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Germanwings

Schwierige Bergung in den Alpen

72 der Passagiere des verunglückten A 320 waren Deutsche. Bislang war Germanwings von 67 deutschen Todesopfern ausgegangen. Am Schauplatz der Flugzeugkatastrophe in den französischen Alpen gehen unterdessen die Bergungsarbeiten weiter. Opfer sollen allerdings zunächst nicht geborgen werden.

Digne. Bei der Germanwings-Katastrophe in den französischen Alpen sind mehr Deutsche ums Leben gekommen als angenommen. Wie Germanwings-Chef Thomas Winkelmann am Mittwoch mitteilte, waren 72 Bundesbürger an Bord, als der Airbus am Dienstagmorgen an einem Hochgebirgsmassiv in Südfrankreich zerschellte. Zunächst hatte die Fluglinie von 67 Deutschen gesprochen, zugleich aber betont, dass sich die Zahl noch ändern könne.

Die Ursache für die Katastrophe mit insgesamt 150 Toten ist immer noch völlig unklar. Es seien weiter alle Hypothesen auf dem Tisch, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) warnte vor Spekulationen. Es gebe keine belastbaren Hinweise darauf, dass Dritte den Absturz absichtlich herbeigeführt hätten, betonte er in Berlin. Die Staatsanwaltschaft von Marseille nahm Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung auf.

Die Flugüberwachung habe kurz vor dem Unglück vergeblich versucht, Kontakt zu dem Airbus herzustellen, sagte Staatsanwalt Brice Robin. Was in den acht Minuten vor der Katastrophe geschah, in denen der A 320 fast 10 000 Meter Höhe verlor, ist weiterhin rätselhaft. Erste Informationen erhoffen sich die Ermittler von dem ersten bereits geborgenen Flugschreiber. Das Gerät sei "beschädigt, aber verwertbar", sagte Cazeneuve dem Sender RTL. Bei dem Flugschreiber soll es sich um den Cockpit Voice Recorder (CVR) handeln, der Geräusche und Gespräche im Cockpit aufzeichnet. In Paris begannen Spezialisten mit der Auswertung. Nach der zweiten Blackbox wird noch an der Absturzstelle gesucht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte sich am Mittag zusammen mit dem spanischen Regierungschef Mariano Rajoy und Frankreichs Präsident François Hollande ein Bild von der Unglücksstelle machen. "Wir werden ihnen Karten zeigen und erklären, was geschehen ist und was wir tun", sagte Polizeigeneral David Galtier der Deutschen Presse-Agentur in Seyne-les-Alpes. Zugleich wurden die ersten Angehörigen der Opfer in Seyne-les-Alpes erwartet. Für sie wurde ein Ort der Stille eingerichtet, Dolmetscher waren vor Ort. Die Lufthansa will an diesem Donnerstag weitere Hinterbliebene mit Sonderflügen nach Südfrankreich bringen.

Nach einer Zwangspause in der Nacht nahmen die Bergungsmannschaften am Mittwoch ihre Arbeit wieder auf. Am Morgen starteten die ersten Hubschrauber zu der schwer zugänglichen Unglücksstelle, wo sich die Bergungsteams in das unwegsame Gelände abseilen müssen. Zugleich setzten rund 50 Spezialkräfte, die die Nacht in dem Bergmassiv in Biwaks verbracht hatten, ihren Aufstieg zum Absturzort fort. Die Bergung der 150 Opfer wird nach Einschätzung der Experten extrem schwierig werden. Düsseldorfer Staatsanwälte übernahmen zentral die deutschen Ermittlungen. Auch Experten der Braunschweiger Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung machten sich auf den Weg zur Unglücksstelle. Das Bundeskriminalamt bereitet sich darauf vor, bei der Identifizierung der Opfer mitzuhelfen.

Der Airbus 320 war am Dienstag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf mit 150 Menschen an Bord in der schwer zugänglichen Bergregion abgestürzt. Es handelt sich um eine der schwersten Katastrophen in der deutschen Luftfahrtgeschichte. US-Präsident Barack Obama und Papst Franziskus sprachen den Angehörigen ihr Beileid aus.

Vor dem Joseph-König-Gymnasium im westfälischen Haltern erinnerte am Mittwochmorgen ein Lichtermeer an die 16 Schüler und zwei Lehrerinnen, die bei dem Unglück ums Leben kamen. Sie hatten nach einem Spanien-Aufenthalt in die Heimat zurückkehren wollen. "An unserer Schule wird nichts mehr so sein, wie es vorher war", sagte Schulleiter Ulrich Wessel. "Gestern waren wir viele. Heute sind wir allein", stand auf einem Schild auf dem Schulhof.

Das Bundesinnenministerium ordnete Trauerbeflaggung an allen Bundesbehörden in Deutschland an. Auch in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern wehen alle Fahnen an Dienstgebäuden auf halbmast. Im Bundestag soll am Donnerstag vor Beginn der Tagesordnung der Opfer des Unglücks gedacht werden. Neben den deutschen waren auch Passagiere aus Spanien, Australien, Argentinien, Iran, Venezuela, den USA, Großbritannien, Niederlande, Kolumbien, Mexiko, Japan, Dänemark, Belgien und Israel an Bord.

24 Stunden nach dem Absturz wurde am Mittwoch um 10.53 Uhr mit einer Gedenkminute auf deutschen Flughäfen an die Opfer erinnert. Weltweit beteiligten sich Mitarbeiter von Germanwings, Lufthansa und anderen Fluggesellschaften. Auch das Bundeskabinett in Berlin legte eine Schweigeminute ein. Germanwings strich am Dienstagabend zahlreiche Flüge. Etliche Besatzungen waren nicht zum Dienst gekommen. Auch am Mittwoch erklärten sich mehrere Crews für nicht einsatzbereit. Grund sei "der Schockzustand sowohl beim Kabinen- wie beim Cockpitpersonal", sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft. Am Mittwoch strich die Fluglinie nur einen einzigen Flug, ihren Flugbetrieb stemmte sie mit Hilfe der Konkurrenz. Dass ein Teil des Germanwings-Personals es vorerst ablehne, mit einer Maschine des verunglückten Typs zu fliegen, "darauf haben wir keine Hinweise", sagte der Sprecher der Fluglinie. Schon am Dienstagabend hatte der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr versichert, der verunglückte Airbus der Tochter Germanwings sei "in hervorragendem technischen Zustand" gewesen. Einen Zusammenhang zwischen dem Absturz und einer Reparatur der Maschine am Tag zuvor schloss Spohr aus.

dpa

           
           
         


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