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Panorama Polizei in China verbietet ersten Schwulen-Wettbewerb
Nachrichten Panorama Polizei in China verbietet ersten Schwulen-Wettbewerb
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16:43 15.01.2010
Wollte mitmachen, durfte nicht: Simon Wang Quelle: ap

Die Veranstaltung in einem Pekinger Nachtclub sei offiziell nicht korrekt angemeldet worden, erklärte Organisator Ben Zhang. Acht junge Männer hatten am Freitag vor, um den Titel und ein Ticket für den Wettbewerb „Worldwide Mr. Gay“ im Februar in Oslo zu konkurrieren. Zhang wollte damit das Thema Homosexualität mehr in die öffentliche Aufmerksamkeit rücken.

Die Leute sollten merken, „dass wir nicht einfach Weicheier sind, wir sind keine Psychos, wir sind keine HIV-infizierten Patienten“, erklärte der Organisator vor der Absage. „Wir sind sonnige, sexy, schicke und intelligente Leute, und wir leben mitten unter euch.“

Am Thema der Veranstaltung habe die Polizei offiziell nichts auszusetzen gehabt, sagte Zhang weiter. Wegen der geplanten Bühnenshow hätte er den Angaben zufolge aber eine behördliche Genehmigung einholen müssen. Die Proben wurden am Donnerstagabend indes nicht beanstandet, und sogar die amtlichen Medien hatten über den Wettbewerb berichtet.

Nach der Gründung der Volksrepublik 1949 galt Homosexualität als Krankheit aus dem dekadenten Westen. Schwule und Lesben wurden verfolgt, und erst 2001 wurde ihre sexuelle Orientierung von der Liste der Geisteskrankheiten gestrichen. Vor dem „Mr. Gay China“-Wettbewerb wollten trotzdem alle Kandidaten von der Nachrichtenagentur AP sicherheitshalber nur ihre englischen Namen genannt wissen, um zu Hause nicht erkannt zu werden.

Einer von ihnen, David Wu, machte sich Sorgen, dass ihn seine Eltern im Fernsehen oder in der Zeitung sehen könnten - weil er ihnen noch immer nicht erzählt hat, dass er schwul ist. Damit geht es dem 30-Jährigen wie vielen der schätzungsweise 39 Millionen Homosexuellen in China: Die meisten halten ihr Leben selbst vor ihren eigenen Familien geheim. Der Großteil der einheimischen Medien werde ohnehin nicht über den Wettbewerb berichten, „deswegen ist es wohl unwahrscheinlich, dass meine Eltern es herausfinden“, sagte Zhang zuversichtlich. „Andererseits, wenn sie es tun... vielleicht ist das eine gute Gelegenheit, es ihnen zu sagen.“

Schweigen aus Rücksichtnahme auf die Familie


Die Leute wüssten einfach nicht viel über Schwule, sagte einer seiner Konkurrenten, der 25 Jahre alte Andrew Muyi aus der westchinesischen Region Xinjiang. „Sobald sie mehr über mich wissen, werden sie mich verstehen.“ Fast die ganze Gruppe ist sich einig: Ihre größte Herausforderung besteht im Umgang mit ihren Eltern und den tief verwurzelten Erwartungen, zu heiraten und eine Familie zu gründen.

„Wirklich, die einzige Schwierigkeit sind die Eltern“, sagte der 30-jährige Wu. „Aber selbst wenn dich deine Eltern akzeptieren können, müssen sie noch immer ihren Freunden und der Familie gegenübertreten.“ Er selbst hat sich ihnen gegenüber aus Rücksicht noch nicht geoutet: „Ich will sie nicht diesem Druck aussetzen.“

Andere, die offen mit ihrer sexuellen Orientierung umgehen, sehen sich dennoch oft der Forderung gegenüber, doch endlich „ein nettes Mädchen zu finden“. Seine Eltern erwarteten beharrlich, dass er heirate, sagt Steven Zhang. „Man kann sie nicht ändern“, erklärte der 30-Jährige schulterzuckend.

Schwules Hochzeitspaar auf der Titelseite


In vielen Familien sei persönliches Glück gegenüber traditionellen Verpflichtungen wie der Zeugung eines Sohnes völlig unbedeutend, sagt die Sexualwissenschaftlerin Li Yinhe. Die Fortführung der Familie stehe im Mittelpunkt, und demgegenüber müsse anderes zurückstehen. Lis Schätzungen zufolge gibt es mindestens 39 Millionen Schwule und Lesben in China - das sind mehr als Kanada Einwohner hat.

Immerhin scheint die Volksrepublik inzwischen offener mit dem Thema umzugehen. In Shanghai fand im vergangenen Juni das erste Schwulen-Festival statt und in Peking das fünftägige Beijing Queer Film Festival, das in den Jahren 2001 und 2005 noch von der Polizei verboten worden war. Auch die staatlichen Medien ziehen nach. Die englischsprachige Zeitung „China Daily“ brachte in dieser Woche auf ihrer Titelseite einen Bericht über die Hochzeit zweier Schwuler in der südwestlichen Stadt Chengdu, neben einem Farbfoto des aneinandergeschmiegten Paares.

Von mehr Aufmerksamkeit in den Medien könnten alle Homosexuellen in China profitieren, sagt Organisator Zhang: Er selbst habe erst mit 18 oder 19 erfahren, dass es ein chinesisches Wort für homosexuell gibt.

(Anita Chang, apn)

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