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Panorama USA entschuldigen sich für Menschenversuche in Guatemala
Nachrichten Panorama USA entschuldigen sich für Menschenversuche in Guatemala
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20:35 02.10.2010
Guatemalas Präsident Alvaro Colom behält sich rechtliche Schritte gegen die USA wegen deren Menschenversuchen vor. Quelle: afp

WASHINGTON. US-Präsident Barack Obama äußerte am Freitag in einem Telefonat mit seinem guatemaltekischen Kollegen Alvaro Colom sein „tiefstes Bedauern“. Colom verurteilte die Vorfälle als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und behielt sich rechtliche Schritte vor.

Obama entschuldigte sich bei den Opfern der Menschenversuche, wie sein Sprecher Robert Gibbs mitteilte. „Das ist schockierend, es ist tragisch und verwerflich“, sagte er. Außenministerin Hillary Clinton und Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius bezeichneten die US-Studie am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung als „unethisch“ und „verwerflich“. Auch die beiden Ministerinnen entschuldigten sich und kündigten eine umfassende Untersuchung der Geschehnisse an.

Der Arzt John Cutler hatte in den Jahren 1946 bis 1948 in Guatemala an rund 1500 Menschen untersucht, ob mit dem damals noch neuen Wirkstoff Penicillin Geschlechtskrankheiten behandelt werden können. Für die Studie wählten Cutler und seine Mitarbeiter besonders schutzlose Menschen aus, darunter psychisch Kranke. Sie klärten die Beteiligten nicht über ihr Vorgehen und die möglichen Folgen auf.

Zunächst infizierten die US-Ärzte Prostituierte mit den Geschlechtskrankheiten Tripper oder Syphillis, dann ermunterten sie die Frauen zu ungeschütztem Sex mit Soldaten oder Gefängnisinsassen. Weil sich nur wenige Männer ansteckten, infizierten die Ärzte Soldaten, Gefängnisinsassen sowie psychisch Kranke schließlich direkt mit den Krankheiten. Mindestens einer der Patienten starb während der Studie, unklar ist jedoch, ob der Tod durch das Experiment ausgelöst wurde.

Clinton informierte Guatemalas Staatschef Colom am Donnerstag über die Geschehnisse. Bei einer Pressekonferenz am Freitag sagte dieser: „Was vor all den Jahren geschehen ist, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und die Regierung behält sich das Recht vor, eine formale juristische Beschwerde einzulegen.“ Seine harsche Äußerung milderte er allerdings mit der Feststellung ab, er sei sich „bewusst, dass das nicht die Politik der USA (von heute) ist“. Die Menschenversuche hätten sich „vor langer Zeit“ ereignet.

Die US-Studie war vom Panamerikanischen Gesundheitsbüro, das später in Panamerikanische Gesundheitsorganisation umbenannt wurde, vorgenommen worden. Finanziert wurde die Untersuchung von den Nationalen Gesundheitsinstituten (NIH). Deren heutiger Leiter Francis Collins nannte das Geschehene „zutiefst verstörend“ und „ein entsetzliches Beispiel für das dunkle Kapitel in der Geschichte der Medizin“. Senator Robert Menendez vom hispanischen Ausschuss des US-Kongresses sprach von einem der „dunkelsten Momente“ in der Geschichte der USA. „Kein unschuldiger Mitmensch, egal welcher Herkunft, sollte wie eine Laborratte behandelt werden.“

Die Menschenversuche waren erst in diesem Jahr bekannt geworden, als die College-Professorin Susan Reverby durch Zufall in einem Archiv Dokumente darüber entdeckte. Die Studie war nie veröffentlicht worden. Der verantwortliche Arzt Cutler war auch an der umstrittenen Tuskegee-Syphillis-Studie an hunderten Afroamerikanern beteiligt. Dabei wurde zwischen 1932 und 1972 an Syphillis erkrankten schwarzen US-Bürgern eine medizinische Behandlung vorenthalten. (afp)

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