Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Tausende gedenken Opfern der Loveparade
Nachrichten Panorama Tausende gedenken Opfern der Loveparade
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:33 31.07.2010
Zur zentralen Trauerfeier in der Duisburger Salvatorkirche kamen unter anderem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff. Quelle: dpa

DUISBURG. In einer bewegenden Trauerfeier haben Tausende in Duisburg der Opfer der Loveparade gedacht. Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprachen den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) versprach Aufklärung, wer für die Massenpanik mit 21 Toten die Verantwortung trägt. Von den mehr als 500 Verletzten liegen noch immer 25 im Krankenhaus.

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU), der sich gegen massive Schuldvorwürfe wehrt, blieb dem ökumenischen Gottesdienst am Samstag in der Salvatorkirche fern.

Familien und Freunde konnten nach dem Gottesdienst - abgeschirmt von der Öffentlichkeit - an der Unglücksstelle um ihre Toten trauern. Später zogen 2000 Trauernde durch Duisburg in die Nähe der Unglücksstelle, darunter Freunde von Opfern, und ließen Hunderte schwarze und weiße Luftballons steigen. Vor der Fußballpartie Schalke 04 gegen den Hamburger SV im nahen Gelsenkirchen legten Spieler und rund 50 000 Zuschauer eine Gedenkminute ein.

Kraft sprach mit eindringlichen Worten zu den 500 Trauergästen in der Salvatorkirche: „Uns alle lässt das Geschehen nicht los.“ Tausende verfolgten die einstündige Übertragung des Gottesdienstes in zwölf Kirchen und im Fußballstadion des MSV Duisburg. Dort fanden sich statt der erwarteten Zehntausenden nur rund 1500 Besucher zusammen. Auf dem Rasen lag ein schwarzes Holzkreuz, auf dem Kerzen brannten. „Wir kamen in Freude, Liebe und Vertrauen. Jetzt sind wir tot, verletzt und traumatisiert. Musste das sein?“, hieß es auf einem Transparent.

Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, sprach in seiner Predigt von „Trauer und Verzweiflung, Hilflosigkeit und Wut“, die das Denken der Menschen beherrschten und über „Erwachsene, die wie versteinert Verantwortung von sich weg schieben“.

Vor der Gedenkfeier trugen Seelsorger, die beim Unglück im Einsatz waren, zusammen mit Bürgern in einem Trauermarsch Kerzen und Kondolenzbücher vom Unglücksort zur Salvatorkirche.

Am Tunnel, dem Zugang zur Loveparade, lagen schon vor der Trauerfeier Kränze von Wulff, Merkel und anderen Repräsentanten. Die schwarzen, roten und dunkelgelben Blumen darauf symbolisieren die Nationalfarben. Sie liegen in einem Meer von Kerzen, die die Menschen dort abgestellt haben. In Deutschland war Trauerbeflaggung angeordnet.

Wie Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland blieb auch der Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller der Gedenkfeier fern. Sauerland hatte gesagt, er wolle die Trauernden nicht provozieren. Die Linken im Rat haben einen Abwahlantrag gestellt. Für eine Abwahl wird eine Zweidrittelmehrheit benötigt. 25 der 75 Stimmen besitzt die CDU. Sauerland selbst hat sich bislang gegen einen Rücktritt vor der Aufarbeitung der Tragödie gewehrt.

Bundespräsident Wulff warnte nach der Gedenkfeier vor Vorverurteilungen. Die Ermittlungen sollten abgewartet werden, sagte er dem WDR-Radiosender 1Live.

Wulff will den Einsatz der Helfer würdigen. „Ich werde die ehrenamtlichen Helfer, die Leben gerettet und Menschen geholfen haben, nach Berlin einladen und auszeichnen“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Es sei für die Angehörigen wichtig, dass die Nation mit ihnen trauere. Und die Helfer müssten merken, dass sie nicht allein mit dem Erlebten fertig werden müssen.

Nicht nur der Oberbürgermeister und der Streit um das Sicherheitskonzept stehen im Blickpunkt öffentlicher Diskussionen. Medien berichten über Schwachpunkte in der Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsleuten des Veranstalters und der Polizei. Dabei konzentriert sich das Geschehen auf den Zugangsbereich zum Gelände. Letztes Endes sei nicht schnell genug gehandelt worden.

Im Zuge der Debatte um neue Regelungen für Großveranstaltungen warnte der rheinland-pfälzische Innenstaatssekretär Roger Lewentz (SPD) vor Aktionismus. Mit Blick auf Bestrebungen von Nordrhein- Westfalen, neue bundesweite Regelungen zu erreichen, sagte er der dpa: „Ich rate von Schnellschüssen jeder Art ab.“

(dpa)

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Politessen werden angepöbelt, am Rathaus-Telefon hagelt es Beleidigungen - in Duisburg bekommt die ganze Verwaltung die Wut auf den Bürgermeister zu spüren. Für Adolf Sauerland könnte bald der letzte Vorhang fallen. Anfang der Woche wird seine Abwahl Thema.

30.07.2010

Es ist vermutlich nicht nur der Glaube an die eigene Unschuld, der Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) an seinem Amt festhalten lässt. Ein Rücktritt würde den 55-Jährigen finanziell teuer zu stehen kommen.

29.07.2010

Kurz vor der Trauerfeier für die Toten bei der Loveparade haben neben Politikern nun auch Bürger den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) zum Rücktritt gedrängt. Rund 250 Demonstranten forderten am Donnerstag vor dem Duisburger Rathaus den Stadtchef zum Rückzug auf.

29.07.2010

In seinem ersten Interview nach seiner Haftentlassung hat sich der wegen mutmaßlicher Vergewaltigung angeklagte TV-Wettermoderator Jörg Kachelmann erleichtert über seine Rückkehr in die Freiheit geäußert.

30.07.2010

Politessen werden angepöbelt, am Rathaus-Telefon hagelt es Beleidigungen - in Duisburg bekommt die ganze Verwaltung die Wut auf den Bürgermeister zu spüren. Für Adolf Sauerland könnte bald der letzte Vorhang fallen. Anfang der Woche wird seine Abwahl Thema.

30.07.2010

In der 18-Millionen-Stadt Kairo fallen jeden Tag 25 000 Tonnen Müll an. Ein Teil davon wird von internationalen Abfallfirmen und den Bewohnern der „Müllstadt“ abgeholt. Der Rest bleibt auf der Straße liegen und stinkt zum Himmel.

30.07.2010