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Tatort Kirche: 26 Menschen starben bei dem Amoklauf in Texas.

Tatort Kirche: 26 Menschen starben bei dem Amoklauf in Texas.
© dpa

Attentat in den USA

Täter aus Texas war wütend auf Schwiegermutter

Nach dem Attentat einer Baptistenkirche Sutherland Springs im US-Bundesstaat Texas mit 26 Toten kommen immer mehr Details über den Schützen Devin Patrick Kelley ans Licht. Währenddessen diskutiert Amerika mal wieder über schärfere Waffengesetze.

Washington/Sutherland Springs. Bei der Bluttat in einer Baptistenkirche in Texas mit 26 Toten und mehr als 20 Schwerverletzten gibt es laut den Ermittlern Hinweise auf ein familiäres Motiv. Man wisse, dass der Täter, der frühere Militärangehörige Devin Patrick Kelley, wütend auf seine Schwiegermutter gewesen sei, sagte Freeman Martin vom texanischen Ministerium für Öffentliche Sicherheit. Diese habe die Kirche in der Vergangenheit besucht, war aber am Tag des Attentates nicht dort. Auch Kelleys ehemalige Frau und weitere Angehörige seien häufiger in der Kirche gewesen.

Der Gottesdienst hatte gerade begonnen, als Kelley mit seinem Auto ans Kirchengelände heranfährt, aussteigt und zu einem halbautomatischen Gewehr des Typs Ruger AR-556 greift. Der 26-Jährige trägt einen schwarzen Kampfanzug mit schusssicherer Weste und eröffnet sofort das Feuer. Zwei Menschen sinken vor der Kirchentür tödlich getroffen zu Boden, dann wechselt der Schütze das Magazin, betritt das Gebäude und nimmt die versammelten Gläubigen ins Visier.

Mit dieser Waffe tötete Kelley 26 Menschen

Mit dieser Waffe tötete Kelley 26 Menschen. Vor dem Attentat veröffentlichte er bei Facebook ein Foto. „Sie ist ein böses Miststück“, schrieb er dazu.

Quelle: Facebook / Screenshot

Wie die Polizei später mitteilt, fallen in den folgenden Minuten weitere 24 Menschen dem Massaker zum Opfer. Als Kelley schließlich die Flucht ergreift, tritt ihm ein bewaffneter Nachbar entgegen, der den Kirchenbesuchern zu Hilfe geeilt ist. Noch ist das Geschehen nicht vollständig rekonstruiert, aber bei dem Schusswechsel wird der 26-Jährige verletzt. Er lässt seine Waffe fallen, schleppt sich zum Auto, rast davon und verliert Minuten später die Kontrolle über seinen Wagen. Wie Sheriff Joe Tackitt dem US-Sender CNN am Montag sagte, hat sich der Täter nach dem Unfall selbst erschossen.

Schütze war verhaltensauffällig

Am Tatort bietet sich den Polizisten ein erschütterndes Bild: Die Leichen liegen zwischen den Kirchenbänken, im Haupteingang versorgen Ärzte die Verletzten, und Überlebende liegen sich weinend in den Armen. Die Opfer sind zwischen fünf und 72 Jahre alt. Unter ihnen ist auch die 14-jährige Tochter des Pastors. Normalerweise hätte ihr Vater wie jeden Sonntag die Predigt von seiner Kanzel halten sollen. Doch ausgerechnet an diesem Tag hatte der Geistliche einen Termin in einer Nachbargemeinde.

Fest steht, dass der Schütze in den vergangenen Jahren verhaltensauffällig war und immer wieder straffällig wurde. Wie das Verteidigungsministerium in Washington mitteilt, war Devin Kelley Soldat der US-Luftwaffe und wurde 2014 wegen schlechten Verhaltens entlassen. 2012 hatte ihn ein Militärgericht wegen Gewalt gegen seine Partnerin und das gemeinsame Kind zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt.

Texas’ Gouverneur Greg Abbott (unten) informiert die presse über das Massaker

Texas’ Gouverneur Greg Abbott (unten) informiert die presse über das Massaker.

Quelle: dpa

Der texanische Gouverneur Greg Abbott spricht vom schlimmsten Massaker eines Einzeltäters in der Geschichte des Bundesstaates. Gegenüber dem Nachrichtensender Fox News will Abbott sich nicht zu den lockeren Waffengesetzen in Texas äußern, er fordert die Kirchen auf, ihre Gottesdienste und Versammlungen besser zu schützen. Ähnlich äußert sich Donald Trump, der zurzeit auf einer Asienreise ist: „Es war eine Tat des Bösen. Glücklicherweise gab es einen bewaffneten Mann, der den Verbrecher stoppen konnte“, sagte der Präsident bei in Japan. Schuld an dem Drama sei die schwere psychische Störung eines einzelnen Menschen.

NRA sieht sich durch das Massakar bestätigt

Auch der frühere Präsident Barack Obama kondoliert, fordert aber zu einem anderen Umgang mit Waffen und Gewalt auf. Die katholische Kirche meldet sich und verlangt ebenfalls nach schärferen Waffengesetze. Ken Paxton, Justizminister von Texas, stellte hingegen klar: „Wir werden keine Hindernisse für gesetzestreue Bürger errichten, die Schusswaffen besitzen wollen.“

Die einflussreiche Waffenlobby National Rifle Association (NRA) sieht sich in ihrer Argumentation durch das Verbrechen sogar eher bestätigt. Seit Jahren verteidigt NRA-Direktor Chris W. Cox seine Mitglieder mit dem Motto: „Ein schlechter Mensch mit einer Waffe lässt sich nur von einem guten Menschen mit einer Waffe stoppen.“ Auf diese Wortwahl zielt auch US-Präsident Trump mit seiner Stellungnahme am Sonntag in Japan ab.

Von Stefan Koch/RND


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