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Ein Schild erinnert am Alexanderplatz in Berlin an das tödliche Gewaltverbrechen im Herzen der Hauptstadt.

Ein Schild erinnert am Alexanderplatz in Berlin an das tödliche Gewaltverbrechen im Herzen der Hauptstadt.© Kay Nietfeld

Kriminalität

Anklage im Fall Jonny K. noch in dieser Woche erwartet

Ein halbes Jahr nach dem tödlichen Gewaltexzess am Berliner Alexanderplatz sollen sich die sechs mutmaßlichen Schläger ab Mitte Mai zusammen vor Gericht verantworten.

Berlin. Gegen den letzten gefassten Verdächtigen werde die Staatsanwaltschaft noch in dieser Woche Anklage erheben, kündigte Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) am Dienstag an. "Wenn alles super läuft, haben wir am 13. Mai einen gemeinsamen Prozessauftakt." Dies sei aber noch nicht ganz sicher. Gegen Onur U. wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Onur U. hatte sich am Montag den deutschen Behörden gestellt. Er war monatelang in der Türkei untergetaucht und kehrte nun zurück. Damit sind alle sechs Tatverdächtigen gestellt. Der 19-Jährige sitzt jetzt in U-Haft - ebenso wie vier weitere mutmaßlich Beteiligte. Ein Verdächtiger ist gegen Auflagen auf freiem Fuß.

Jonny K. war in der Nacht zum 14. Oktober 2012 vor einem Lokal nahe dem Alex so heftig geschlagen und getreten worden, dass er einen Tag später an Gehirnblutungen starb. Auch ein Freund wurde verletzt. Die Gewaltorgie hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst.

Die Staatsanwaltschaft werde beim Gericht beantragen, das Verfahren gegen Onur U. mit dem der fünf anderen Verdächtigen zu verbinden, sagte Heilmann. Diese sind bereits wegen Körperverletzung mit Todesfolge oder gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Wegen des Alters der Verdächtigen kommt der Fall vor eine Jugendkammer des Landgerichts. Im Jugendstrafrecht liegt die Höchststrafe bei zehn Jahren. Für Körperverletzung mit Todesfolge sieht das Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren vor. Jugendliche können auf ein milderes Strafmaß hoffen.

Nach bisheriger Einschätzung der Staatsanwaltschaft soll Onur U. die treibende Kraft des Angriffs gewesen sein. Justizsenator Heilmann sagte am Dienstag, es sei unklar, ob der 19-Jährige der mutmaßliche Haupttäter sei. Es gebe aber den Verdacht, dass er die Schlägerei angefangen habe. Der CDU-Politiker warnte vor einer öffentlichen Vorverurteilung. Dies kann laut Gericht zu Strafrabatten führen. Heilmann rechnete auch damit, dass sich die Verdächtigen vor Gericht in ihren Aussagen widersprechen.

Experten gingen davon aus, dass sich Onur U. mit deutscher und türkischer Staatsbürgerschaft auch deshalb den deutschen Behörden stellte, weil ihm bei einer Verurteilung in der Türkei eine härtere Strafe gedroht hätte.

Der Strafverteidiger von Onur U., Axel Weimann, betonte, sein Mandant sei aus freien Stücken nach Deutschland zurückgekehrt. Der Beschluss sei bereits vor zwei Wochen gefasst und die Tickets Ende März gekauft worden, sagte Weimann in einem Interview mit dem Berliner RBB-Sender Radioeins. Onur U. wolle zur Wahrheitsfindung während des Prozesses beitragen.

Heilmann unterstrich erneut den Einsatz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Erst nachdem sie bei einem Treffen mit dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan den Fall angesprochen habe, sei Dynamik hineingekommen. So hatte die türkische Seite zuletzt Mordermittlungen gegen den 19-Jährigen eingeleitet, gefasst war er aber nicht. Er sehe keinen Anhaltspunkt für ein schuldhaftes Zögern der türkischen Justiz, sagte Heilmann diplomatisch. Der Senator ging davon aus, dass die Ermittlungen auf türkischer Seite jetzt eingestellt werden.

Dass der Justizsenator im Fall der Prügelattacke für die Anklagebehörde spricht, wurde bei der Vereinigung Berliner Staatsanwälte nicht als Einmischung gesehen. "Ein Senator darf das als oberster Dienstherr", hieß es. "Es gibt keine Vorgaben, die wir nicht einhalten können."

dpa


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