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Panorama Studentenschaften kämpfen gegen rechtes Image
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14:24 29.11.2009
Das Mitglied in der schlagenden Vereinigung, Falk Hamann, posiert im Haus der Burschenschaft „Alte Rostocker Burschenschaft Obotritia“ in Rostock. Quelle: ddp
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Von Axel Büssem

Rostock/Greifswald. Im Fechtraum der Alten Burschenschaft Obotritia Rostock hängt der Geruch von Schweiß und altem Leder in der Luft. In historisch anmutenden Schutzausrüstungen üben sich junge Männer im studentischen Fechten, der sogenannten Mensur. Einer von ihnen ist der 22-Jährige Falk Hamann. Er hat bereits den ersten Kampf hinter sich, was eine kleine Narbe über dem Auge dokumentiert. Für den Lehramtsstudenten für die Fächer Englisch und Geschichte ist sie ein Symbol für die Freundschaft zu seinen Bundesbrüdern: „Das Fechten schweißt uns durch die gemeinsame heftige Erfahrung zusammen.“

Für andere Studenten ist es der gemeinsame Glaube, das Interesse an anderen Studienfächern oder einfach der Wunsch, in einer fremden Stadt schnell Freunde zu finden, die sie zu Mitgliedern einer Studentenverbindung werden lässt. In rund 20 Corps, Landsmannschaften oder konfessionellen Verbindungen in den beiden Uni-Städten Rostock und Greifswald pflegen einige hundert junge Männer und Frauen studentische Traditionen, die vielen Außenstehenden befremdlich erscheinen.

Das Verbindungsleben der Obotritia spielt sich beispielsweise in einem großen Haus ab, für dessen Kauf und Sanierung die Verbindung mehr als eine Million Euro aufbringen musste. Das Geld stammt vor allem aus dem Verkauf des alten Obotritia-Hauses in Hamburg, wo die 1883 gegründete Verbindung während der DDR-Zeit ihren Sitz hatte. Den Rest brachten die Alten Herren, also die fertigen Akademiker der Verbindung, auf. Hier wohnen die Studenten, die zumeist durch günstige Mieten angelockt werden.

Auch Falk ist so zu Obotritia gekommen. „Ich habe mich gleich in der Gruppe wohlgefühlt und bin nach zwei Wochen beigetreten.“ Vorher hatte er noch nie Kontakt zu Korporationen. Doch so unbefangen gehen nicht viele junge Leute mit Studentenverbindungen um. In der DDR waren sie verboten, daher kennen viele Studenten sie gar nicht oder haben erhebliche Vorurteile. „Oft kommen Kommilitonen, die sich zwar für uns interessieren, die aber sagen, dass ihre Eltern es nie akzeptieren würden, dass sie beitreten“, sagt Falk.

Der schwerwiegendste Vorwurf, Burschenschaften seien von rechtsextremer Gesinnung, scheint in Mecklenburg-Vorpommern nicht zuzutreffen. Rechtsextremismusexperte Arne Lehmann von der Universität Rostock sagt: „Im Land sind Verbindungen nicht als rechtsextrem in Erscheinung getreten.“ Die Ablehnung von Links sieht er vor allem im konservativen Gebaren und dem Hochhalten alter Traditionen bei den Verbindungen begründet. „Man kann den Verbindungen höchstens vorwerfen, dass sie sich nicht konsequent gegen Rechts abgrenzen und rechte Mitglieder ausschließen“, sagt Lehmann.

Auch im Landesverfassungsschutzbericht seien Studentenverbindungen nicht aufgeführt, bestätigt der Sprecher des Landeskriminalamtes, Olaf Seidlitz. „Uns sind keine Verbindungen von Burschenschaften zur rechten Szene oder Organisationen bekannt“, sagte Seidlitz.

Dennoch machen linke Gruppen immer wieder gegen Verbindungen mobil, wie etwa zuletzt in Greifswald gegen die als rechtsgerichtet verdächtigte Burschenschaft Markomannia, bei der mehrere Scheiben eingeworfen wurden. Auch bei der Obotritia in Rostock flogen schon Eier und Steine. Es ärgere ihn schon, sagt Falk Hamann. Eine Studentenverbindung sei kein geschlossener Geheimbund. Dennoch blieben Außenstehende bei manchen Veranstaltungen ausgeschlossen, auch Frauen seien „nicht erwünscht“.

Dass Studentenverbindungen aber nicht nur Männersache sind, zeigt sich bei der Nautischen Kameradschaft Poseidon in Warnemünde. Deren Schriftführerin Anna Gleue studiert im fünften Semester Nautik und engagiert sich seit Beginn ihres Studiums in der Verbindung. Von den 15 Aktiven der Poseidon sei jeder dritte eine Frau, allerdings habe sich das im Jargon der Kameradschaft noch nicht niedergeschlagen. „Wir Frauen bezeichnen uns auch als Bundesbrüder.“ Sie schätze es, sagt die 21-Jährige, später als Seefahrerin immer einen Anlaufpunkt in ihrer Kameradschaft zu haben.

Für Richard Stabenow aus Demmin war der Glaube ausschlaggebend für die Wahl der Studentenverbindung. Der 31-jährige Lehramtsstudent gehört zur Katholischen Verbindung Alemannia in Greifswald, an der ihn das „Lebensbundprinzip“ fasziniere. „Es gibt einen engen Zusammenhalt unter den Generationen, ich komme auch immer gerne mit meiner Frau und unseren drei Kindern aufs Haus.“ Der gemeinsame Glaube schaffe einen Zusammenhalt, „der über Freundschaft und das gemeinsame Biertrinken hinaus geht“.

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