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Panorama Peta verklagt Brieftaubenverein wegen Tierquälerei
Nachrichten Panorama Peta verklagt Brieftaubenverein wegen Tierquälerei
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10:11 15.09.2018
Brieftauben werden laut Peta durch Wettflüge gefährdet. Quelle: privat
Neumünster

Für die einen ist es Tierquälerei, für die anderen Hobby und Sport: Die Organisation Peta hat einen Brieftaubenverein aus Neumünster angezeigt, weil bei Wettflügen angeblich mehr als 500 Vögel umkamen. Die betroffene „Reisevereinigung Neumünster und Umgebung“ räumte zwar einige Verluste ein, machte dafür aber vor allem die von Tierschützern gehätschelten Greifvögel verantwortlich.

„Die Reisevereinigung nimmt bei ihren Wettflügen in Kauf, dass sehr viele Tauben sterben“, sagte Peta-Anwalt Christian Arleth. Eine derartige Tierquälerei sei kein Kavaliersdelikt. „Vögel aus Profitgier und Prestigegründen zu missbrauchen, passt nicht in eine moderne Gesellschaft“, ergänzte der Anwalt und erinnerte an das Ziel von Peta. Die Organisation, die weltweit arbeitet, möchte Tauben-Rennen verbieten.

Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Kiel

Die Anzeige, die bei der Staatsanwaltschaft Kiel gestellt wurde, stützt sich laut Arleth auf Angaben des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter, der alle Wettflüge des vergangenen Jahres ausgewertet hat. Demnach veranstaltete die Reisevereinigung aus Neumünster im Sommerhalbjahr neun Preisflüge. Am ersten Mitte Mai nahmen 24 Züchter mit 926 Tauben teil, am vorletzten Anfang Juli nur noch 18 Züchter mit 339 Vögeln. Bei jedem Flug seien Tauben verloren gegangen, beklagte Arleth. Die Verlustrate betrage insgesamt 587 Tiere oder 63 Prozent. Die Verantwortlichen hätten vorsätzlich Tierquälerei begangen.

„Reine Effekthascherei“

Der Vorsitzende der Reisevereinigung, Heinrich Suitner, wirft Peta „reine Effekthascherei“ vor. „Die Tierschützer machen das, um mehr Spenden zu erhalten.“ Die von Peta errechnete Verlustrate von weit mehr als der Hälfte der Tiere sei Unsinn. „Bei Wettflügen kommen zwar viele Tauben nicht zurück.“ Die Rate sei aber deutlich geringer, weil Peta geschwächte und damit nicht startreife Tauben als Verlust zähle. Suitner verweist auf seine eigene Bilanz. Er sei im vergangenen Jahr mit 52 Tauben in die Saison gestartet, habe bei mehr als 400 Vogelstarts insgesamt elf Tiere verloren, also über den gesamten Sommer 21,2 Prozent.

„Mindestens vier meiner Tauben sind von Greifvögeln geschlagen worden“, beklagt Suitner. Verantwortlich dafür macht er neben Peta insbesondere Öko-Verbände wie den BUND oder den Nabu. „Sie haben dafür gesorgt, dass es in Schleswig-Holstein wieder mehr Wanderfalken, Habichte und Sperber gibt.“ Mit der wachsenden Zahl der Greifvögel sei auch die Verlustrate bei Tauben-Wettflügen gestiegen.

Tauben geraten in Windkraftanlagen oder werden überfahren

Andere Tauben geraten in Windkraftanlagen, Hochspannungsleitungen oder legen bei den teils mehr als 500 Kilometer langen Rückflügen in den heimischen Schlag eine Pause an einer Straße ein und werden überfahren. Andere Tauben würden sich verirren und sich der Population“ in den Städten „anschließen, berichtete die Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes, Lea Schmitz.

Die Tierschützer bemängeln zudem, dass die öffentliche Hand die Taubenzüchter und Reisevereinigungen kaum kontrolliert. In Schleswig-Holstein sind dafür die Kreisveterinäre zuständig. Das Umweltministerium kündigte auf Anfrage unserer Zeitung an, das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Fachbesprechung mit den Veterinärämtern zu setzen.

Die Staatsanwaltschaft Kiel teilte mit, dass es immer wieder mal Strafanzeigen wegen Tauben-Wettflügen gebe und sie in Rücksprache mit den Veterinärbehörden bearbeitet würden. Zu Prozessen sei es bisher nicht gekommen. Aber: „Jede Anzeige wird selbstverständlich geprüft.“

Von RND/kn/Ulf B. Christen

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