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Leichenabtransport im liberianischen Foya: Die Zahl der Ebola-Opfer in Westafrika steigt weiter.

Leichenabtransport im liberianischen Foya: Die Zahl der Ebola-Opfer in Westafrika steigt weiter. © Ahmed Jallanzo

Wissenschaft

Bald 1000 Todesfälle: Millionenprogramme gegen Ebola

Angesichts der rapide zunehmenden Zahl der Ebola-Opfer in Westafrika will die Weltbank den Kampf gegen die Epidemie massiv unterstützen. Bis zu 200 Millionen Dollar (149 Millionen Euro) sollen es Guinea, Liberia und Sierra Leone ermöglichen, das Virus unter Kontrolle zu bekommen und den wirtschaftlichen Schaden durch die Seuche zu mindern, teilte die Organisation mit.

Abuja/Washington. t.

Die Zahl der Ebola-Fälle steigt weiter. Für Hoffnung sorgt die anscheinend erfolgreiche Behandlung eines US-Arztes mit einem neuen Wirkstoff. "Die internationale Gemeinschaft muss schnell handeln, damit die Ebola-Epidemie gestoppt werden kann", sagte der Präsident der Weltbank-Gruppe, Jim Yong Kim.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am vorigen Donnerstag ein 100-Millionen-Dollar-Programm gegen die seit Monaten andauernde Ebola-Epidemie angekündigt. Das Bundesentwicklungsministerium stellt eine Million Euro zur Verfügung.

Bis zum 1. August wurden der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von den betroffenen Länder insgesamt 1603 Ebola-Fälle gemeldet, darunter 887 Tote. Erfasst werden dabei nicht nur mit Labortests bestätigte, sondern auch Verdachtsfälle. Am 12. Juli hatte die Zahl gemeldeter Fälle noch bei 964 gelegen. In den vergangenen Tagen dürften die Zahlen erneut sprunghaft nach oben gegangen sein.

Von den bis zum 1. August erfassten 1603 Meldungen entfallen 646 auf Sierra Leone, 273 Menschen starben dort. Für Guinea sind 485 Infektionen und 358 Tote erfasst. Für Liberia wurden 468 Fälle angegeben, davon 255 tödlich verlaufene. Die Regierung in Monrovia sprach mit Stand 2. August von 268 Todesfällen.

Nach der bestätigten Infektion eines Arztes in Nigeria, der einen kürzlich in Lagos gestorbenen Fluggast aus Liberia behandelt hatte, ist nun auch das mit Abstand bevölkerungsreichste Land Afrikas betroffen. Damit gibt es erstmals direkte Flugverbindungen zwischen einem Ebola-Land und Deutschland.

Die Lufthansa fliegt täglich von Frankfurt aus zwei Ziele in Nigeria an: Lagos und Abuja. "Wir verfolgen die Situation aufmerksam", sagte ein Lufthansa-Sprecher. "Wir planen derzeit aber keine Veränderung in unserem Angebot."

Angst vor einer Ausbreitung von Ebola nach Europa ist aus Expertensicht unbegründet. "Es ist absolut unwahrscheinlich, dass es in Europa zu einer Epidemie kommt", sagte der Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, Jonas Schmidt-Chanasit. Er räumte allerdings ein, dass mit den steigenden Infektionszahlen und immer mehr Helfern aus Europa das Risiko steige, dass ein Erkrankter einreise.

Von der Ansteckung bis zu ersten Symptomen vergehen bei Ebola bis zu drei Wochen. In dieser Zeit könne der Betroffene aber keine anderen Menschen infizieren, sagte Schmidt-Chanasit. Erst bei Fieber, Durchfall oder Erbrechen werde das Virus weitergeben. "Dafür ist ein enger Kontakt mit Erkrankten oder verstorbenen Patienten notwendig - wie ihn etwa Angehörige haben."

Für Hoffnung sorgte die vermeintlich erfolgreiche Behandlung eines an Ebola erkrankten US-Arztes mit dem experimentellen Wirkstoff ZMapp. Experten reagierten darauf jedoch zurückhaltend.

Mit dem auf Antkörpern basierenden Mittel war der Arzt Kent Brantly behandelt worden, der sich in Liberia mit Ebola infiziert hatte. Zuvor war der Wirkstoff lediglich an Affen getestet worden. Nach der Verabreichung habe sich Brantlys Zustand binnen einer Stunde gebessert, hatte der Sender CNN berichtet.

Thomas Geisbert von der University of Texas in Galveston, einer der führenden Ebola-Forscher, zweifelt das an: "Es ist nicht realistisch zu erwarten, dass ernste klinische Symptome in einer Stunde verschwinden. Das passiert nur in Filmen", sagte er der dpa.

"Ich denke, wir sollten sehr vorsichtig sein und keine Schlüsse über die Rolle von ZMapp ziehen, bis wir mehr Details erfahren", mahnte Geisbert. Brantly könne auch zu jenen rund 40 Prozent der Patienten gehören, die die Erkrankung ohne Behandlung überleben. "Ich denke, wir benötigen mehr Daten, um eine definitive Aussage zu treffen."

Risiken von ZMapp für Menschen könne man nicht ausschließen, er schätze sie aber als sehr, sehr gering ein, sagte Geisbert. "Die Daten für ZMapp bei nicht-menschlichen Primaten sind phänomenal, daher halte ich es für eine sehr gute Behandlungsoption."

dpa


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