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Brauch

April, April: Mehrheit kann über Scherze lachen

"April, April!", heißt es gern am 1. des Monats. Und die Mehrheit der Deutschen kann über Aprilscherze auch herzlich lachen. Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für das Magazin Reader's Digest finden 78 Prozent diese Scherze lustig.

Hannover. Weitere 9 Prozent finden sie nur lustig, wenn der Spaß auf Kosten anderer geht. 11 Prozent der 1006 Befragten lehnen diese Art von Humor hingegen ab - bei den Frauen sind es 13 Prozent, die nicht über Aprilscherze lachen können, der Anteil bei den Männern beträgt nur 8 Prozent.

Woher kommt der Brauch?

Aprilscherze sind in den meisten westeuropäischen Ländern üblich. Geht es jedoch um ihren historischen Ursprung, so scheiden sich die Geister. In Deutschland erstmals bezeugt wurde die Redewendung "in den April schicken" wohl schon 1618 in Bayern. Eine der gebräuchlichsten Entstehungstheorien geht auf die Kalenderreform des französischen Königs Karl IX. zurück. Der verlegte den Neujahrstag 1564 vom 1. April auf den 1. Januar. Manche Witzbolde verschickten ihre Einladungen zu Neujahrsfeiern angeblich trotzdem weiterhin zum 1. April. Wer darauf reinfiel, wurde verspottet.

Möglicherweise begann der Brauch aber auch schon in antiker Zeit mit dem römischen Fest zu Ehren des Gottes Quirinus. Die sogenannte Quirinalia galt als Fest der Dummen und Narren. Im römischen Kalender fiel es zwar auf den 17. Februar, Kalenderreformen bewirkten aber möglicherweise seine Verschiebung auf den 1. April.

Fantasie vorausgesetzt

Aprilscherze sind aus Sicht des TuttlingerHumorforschers Michael Titze wesentlich von Schadenfreude geprägt. Vor allem gehe es darum, jemanden in seiner Naivität vorzuführen, sagt der Psychoanalytiker Titze. Ein guter Aprilscherz aber erfordere Fantasie, Fingerspitzengefühl und ein authentisches "Pokerface", sagte der 68-Jährige, der zu den Pionieren des Therapeutischen Humors in Deutschland gerechnet wird. Ein gelungener Aprilscherz müsse verblüffen, die Lügengeschichte plausibel erscheinen, sonst werde derjenige, der hereingelegt werden soll, misstrauisch.

In früheren Zeiten sei der klassische Aprilscherz viel stärker in der Gesellschaft verwurzelt gewesen, vor allem in den Betrieben. Inzwischen aber gerieten diese Scherze zunehmend ins Hintertreffen, sagte Titze. Grund dafür seien unter anderem die Medien, die mit Comedyshows das ganze Jahr über "das Bedürfnis nach schadenfreudigen Abwärtsvergleichen" bedienten. Damit gehe eigene Fantasie und Kreativität zunehmend verloren. Hinzu komme, dass es vor allem für Radiosender mittlerweile zum guten Ton gehöre, selbst einen Aprilscherz aufzulegen.

"Der professionelle Schabernack schlägt dann häufig hohe Wellen, wie etwa vor einigen Jahren, als die öffentlich-rechtlichen Radiostationen von der angeblichen Einführung eines E-Mail-Portos berichteten - und das den ganzen Tag über", sagte Titze. "Indem wir andere zum Narren halten, tun wir etwas fürs Selbstwertgefühl", erläuterte der Wissenschaftler. So entstehe ein psychologisches Abwärtsgefälle, das den Hereinlegenden klüger und kompetenter erscheinen lasse.


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