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Nach Angaben des BfN ist jede dritte untersuchte Art in Deutschland gefährdet.

Nach Angaben des BfN ist jede dritte untersuchte Art in Deutschland gefährdet. © Patrick Pleul

Wissenschaft

Artenschutz-Report: Jede dritte Art in Deutschland gefährdet

Jede dritte untersuchte Art in Deutschland ist nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz (BfN) gefährdet. Das geht aus heute vorgestellten ersten umfassenden Artenschutz-Report hervor.

Berlin/Kopenhagen. In Europa ist fast jede dritte Vogelart vom Aussterben bedroht oder steht auf der Warnliste, wie ein Bericht der EU-Kommission und der Europäischen Umweltagentur (EEA) zeigt.

Ob Rebhuhn oder Wildbienen: "Der Zustand der Artenvielfalt in Deutschland ist alarmierend", sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. Das nationale Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten, werde bislang verfehlt. Eine wichtige Ursache hierfür sei die intensive Landwirtschaft. Jessel forderte eindringlich, die Anstrengungen für den Naturschutz zu verstärken. Umweltorganisationen wie WWF, BUND und NABU werten den Bericht als Alarmsignal.

Laut Artenschutz-Report kommen in Deutschland insgesamt rund 72 000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten vor. In der Roten Liste wurden über 32 000 heimische Spezies auf ihre Gefährdung hin untersucht - mit einem nach BfN-Einschätzung ernüchternden Ergebnis: Rund 31 Prozent sind in ihrem Bestand gefährdet, vier Prozent bereits ausgestorben.

Besonders dramatisch ist dem Bericht zufolge die Situation bei den wirbellosen Tieren, zu denen Insekten gehören: Knapp 46 Prozent der untersuchten Arten und Unterarten sind bedroht, extrem selten oder ausgestorben. Mit Sorge beobachten Experten dabei auch die negative Entwicklung aller 600 Wildbienenarten in Deutschland.

Fast 28 Prozent der Wirbeltierarten - Süßwasserfische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere - seien in ihrem Bestand gefährdet. Die Situation bei den Brutvögeln hat sich laut Bericht spürbar verschlechtert. "Allerweltsarten" unter den Agrarvögeln wie Kiebitz und Feldlerche gehe es kontinuierlich schlechter, sagte Jessel. Beim Kiebitz hat sich demnach der Bestand auf ein Drittel bis ein Viertel reduziert. Beim Rebhuhn gebe es sogar einen Rückgang von 90 Prozent.

Der Bericht nennt aber auch Erfolge: Der Wolf ist zurück, der Biber hat sich erholt, der Schwarzstorch und der Seeadler. Auch der Äskulapnatter (Zamenis longissimus) geht es etwas besser. Die einst fast verschwundene Kegelrobbe ist in die Nordsee zurückgekehrt und jetzt auch in der Ostsee gesichtet worden. "Das sind erfolgversprechende Zeichen, die zeigen, dort wo man aktiven Naturschutz betreibt, da lohnt er sich eben auch", sagte Jessel.

Hauptverursacher für den Rückgang vieler Arten sei die Landwirtschaft. "Früher hat der Bauer auch mal ein paar Halme stehenlassen. Der Feldhamster hatte was zu knabbern, die Vögel hatten dann auch noch was", beschrieb BfN-Sprecher Franz August Emde beispielhaft Änderungen in der Bewirtschaftung. Heute werde auch der letzte Halm verwertet und es gebe riesige Monokulturen.

"Der Bericht legt den Finger in die Wunde", sagte Christoph Heinrich von der Umweltorganisation WWF. "Die Bundesregierung ist meilenweit davon entfernt, ihre eigenen Ziele beim Artenschutz zu erreichen." Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) findet den Report alarmierend. Die Lage der Natur müsse ein "Weckruf an die Politik sein".

In Europa ist fast jede dritte Vogelart vom Aussterben bedroht oder steht auf der Warnliste - darunter auch die früher weit verbreitete Feldlerche und die Uferschnepfe. Der EU-Umweltbericht sieht aber auch Erfolge: So ist die Zahl der Bartgeier und Weißkopfruderenten in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen.

Viele Arten leiden darunter, dass ihre Lebensräume schwinden. Besorgniserregend ist demnach die Entwicklung von Weiden, Feuchtgebieten und Dünen. Die größten Bedrohungen sehen die Experten in der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung mit Dünger und Pestiziden, im intensiven Fischfang und im Trockenlegen von Flächen.

Laut EU-Bericht sind 77 Prozent der geschützten Lebensräume für Tiere und Pflanzen in Europa in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. EEA-Direktor Hans Bruyninckx sagte: "Leider wird die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten in Europa insgesamt noch immer ausgehöhlt." Besonders schlecht schneidet demnach die Ostsee-Region ab.

Der Bericht basiert auf Daten der EU-Staaten aus den Jahren 2007 bis 2012. Ein Teil der Auswertung ergab, dass fast ein Drittel der Lebensräume und rund jede fünfte Art 2012 in einem schlechteren Zustand war als zuvor. Dieser Trend werde sich fortsetzen.

Naturschützer mahnen die EU-Kommission zu einem schnelleren Handeln. In einer Kampagne fordern nach Angaben der Umweltschutz-Initiative Friends of the Earth inzwischen mehr als 100 000 Europäer von der Kommission, die Umwelt- und Artenschutzvorgaben nicht zu schwächen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert in Deutschland und Europa ein Sofortprogramm, das bis 2020 konkrete Artenschutzerfolge bewirken müsse. "Kernelement des Artenschutzes müssen Reformen in der Landwirtschaft sein. Die industrielle Landwirtschaft verursacht zurzeit die größten Schäden an Natur und Umwelt", sagte BUND-Vorsitzender Hubert Weiger.

dpa


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