfer stammten aus Deutschland - darunter 16 Schüler aus Haltern am See.

Dort wurde am Freitag der erste tote Schüler beigesetzt, eine weitere Bestattung sollte in einem anderen Ortsteil folgen. Die Trauerfeiern finden im Kreise der Familien und Freunde statt. Nach und nach werden in den kommenden Wochen alle 16 Schüler beigesetzt. Die Stadt am Rande des Ruhrgebiets trauert um 16 Zehntklässler eines Gymnasiums und ihre zwei Lehrerinnen.

Fünf der verunglückten Schüler werden auf Wunsch der Hinterbliebenen am Rande einer Gedenkstätte für die Absturzopfer aus Haltern beerdigt. 18 Bäume, die wie in einem Klassenverband angeordnet sind, sollen an die Verstorbenen erinnern. Die Gedenkstätte entsteht gerade auf dem Friedhof der Stadt.

Am Donnerstag hatten die französischen Behörden die Absicht mitgeteilt, nicht identifizierbare menschliche Überreste von der Absturzstelle in einem Sammelgrab nahe des Unglücksortes beizusetzen. Dazu sollten vermutlich im Juli auch die Angehörigen der Opfer eingeladen werden.

Die Marseiller Staatsanwaltschaft will auch eine mögliche Verantwortung der Fluggesellschaft und der Konzernmutter Lufthansa klären. Es gebe aber keinerlei Beweise, dass Germanwings oder Lufthansa Informationen über den Gesundheitszustand des Copiloten gehabt hätten.

dpa


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