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Panorama Tote nach Saufgelage - was geschah auf verlassenem Firmengelände?
Nachrichten Panorama Tote nach Saufgelage - was geschah auf verlassenem Firmengelände?
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17:35 05.02.2018
Die wegen Mordes angeklagten Männer sitzen in einem Gerichtssaal des Landgerichts München. Quelle: dpa
München

Sie sei mit stumpfer Gewalt misshandelt und schließlich mit mehreren Hammerschlägen auf den Kopf getötet worden, sagt die Staatsanwältin, als sie am Montag vor dem Landgericht München I minutenlang die Ergebnisse der Ermittlungen vorträgt. Die Männer sollen schließlich den toten Körper in einem Schacht auf dem Firmengelände, auf dem die meisten der Angeklagten zu diesem Zeitpunkt lebten, verschwinden haben lassen. Etwa ein Jahr später, im September 2016, wird die Leiche ausgegraben.

Gut eineinhalb Jahre nach der Tat im Sommer 2015 stehen fünf gebürtige Polen vor Gericht. In Handschellen betreten sie den Gerichtssaal, verdecken ihre Gesichter mit Aktenordnern und Pullovern. Einer streckt seinen Mittelfinger in Richtung der Fotografen.

Alle schweigen zur Tat, bis auf einen. „Sie hat uns beleidigt, uns vorgeworfen, dass wir Schuld sind, dass sie auf der Straße ist“, sagt der 44-Jährige, einer der mutmaßlichen Mittäter zum Prozessauftakt. „Sie hat meine Mutter eine Hure genannt.“

Er habe die Beleidigungen nicht mehr ausgehalten und mit flacher Hand auf den Kopf des Opfers geschlagen. „Ich wollte einfach, dass sie still ist, aber sie hat nicht aufgehört“, sagt der Vater von drei Kindern. Dann, so die Anklage, habe er sie mit dem Fuß getreten, wodurch sie vom Stuhl gefallen und sich Zähne ausgeschlagen haben soll. Daraufhin habe sie die Männer weiter beschimpft und eine Flasche nach dem 44-Jährigen geworfen. Er bereue es sehr, dass er handgreiflich wurde. Es sei das erste Mal gewesen, dass er eine Frau geschlagen habe.

Die beiden mutmaßlichen Haupttäter sollen die Frau ebenfalls angeschrien, allerdings nicht geschlagen haben - vorerst. „Sie haben mich dann vertrieben, mich ausgelacht, weil ich so betrunken war und mir gesagt, dass ich ins Bett gehen soll“, sagt der Familienvater. Ein paar Stunden später sollen die beiden Hauptangeklagten ihn schließlich geweckt und ihm von der Tat berichtet haben - angeblich mit den Worten „Komm! Schau, was passiert ist.“

Die Hauptangeklagten sollen die Frau gewürgt, misshandelt und sie schließlich mit acht bis neun Schlägen mit einem Hammer auf den Kopf getötet haben. Im Anschluss sollen sie die Leiche mit ihren Komplizen in den Schacht geworfen haben. „Ich wollte das alles nicht mehr hören und habe das Gespräch unterbrochen“, sagt der 44-Jährige. Die beiden mutmaßlichen Mörder hätten ihn um Stillschweigen gebeten, er solle niemandem etwas davon erzählen.

Die vier anderen Angeklagten schweigen am Montag zum Tatabend. Drei der fünf Männer hatten damals nach eigenen Angaben massive Alkoholprobleme, hangelten sich von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob und waren zeitweilen obdachlos.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Haupttätern Mord in Mittäterschaft vor. Die anderen müssen sich unter anderem wegen vorsätzlicher Körperverletzung sowie Strafvereitelung verantworten. Das Gericht hat sieben weitere Verhandlungstage bis Ende März angesetzt.

dpa

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