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Panorama Prozess um blutigen Axt-Mord an Schornsteinfeger
Nachrichten Panorama Prozess um blutigen Axt-Mord an Schornsteinfeger
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17:44 07.01.2010
Psychisch krank: Der Angeklagte im Axtmord-Prozess. Quelle: lni
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Bielefeld. Ein psychisch kranker Mann hat am Donnerstag vor dem Landgericht Bielefeld den Mord an einem Schornsteinfeger zugegeben. Im Wahn soll der Angeklagte hohe niedersächsische Ministerialbeamte den 42-Jährigen im vergangenen Juli für einen „Sendboten der Verschwörung“ gehalten und hinterrücks erschlagen haben. Die sechs gezielten Hiebe mit Axt und Beil auf den Hinterkopf trafen den arglosen Schornsteinfeger in Petershagen bei Minden völlig unvorbereitet. Zum Auftakt des Prozesses bestätigte der Beschuldigte sein Geständnis aus der Polizei-Vernehmung und bedauerte die Tat. Die Staatsanwaltschaft will die Unterbringung des 54 Jahre alten Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus erreichen.

Gefasst verfolgt der Bauoberamtsrat die Verhandlung. Als die Pathologin die grausigen Details der Obduktion vorträgt, verlassen die Frau und die Kinder des Opfers vorsorglich den Saal. Der Angeklagte sieht die Sachverständige scheinbar unbewegt an. Sie trägt vor, dass die Treffer mit Axt und Beil tief in den Hinterkopf eindrangen. Wahrscheinlich war das Opfer schon nach dem ersten Schlag bewusstlos, spätestens nach fünf Minuten tot.

Nach der Tat verständigt der 54-Jährige die Polizei. In der Vernehmung spricht er von einer allgemeinen Verschwörung gegen ihn, auch die Polizisten würden dazugehören. Die damalige Aussage, die jetzt im Prozess verlesen wird, gewährt einen tiefen Blick in die chaotische Seelenlage des Täters. An dem Morgen des 7. Juli 2009 habe er bereits einige Flaschen Bier getrunken, sagte der 54-Jährige. Er sei Alkoholiker, brauche jeden Tag eine Flasche Whisky und einen halben Kasten Bier. Der Bluttest ergibt später 0,89 Promille. Er habe sich gerade umbringen wollen. Das Seil von einem fehlgeschlagenen Selbstmordversuch im April habe noch am Treppengeländer gehangen. In dieser Situation kommt der Schornsteinfeger ins Haus. Er soll die Heizungsanlage prüfen. „Er hat sich über mich lustig gemacht“, behauptet der Oberamtsrat, der in einem Ministerium in Hannover gearbeitet hat, später in der Vernehmung. „Er kannte mein Leid, er war Teil der Verschwörung.“ Eine Stimme habe ihm befohlen, den Mann zu töten. Er selbst habe mehrere Selbstmordversuche hinter sich und: „Es geht mir beschissen.“

Der Angeklagte hatte schon länger mit seinem Seelenzustand zu kämpfen. Vom 10. Juni bis 3. Juli 2009, also bis wenige Tage vor der Tat, begab er sich freiwillig in die Psychiatrie im ostwestfälischen Lübbecke. Dort habe man die Gefährlichkeit seines Mandanten offenbar nicht erkannt, sagt Verteidiger Jochen Heidemeier in einer Verhandlungspause. 2003 musste er seinen Jagdschein abgeben, weil illegale Waffen und Unmengen Munition bei ihm gefunden worden waren. Das Verfahren gegen den unverheirateten und kinderlosen Mann wurde damals eingestellt, wegen Schuldunfähigkeit. Es sei die „katastrophale Einsamkeit“ gewesen, sagt Heidemeier.

In dem Verfahren geht es vor allem um die Unterbringung des Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung gehen davon aus, dass er bei der Tat schuldunfähig war. Der Prozess wird nächsten Mittwoch fortgesetzt. lni

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