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Panorama Ohnmacht und Wut nach dem Tod von Julian
Nachrichten Panorama Ohnmacht und Wut nach dem Tod von Julian
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14:54 19.08.2010
Nachbarn trauern um Julian Quelle: dpa
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Die Menschen im kleinen Ort Delligsen im Weserbergland stehen nach dem schrecklichen Tod des fünfjährigen Julian wie unter Schock. Entsetzen und Fassungslosigkeit beherrschen die 3700-Seelen-Gemeinde in Niedersachsen. Aber auch eine gewisse Erleichterung, dass der Täter so schnell gefasst worden ist. Nur wenige Stunden nach dem Fund der Leiche nahm die Polizei am Mittwochabend den 26 Jahre alten Lebensgefährten von Julians Mutter fest.

Der Mann habe gestanden, den Jungen schwer misshandelt, gedemütigt und geschlagen zu haben, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hildesheim, Bernd Seemann, am Donnerstag. Nach langen Qualen starb das Kind in der Nacht zu Dienstag an inneren Blutungen. Die Mutter war am Sonntag mit Julians dreijährigem Bruder ins Krankenhaus gefahren.

Bei ihrer Rückkehr am Dienstag war der Fünfjährige nicht da. Ihr Freund sagte ihr, er habe ihn seit dem Nachmittag nicht mehr gesehen. Da war der Junge aber schon seit mehreren Stunden tot. Zwischen Abfallsäcken und Müll wurde die mit Wunden übersäte Leiche des Kleinen in einer benachbarten Garage gefunden. Der Lebenspartner der Mutter sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.

In Delligsen ist der 26-Jährige als leicht erregbar bekannt. Eine ehemalige Nachbarin erzählt, er sei aufbrausend und rabiat gewesen. „Wenn ich ihn auf seinen Müll an unserem Haus angesprochen habe, ist er immer gleich an die Decke gegangen und frech geworden“, sagt Christa Voß. Schließlich habe er seine Wohnung räumen müssen. „Wir waren froh, als er endlich raus war“, meint die 67-Jährige. Erzählt wird auch, dass der 26-Jährige einen leiblichen Sohn mit einer anderen Frau hat. Sehen dürfe er diesen aber nicht mehr.

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Furchbarer Einsatz für die Polizei in Holzminden. Dort wurde ein kleiner Junge (5) ermordet.

Beim Jugendamt Holzminden sind Mutter und Kinder seit April bekannt. Nach der Trennung hatte ein Mitarbeiter Kontakt zu der alleinerziehenden Frau aufgenommen. Anlass zum Handeln gab es nicht. Auch bei einem Beratungsgespräch Ende Juni mit dem neuen Lebensgefährten wurden „keine Umstände, die auf eine Gefährdung der Kinder hindeuten, bekannt“, heißt es in einer Mitteilung des Jugendamtes am Donnerstag.

Am Tag nach dem schrecklichen Fund herrscht eine seltsame Ruhe im Ort. Die Menschen gehen still an dem Wohnhaus der jungen Familie vorbei. Viele legen Blumen, Kerzen und Stofftiere an einen Baum und an die Garagentore, hinter denen die Leiche des Jungen entdeckt wurde. Das Jugendzentrum Delligsen hat ein Plakat mit der Aufschrift „Wir trauern um Julian“ gegen den massigen Stamm des Baumes gelehnt. Am Mittwochabend war ein Trauerzug mit rund 100 Menschen in die Dorfkirche gezogen, um Trost zu suchen.

Zwei Mütter verweilen einen Moment in einem stillen Gebet vor den Blumen. „Mein Junge wollte unbedingt, dass ich seinen Stoffdinosaurier hierhin lege. Für Julian“, sagt Ulrike Hoffmann, die die Mutter kannte. „Sie ist eine sehr nette Frau, hat auf der Straße immer gegrüßt.“

Ihre Begleiterin ist ebenfalls den Tränen nahe, gleichzeitig ist sie aber auch erleichtert darüber, dass der Täter so schnell gefasst wurde. „Ich habe eine solche innere Wut auf den Mann, der so etwas Schreckliches getan hat“, sagt Ulrike Suijler. Ihr eigenes Kind hätte sie in den vergangenen Stunden am liebsten zu Hause eingesperrt - aus Angst vor einem unbekannten Täter.

Nur wenige Meter vom Wohnort der jungen Familie steht ein Kiosk, an dem Julian und seine Mutter öfter Süßigkeiten oder eine Kinderzeitung gekauft haben. „Er war ein ganz lieber Junge, zurückhaltend und etwas schüchtern, aber halt lieb“, schildert die Besitzerin Gudrun Tute. Sie ist über Gerüchte in dem Ort verärgert. „Plötzlich glaubt jeder, die Familie zu kennen und erzählt hinter vorgehaltener Hand etwas über Drogen und Überforderung. Das gehört sich nicht.“ Was daran wahr ist, müssen nun die weiteren Ermittlungen der Polizei ergeben.

Der leibliche Vater wird unterdessen seelsorgerisch betreut. „Er ist fassungslos und will mit seiner Trauer alleine sein“, sagt Pfarrer Bernhard Knoblauch. Der kleine Julian ging seit Februar in den evangelischen Kindergarten in Delligsen.

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