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James Levine dirigiert die Berliner Philharmoniker auf der Waldbühne.

James Levine dirigiert die Berliner Philharmoniker auf der Waldbühne. © imago/BRIGANI-ART

James Levine

New Yorker Oper suspendiert Dirigent nach Missbrauchsvorwürfen

Die New Yorker Metropolitan Opera hat den langjährigen Musikdirektor James Levine suspendiert. Zuvor hatten US-amerikanische Medien über Missbrauchsvorwürfe gegen den 74-Jährigen berichtet. Der Dirigent soll sich immer wieder an einem Minderjährigen vergangen haben.

New York. Die New Yorker Metropolitan Opera hat ihren langjährigen Musikdirektor James Levine nach Missbrauchsvorwürfen vorerst freigestellt. „Während wir die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten, haben wir uns auf Grund der neuen Berichte dazu entschlossen, sofort zu handeln“, twitterte das Opernhaus am Sonntag. Der 74-jährige Levine werde in dieser Saison nicht mehr auftreten.

Die Oper reagierte auf US-amerikanische Medienberichte. Die „New York Times“ hatte am Sonntag Einzelheiten aus einem Polizeibericht publiziert, der dem Opernhaus bereits im vergangenen Jahr vorgelegt worden war. Demnach gaben zwei mutmaßliche Opfer an, Ende der 60er Jahre als Minderjährige missbraucht worden zu sein. Die Zeitung interviewte zudem einen dritten Betroffenen und dessen Familienangehörige.

Opernführung bereits 1979 in Kenntnis gesetzt

Im Jahr 1985 soll Levine den 16-jährigen Ashok Pai am Rande eines Musikfestivals kennengelernt haben. Im Anschluss habe er ihn jahrelang sexuell missbraucht. Peter Gelb, Geschäftsführer der Metropolitan Opera teilte mit, dass nach seiner Kenntnis bereits zuvor Anschuldigungen gegen Levine in den höheren Kreisen der Oper kursierten.

Bereits 1979 schrieb der damalige Direktor Anthony A. Bliss einen Brief an den Vorstand des Opernhauses. Demnach schenkte die Führung des Hauses den Missbrauchsvorwürfen zu jener Zeit keinen Glauben. Von jüngsten Berichten über Levines Verhalten sei man „zutiefst getroffen“, hieß es. Auch im Oktober 2016, wandte sich die Polizei im Zuge ihrer Ermittlungen des Falls Ashok Pai an die Oper.

Dirigent weist Schuld von sich

Damit hat die Welle von Veröffentlichungen zu sexuellen Übergriffen, die mit dem Fall des Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein begonnen hatte, nun auch die Welt der klassischen Musik erreicht.

Die Metropolitan Opera habe eine Anwaltskanzlei beauftragt, um den vielen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs durch Levine von den 60er bis in die 80er Jahre nachzugehen. Deshalb werde die Zusammenarbeit mit Levine vorbehaltlich der Ermittlungen auf Eis gelegt, hieß es weiter.

Levine war von 1971 bis 2016 an der Oper Dirigent und lange Zeit auch künstlerischer Leiter. Während seiner Karriere stand er über 2500 Mal für das New Yorker Haus am Dirigentenpult, das letzte Mal erst am vergangenen Samstag. Auch in Deutschland gastierte Levine unter anderem auf den Bayreuther Festspielen und in Berlin. 2016 hatte er die künstlerische Leitung der Oper wegen seiner Parkinson-Erkrankung aufgegeben. Laut „New York Times“ erklärte er sich 2016 auf Nachfrage für nicht schuldig.

Von RND/dpa


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