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Panorama Tierquälerei auf dem Geflügelhof: Fehler im System?
Nachrichten Panorama Tierquälerei auf dem Geflügelhof: Fehler im System?
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16:10 12.01.2010
Das Handout-Foto der Tierrechtsorganisation PETA aus dem Jahr 2009 zeigt ein totes Huhn auf einer Geflügelfarm im Kreis Diepholz. In einem Stall dieser zum Wiesenhof-Konzern gehörenden Geflügelfarm sei es wohl zu massiven Tierschutzverstößen gekommen. Quelle: lni
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Osnabrück. Auch wenn es sich bei der Schwere um einen Einzelfall handele, seien Tierquälereien in der Geflügelhaltung „systemimmanent“, teilte der Deutsche Tierschutzbund am Dienstag mit. Am Montag hatte das ARD-Magazin „Report Mainz“ Tiermisshandlungen aus einem Stall des größten deutschen Geflügelfleischproduzenten Wiesenhof im Kreis Diepholz gezeigt und dabei heimlich gefilmtes Bildmaterial von der Tierrechtsorganisation PETA verwendet. PETA stellte das Material in voller Länge bei einer Pressekonferenz in Osnabrück vor.

Ein Sprecher von Wiesenhof und des Wiesenhof-Mutterkonzerns PHW wies die Vorwürfe zurück. Die gezeigten Verhältnisse seien nicht typisch, sondern ein Einzelfall. Das verantwortliche Pächter-Paar der Farm sei inzwischen bei der Staatsanwaltschaft Verden angezeigt worden. Es habe weder Wiesenhof noch die Staatsanwaltschaft informiert, sondern die katastrophalen Zustände gefilmt.

Die Leiterin des Kreisveterinäramtes des Landkreises Diepholz, Anja Eisenack, sagte, ihre Behörde wolle gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft das Videomaterial prüfen. „Der Umgang mit den Tieren ist so nicht in Ordnung“, betonte sie. Sie kündigte auch verstärkte eigene Kontrollen ihrer Behörde in den Betrieben an. Der Geflügelbestand im Kreis Diepholz betrage 4,5 Millionen Tiere in 155 Betrieben.

Nicht jeder Verstoß gegen den Tierschutz sei auch eine Straftat, betonte Eisenack. So gelte beispielsweise das Töten von Tieren ohne Narkose als Ordnungswidrigkeit. Es könne aber auch als Straftatbestand gewertet werden, wenn es mit wiederholtem und langanhaltendem Leiden verbunden sei. In dem PETA-Film sind Wiesenhof-Mitarbeiter zu sehen, wie sie Geflügel mit bloßen Händen das Genick umdrehen. Auf anderen Ausschnitten ist zu sehen, wie die sich wehrenden Tiere brutal in Transportcontainer gesteckt werden, wie diese mit Tieren gefüllten Container aus großer Höhe zu Boden fallen oder wie Tiere brutal gegen die Wand geschleudert werden. „Das alles ist nicht konform mit dem Grundsatz: „Ich muss mit einem Tier vernünftig umgehen““, sagte die Tierärztin.

Der Landkreis werde das Eigenkontrollsystem der Geflügelproduzenten jetzt unter die Lupe nehmen. „Sie werden erklären müssen, warum das nicht gegriffen hat“, sagte die Amtstierärztin. Bei offiziellen Kontrollbesuchen in der Vergangenheit seien solche Verstöße nie festgestellt worden. Es gebe bestimmt schwarze Schafe in der Branche, aber die zu finden, sei schwierig.

Nach Angaben von PETA hatte sich das Pächter-Paar im vergangenen Jahr an die Tierschutzorganisation gewandt. Es habe zuvor Wiesenhof wiederholt auf die schlimmen Zustände in den Ställen hingewiesen, es sei aber nichts geschehen. Daraufhin habe er in den Ställen Überwachungskameras installiert, sagte PETA-Aktivist Stefan Bröckling. Das Pächter-Paar habe seinen Vertrag mit Wiesenhof bereits im Sommer gekündigt, weil es die Zustände nicht mehr verantworten wollte.

Der Sprecher von PHW wies diese Darstellung zurück. „Bilder dieser Art hätten den Veterinären von Wiesenhof im Außendienst auffallen müssen.“ Das verantwortliche Pächter-Paar habe Wiesenhof im vergangenen Jahr nicht über die katastrophalen Zustände informiert.

Den im Film zu sehenden weiteren Wiesenhof-Mitarbeitern sei inzwischen gekündigt worden. Mit den Fremdfirmen, die für die Verladung der Tiere verantwortlich waren, werde nicht mehr zusammengearbeitet. Auch gegen PETA Deutschland werde es eine Strafanzeige geben. Die Tierschützer hätten das Fehlverhalten der Farmleiter geduldet, vielleicht sogar gefördert.

Der Deutschen Tierschutzbund will die Vorfälle um den Wiesenhof-Stall nutzen, um vor Beginn der Grünen Woche in Berlin eine Kampagne gegen diese Form der Intensivtierhaltung zu starten und rief zu einem Boykott von Produkten aus Massentierhaltung auf. Auch wenn die Beispiele in dem PETA-Film besonders drastische Beispiele für das Fehlverhalten Einzelner seien, sei die Massentierhaltung generell nicht tierfreundlich, sagte der Bundesgeschäftsführer des Tierschutzbundes, Thomas Schröder. „Die Tiere werden dort zu Krüppeln“, sagte er.

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