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Die Geburtenrate in Deutschland steigt. Besonders Akademikerinnen bekommen wieder mehr Kinder.

Die Geburtenrate in Deutschland steigt. Besonders Akademikerinnen bekommen wieder mehr Kinder.
 © epd

Mikrozensus 2016

Trend zur Kinderlosigkeit flaut ab

Lange Zeit schien die Entwicklung unumkehrbar: Die Deutschen würden immer weniger, die Familie mit Kindern sei ein Auslaufmodell, hieß es. Doch jetzt gibt es Grund zu vorsichtigem Optimismus.

Berlin.  Der Trend zur Kinderlosigkeit gestoppt, die Geburtenrate steigt, wenn auch nur langsam. Das ist das Ergebnis des Mikrozensus 2016 des Statistischen Bundesamtes. Etwa jede fünfte Frau bleibt demnach „endgültig kinderlos“ – eine Quote, die sich seit einigen Jahren stabilisiert hat, wie die Wiesbadener Behörde am Mittwoch mitteilte. Gleichzeitig steigt die Zahl der Geburten leicht an. Erstmals seit 1982 erreichte die Geburtenziffer im Jahr 2015 wieder den Wert von 1,5 Kindern je Frau. Aber wie nachhaltig die Entwicklung ist, bleibt ungewiss. Einige Fragen an die Statistiker:

Ist das nun eine echte Trendwende?

Experten sind da noch vorsichtig. Allerdings sind seit der letzten Erhebung 2012 klare Fortschritte zu erkennen. Vor allem bei Akademikerinnen, wo die Kinderlosigkeit lange Zeit besonders hoch war, geht sie jetzt zurück. Bei den 30- bis 44-Jährigen mit akademischem Abschluss ist der Rückgang mit drei Prozent besonders signifikant. Bei Nicht-Akademikern steigt die Kinderlosigkeit dagegen weiter an.

Was sind die Gründe für die besseren Zahlen?

Tatsächlich hat sich in den letzten Jahren einiges zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie getan. Kindergeld, Elterngeld, Entlastung für Alleinerziehende, familienfreundlichere Personalpolitik in den Unternehmen sind wichtige Faktoren. Dazu kommt aber auch die gute wirtschaftliche Entwicklung und der Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Spielt der Flüchtlingszuzug eine Rolle?

Für den Mikrozensus wird regelmäßig etwa ein Prozent der Bevölkerung befragt, das sind also etwa 800 000 Menschen. Der massive Flüchtlingszuzug 2015 spiegelt sich nur teilweise wieder, denn erfasst wurden lediglich Menschen in Privathaushalten, also nicht in Sammelunterkünften oder Notaufnahmen. Allerdings kommt Kinderlosigkeit bei Zuwanderinnen seltener vor. Das verbessert die Zahlen bei Nicht-Akademikerinnen.

Kann der demografische Wandel damit gestoppt werden?

Davon kann keine Rede sein. Der Vizepräsident des Statistischen Bundesamts, Georg Thiel, warnt vor solchen Spekulationen. Zum einen seien die aktuellen Zahlen noch „fragil“, weil nicht sicher ist, ob sich der Trend zu mehr Geburten wirklich fortsetzt. Vor allem aber bleibt die höhere Lebenserwartung als wichtiger Grund für den demografischen Wandel ja davon unberührt.

Gibt es regionale Unterschiede, etwa zwischen Ost und West?

Besonders hoch ist die Kinderlosigkeit in den Stadtstaaten, besonders niedrig in den ostdeutschen Flächenländern. So liegt sie in Hamburg unter den 45- bis 49-Jährigen bei 31 Prozent, in den westdeutschen Flächenländern bei 21 und in den ostdeutschen Flächenländern bei 12 Prozent. In allen Bundesländern ist die Kinderlosigkeit in den urbanen Regionen höher als in den ländlichen Gebieten, was auch daran liegt, dass Familien mit kleinen Kindern häufig aus der Stadt ins Umland ziehen.

Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da?

Immer noch gehört Deutschland neben der Schweiz, Italien und Finnland zu den Ländern mit der höchsten Kinderlosigkeit in Europa. Dagegen liegt Frankreich mit einer Geburtenrate von 1,9 ganz vorne. Auch in Großbritannien und den USA nimmt die Kinderlosigkeit ab, obwohl es dort kaum staatliche Leistungen für Familien mit Kindern gibt. Bei der Erwerbstätigkeit von Müttern liegt Deutschland mit 74 Prozent im oberen Mittelfeld. Ganz oben stehen Schweden und Dänemark, ganz unten Italien und Griechenland, was offensichtlich auch mit der wirtschaftlichen Lage der Länder zu tun hat.

Von RND/dpa


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