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Panorama Rettung der Kumpel in Chile: Zuerst die Geschicktesten / Regierung friert Betreibervermögen ein
Nachrichten Panorama Rettung der Kumpel in Chile: Zuerst die Geschicktesten / Regierung friert Betreibervermögen ein
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17:42 25.09.2010
Ein Mann arbeitet an der Spitze der Bohrmaschine vom Typ Schramm T-130 , die für die Rettung von 33 gefangenen Bergarbeitern in Chile eingesetzt wird. Quelle: dpa
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SANTIAGO DE CHILE. Das Ende des Grubendramas in Chile rückt näher und erste Details der geplanten Rettung der Kumpel wurden jetzt bekannt. So sollen zuerst die Geschicktesten, dann die Schwächsten und zuletzt die Stärksten der 33 Bergleute an die Oberfläche gezogen werden, kündigte der leitende Arzt des Bergungsteams bei der Mine San José in der Atacama-Wüste, Jorge Díaz, an. Die Reihenfolge der Rettung biete sich an, um gleich zu Anfang von den ersten Geretteten Informationen über die Lage in 700 Meter Tiefe zu bekommen.

Auf die bis zu einer halben Stunde dauernden Fahrt in einer engen Kapsel durch einen der drei Rettungsschächte werden die Bergleute unterdessen schon jetzt wie Kampfpiloten vorbereitet. Dabei gehe es vor allem um Muskelübungen, damit die Männer ihre Blutzirkulation verbessern können, wenn sie in der Kapsel eingezwängt sind, berichteten chilenische Medien am Samstag. Die Experten hoffen, dass einer der drei Rettungsschächte, die zurzeit gebohrt werden, Ende Oktober oder Anfang November fertig sein wird.

Die Zusammensetzung der drei Gruppen werde aber erst kurz vor der Rettung festgelegt, sagte Díaz. Dabei sollen auch Hinweise eines Retters helfen, der zu den Eingeschlossenen heruntergelassen wird, um ihnen die Kapsel zu erklären und beim Einsteigen zu helfen. Die Rettungskapseln, von denen die Marine derzeit drei Stück baut, sollen mit Sauerstoff, Licht, Trinkwasser und einer Gegensprechanlage ausgestattet werden.

Insgesamt werde es dann jeweils etwa eineinhalb Stunden dauern, einen Verschütteten zu bergen, sagte der Vizeleiter des Rettungsteams, René Aguilar. Zwar brauche die Kapsel, in die jeweils nur ein Mann passt, nur 20 bis 30 Minuten, um an die Oberfläche gezogen zu werden, aber das Herablassen der Kapsel sowie das Ein- und Aussteigen würden noch einmal etwa eine Stunde in Anspruch nehmen. Damit wird es mindestens zwei Tage dauern, bis alle 33 Mann aus der Tiefe befreit sind.

Die Bohrungen gingen unterdessen weiter. Das langsamste Gerät vom Typ Strata 950 war bei einer Tiefe von 425 Meter angelangt. Allerdings handelt es sich nur um einen ersten Bohrgang, der später in einem zweiten Arbeitseinsatz erweitert werden muss. Der schnellere Schramm-Bohrer befindet sich schon in dieser zweiten Phase und stieß 128 Meter tief in das Gestein vor. Der dritte und größte Bohrer war bei 48 Meter angekommen.

Unterdessen hat die chilenische Justiz das Vermögen der Betreiberfirma der Mine eingefroren, um die Kosten für die Rettung der Bergleute zu decken. Das Gericht entsprach mit der Entscheidung vom Freitag einer Forderung der chilenischen Regierung. Das Vermögen der Firma San Esteban beträgt umgerechnet rund 7,2 Millionen Euro. Das Unternehmen ist in Finanzschwierigkeiten und hatte Anfang September bereits eine mögliche Insolvenz prüfen lassen. Die Rettungsaktion könnte nach Angaben der Regierung "mehrere Millionen Dollar" kosten.

(dpa/afp)

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