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Ein bisschen Sonne: Badegäste in Scharbeutz.

Ein bisschen Sonne: Badegäste in Scharbeutz. © Daniel Bockwoldt/Archiv

Wetter

Sommer 2014: Meteorologen sehen Zeichen für Klimawandel

Dieser Sommer hatte es in sich: Es begann im Juni mit großer Trockenheit und der ersten Hitzewelle über Pfingsten, die zweite Augusthälfte fühlte sich dagegen mancherorts schon herbstlich an.

Offenbach. Im Juli hingen wochenlang prall gefüllte Regenwolken über weiten Teilen Deutschlands.

Betroffen war vor allem die Mitte, wo es immer wieder stundenlang wie aus Eimern goss. Schuld war eine besondere Wetterlage. Der Deutsche Wetterdienst (DWD), der eine erste Sommerbilanz zog, gab über Wochen fast täglich Unwetterwarnungen heraus.

Am 9. Juni starben bei einem Gewittersturm in Düsseldorf drei Menschen, am 13. Juli regnete es in kurzer Zeit in Mittelhessen so stark, dass eine zwei Meter hohe Flutwelle den Ort Wallernhausen verwüstete. Am 10. August fegte ein Tornado durch Bad Schwalbach im Taunus und richtete in wenigen Sekunden massive Zerstörungen an. Der Kurpark wurde erst zwei Wochen später wieder teilweise geöffnet. Verletzte gab es nicht.

Aber die Extreme glichen sich unter dem Strich fast aus. Insgesamt sei der meteorologische Sommer in Deutschland 0,9 Grad wärmer gewesen als im langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990, teilte der DWD mit. Im Schnitt fielen seit Anfang Juni 272 Liter Regen pro Quadratmeter, 13 Prozent mehr als sonst. Die Meteorologen rechnen in vollen Monaten, für sie ist von Juni bis August Sommer. Im Kalender beginnt der Herbst erst am 23. September.

Im Juni und Juli häufte sich eine seltene Großwetterlage, die schuld an den ungewöhnlich vielen Unwettern war: "Tief Mitteleuropa" (TM) nennen die Meteorologen eine solche für Zentraleuropa gefährliche Lage. Vor allem im Sommer bringe sie Unwettergefahr mit Starkniederschlägen. An 36 von 66 Kalendertagen gab der DWD amtliche Unwetterwarnungen heraus, an 19 Tagen herrschte die TM-Lage. "Für uns ist das ein weiteres Zeichen des Klimawandels", sagte DWD-Sprecher Gerhard Lux.

Die Zahl solcher Wetterlagen steigt nach Beobachtungen der Meteorologen langfristig. Nach einer DWD-Studie gab es um 1950 im Schnitt 8 bis 10 solcher Wetterlagen pro Jahr, heute zwischen 9 und 15, ein Plus von etwa 20 Prozent. Bis zum Jahr 2100 werde mit einem weiteren Anstieg auf 10 bis 17 solcher Großwetterlagen pro Jahr gerechnet.

Global nehmen extreme Wetterlagen - neben den Überschwemmungen in Deutschland auch Kältewellen in den USA oder Dürren - seit Jahren zu. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sieht eine Erklärung in den Bahnen des sogenannten Jetstreams um den Globus. Immer häufiger ziehen diese Höhenwinde in der Atmosphäre die immer gleiche Schleife, anstatt wie üblich die Bahnen zu ändern.

Wenn die Zugbahn sich nicht ändert, fixiert das die Wetterlage an einer Stelle. Die Folgen sind extreme Hitzewellen und Dürren oder anhaltende Regenfälle. Global habe sich die Zahl solcher andauernden Extremwetterlagen in den letzten 30 Jahren verdoppelt, sagte Peter Höppe, Leiter der GeoRisikoForschung des Rückversicherers Munich Re, kürzlich.

Welchen Einfluss der Klimawandel auf die immer gleiche Bewegung des Jetstreams hat, ist allerdings unklar. Die PIK-Forscher sehen einen Zusammenhang. "Allerdings ist das bislang nur eine Hypothese, die zwar plausibel erscheint, aber keineswegs gesichert ist", sagt Höppe.

Der September beginnt mit recht angenehmen Temperaturen. Zwar gibt es auch immer wieder Regenschauer, aber Werte über 20 Grad sind schon am Wochenende drin. Und mit einer Umstellung der Großwetterlage trifft Deutschland in der nächste Woche wieder warme Luft aus Südwesten, die die Temperaturen nach den Erwartungen der Meteorologen noch einmal auf sommerliche 27 Grad klettern lässt.

dpa


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