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Panorama Schneekatastrophe legt Norddeutschland lahm
Nachrichten Panorama Schneekatastrophe legt Norddeutschland lahm
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19:20 10.01.2010
Chaos in Norddeutschland: Lastwagen blieben stecken, Schneefräsen kamen kaum durch. Quelle: ap

Heftiger Schneefall sowie Sturm- und Orkanböen brachten den Verkehr auf Straßen, Schienen und Wasser fast vollständig zum Erliegen. Räumdienste kämpften viele Stunden lang gegen den Schnee.

Am schlimmsten traf es Schleswig-Holstein sowie Mecklenburg-Vorpommern, wo ein Krisenstab eingerichtet und teilweise Katastrophenalarm ausgerufen wurde. Nach Auskunft des Schweriner Innenministeriums mussten mehrere Hundert Menschen aus im Schnee steckengebliebenen Fahrzeugen oder Zügen befreit werden. Im Laufe des Sonntags sorgte die stürmische Ostsee zunehmend für Probleme.

Ernsthafte Schwierigkeiten bereiteten vor allem in Schleswig-Holstein auch unterspülte Deiche und die über die Ufer getretene Ostsee samt ihrer Zuflüsse. Am frühen Abend hieß es im Kieler Lagezentrum, derzeit gebe es „an keinem Deich Durchbruch-Gefahr“. Aus der Lübecker Altstadt sowie aus Flensburg wurden Überschwemmungen gemeldet, Hochwasser gab es am Abend auch in Kiel und Eckernförde.

In ganz Mecklenburg-Vorpommern wurde für Montag der Schulbetrieb abgesagt, ebenso in den schleswig-holsteinischen Landkreisen Rendsburg-Eckernförde, Bad Segeberg, Plön und Ostholstein.

Rund 170 Menschen saßen allein auf der Küstenautobahn 20 bei Jarmen in Nordvorpommern die ganze Nacht in ihren bis zu den Fensterscheiben eingeschneiten Autos, Lastwagen und einem Bus fest. Die Rettungsmannschaften konnten die Eingeschlossenen nach dem Einsatz von Schneefräsen erst am Morgen befreien und versorgen. Dazu gehörten auch Familien mit Kindern. In Mecklenburg-Vorpommern blieben drei Personenzüge im Schnee stecken, darunter ein Regionalexpress mit 14 Insassen.

Stromausfall auf Fehmarn


Dramatisch war die Lage auch auf dem fast völlig eingeschneiten Fehmarn, wo - wie auch in einigen Gemeinden Mecklenburg-Vorpommerns - zeitweise der Strom ausfiel. Bis auf die E47 der Vogelfluglinie war auf der Ostseeinsel keine Straße befahrbar, mehrere Orte blieben von der Außenwelt abgeschnitten. Zudem wurde am Fehmarnsund ein Deich an zwei Stellen auf 15 und 25 Metern unterspült. Hier schafften es Helfer ebenso, den Damm auszubessern wie an der Küste bei Dahmeshöved, wo eine Unterspülung dann aber neue Probleme schaffte. „Bis jetzt hat der Deich aber standgehalten“, sagte ein Sprecher des Kreises Ostholstein der Nachrichtenagentur DAPD gegen 19.00 Uhr.

Nachdem sich die Auswirkungen am Samstag zunächst noch in Grenzen gehalten hatten, sorgte das Tief „Daisy“ am Sonntag doch noch für die vielfach befürchtete Wetter-Katastrophe. Die Polizei rief die Autofahrer dringend auf, ihre Fahrzeuge stehenzulassen. In Nordvorpommern kamen ein 27- und ein 29-jähriger bei einem Autounfall im Schnee ums Leben, in Schleswig-Holstein gab es mehrere zum Teil lebensgefährlich Verletzte.

Am Nachmittag meldete der Kreis Segeberg mehrere eingeschneite und nicht erreichbare Orte. In Travemünde peitschen die Ostseewellen gegen die Strandpromenade und rissen Ziegelsteine aus der Mauer, die dann unkontrolliert herumflogen.

Im Landkreis Ostvorpommern wurde am Sonntagmorgen Katastrophenalarm ausgelöst, zudem wurden im Nordosten eine Reihe von Bahnstrecken gesperrt und der Fährbetrieb weitgehend eingestellt. Auf den Inseln Rügen und Usedom, den Halbinseln Fischland, Darß und Zingst sowie dem küstennahen Festland brach der Verkehr fast völlig zusammen. Der Nahverkehr stellte im Küstenbereich den Betrieb ein.

In Schleswig-Holstein kam es nach Polizeiangaben zu mehr als 200 Unfällen. Die A20 wurde zwischen Lübeck und Bad Segeberg in der Nacht gesperrt, nachdem sich der Schnee aufgrund von Verwehungen bis zu drei Meter hoch aufgetürmt hatte. Die Behörden rechneten auch für den Abend und die Nacht zu Montag mit starken Böen. Für die Kieler und die Lübecker Bucht wurden Hochwasserwarnungen ausgesprochen.

Flugbetrieb stark beeinträchtigt


In Baden-Württemberg meldete das Innenministerium von Freitagnachmittag bis Sonntag 904 Unfälle mit 97 Verletzten. Am Grenzübergang Neuenburg hatten sich wegen der Sperrung einer französischen Autobahn in der Nacht zum Samstag 400 Lastwagen gestaut. Auch der Flugbetrieb wurde stark beeinträchtigt: Allein in Frankfurt fielen am Wochenende mehr als 300 Flüge aus. In Nürnberg kam in der Nacht zum Samstag eine Maschine der Air Berlin vom Rollfeld ab und blieb im Schnee stecken.

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