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Panorama Morgan Freeman entschuldigt sich nach Vorwürfen
Nachrichten Panorama Morgan Freeman entschuldigt sich nach Vorwürfen
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16:28 25.05.2018
In „Bruce Allmächtig“ spielte er Gott: Und doch ist auch der unfehlbare Morgan Freeman offenbar übergriffig geworden. Ihm wird vorgeworfen, Frauen sexuell belästigt zu haben. Quelle: United Archives/Impress
Los Angeles

Der Nächste, bitte: Ausgerechnet Vorzeige-Schauspieler Morgan Freeman wird sexuelle Belästigung vorgeworfen. Er hat einen US-Präsidenten gespielt - bevor das Ansehen des Amtes gänzlich ramponiert wurde. Er hat den Anti-Apartheid-Kämpfer Nelson Mandela verkörpert, ja, sogar den lieben Gott im Himmel in einem schneeweißen Anzug (in der Komödie „Bruce Allmächtig“). Und jetzt soll er Frauen unter den Rock gegriffen haben? Ist Morgan Freeman ein Grapscher?

Acht Frauen werfen dem 80-Jährigen vor, sie in den vergangenen Jahren sexuell belästigt zu haben. Einige haben laut einem CNN-Bericht gesagt, sie hätten in Freemans Nähe keine enge Kleidung mehr getragen, weil er ständig „unsere Körper kommentierte“. Nach Zeugenaussagen soll es sowohl an Filmsets als auch in seiner Produktionsfirma zu Übergriffen gekommen sein. Eine Produktionsassistentin gab an, Freeman habe versucht, ihren Rock anzuheben, um herauszufinden, ob sie Unterwäsche trage.

Der Humanist Hollywoods

Die Aufregung um diese Anschuldigungen ist so groß, weil sich Freemans Leinwand-Auftritte und die ihm zur Last gelegten Taten nicht recht zusammenbringen lassen. Klar, jeder weiß, dass ein Schauspieler eben spielt und sich von einer Kinofigur nicht auf den Charakter des Darstellers zurückschließen lässt. Doch Freeman galt bislang als der große Humanist in Hollywood. Seine Filmauftritte schienen deckungsgleich mit der Person zu sein.

In Freemans Filmen geht es um den Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung („Malcolm X – Tod eines Propheten“, „Miss Daisy und ihr Chauffeur“, „Amistad – Das Sklavenschiff“) - und im echten Leben spendet er eine Million Dollar für die Wahl Barack Obamas. Voller Güte ist er in seiner Oscar-Rolle als abgehalfterter Boxtrainer in „Million Dollar Baby“ - und in der Wirklichkeit hält er es trotz aller Sympathie für die „Black Lives Matter“-Bewegung für falsch, die Gewalt von Polizisten gegen Schwarze mit Gegengewalt zu beantworten: „Das Gesetz forderst du nicht mit Wut heraus, denn dann erschießen sie dich“, hat er gesagt.

„Ich entschuldige mich bei jedem, der sich unwohl fühlte.“

Freeman verficht weniger die Sache der Schwarzen als die der ganzen Menschheit. Über seinen US-Präsidenten im Actiondrama „Deep Impact“ von 1998 befand er: „Ich spiele nicht den ersten schwarzen Präsidenten. Ich spiele den Präsidenten, der zufällig schwarz ist.“ Er will mehr sein als der schwarze Vorzeige-Schauspieler, den die Hollywood-Academy auf die Bühne bittet, um ausnahmsweise mal wieder einen Oscar an einen Menschen nichtweißer Hautfarbe zu vergeben.

Einen weiten Weg hat Freeman zurücklegen müssen, um in diese Ausnahmestellung zu gelangen: Als er noch als kleiner Junge bei der Großmutter in Charleston, Mississippi, lebte, musste er für Weiße im Bus aufstehen. Ging er ins Kino, saßen die weißen Kinder im Parkett, er aber wurde durch einen Nebeneingang gelotst und auf den Balkon verfrachtet.

Mittlerweile hat Freeman schriftlich Stellung zu den Vorwürfen bezogen: „Jeder, der mich kennt oder mit mir gearbeitet hat, weiß, dass ich nicht jemand bin, der absichtlich verletzen oder wissentlich jemandem ein unbehagliches Gefühl vermitteln würde.“ Und weiter: „Ich entschuldige mich bei jedem, der sich unwohl oder nicht respektiert fühlte - das war nie meine Absicht.“

Erste Werbedeals platzen

Freeman ist vierfacher Vater und hat zweimal geheiratet. 2008 trennte er sich nach 24-jähriger Ehe von seiner zweiten Frau Myrna.

Bislang gibt es nur die CNN-Recherchen. Klar ist aber auch: Bei einem Hollywood-Würdenträger wie Freeman muss es Frauen besonders viel Überwindung gekostet haben, an die Öffentlichkeit zu gehen. Einige gaben an, sie hätten jahrelang geschwiegen, weil sie Angst gehabt hätten, ihren Job zu verlieren. Werbepartner sind bereits auf Distanz zu Freeman gegangen. Womöglich werden ihm auch Schauspielerpreise aberkannt.

Seit dem Niedergang des Kinoproduzenten Harvey Weinstein bestätigt sich ein Bild immer mehr: In Hollywood war der sexuelle Machtmissbrauch an der Tagesordnung - auch wenn nicht jeder Übeltäter gleich EX-Mossad-Agenten engagierte, um seine Opfer unter Druck zu setzen und dadurch zum Schweigen zu bringen, wie es Weinstein wohl getan hat. Die Vorwürfe gegen ihn sind von einem ganz anderen Kaliber als die gegen Dustin Hoffman und nun auch Morgan Freeman. Von Vergewaltigung ist hier nicht die Rede, jedenfalls bislang.

Und doch: Wenn Freeman Mitte Juni in der Kinokomödie „Das ist erst der Anfang“ als ein von Frauen umschwärmter Manager einer Seniorenresidenz zu sehen ist, werden wir ihn mit anderen Augen betrachten. Ob wir wollen oder nicht.

Von Stefan Stosch

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