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Bloß im Schatten bleiben: In Palma auf Mallorca warten hitzegeplagte Touristen gegenüber der Kathedrale auf Einlass.

Bloß im Schatten bleiben: In Palma auf Mallorca warten hitzegeplagte Touristen gegenüber der Kathedrale auf Einlass.
 © Foto: dpa

Klima

Mallorca-Urlauber leiden unter Gluthitze

Eine enorme Hitzewelle sucht derzeit die Urlaubsregionen in Südeuropa heim, selbst nachts fallen die Temperaturen selten unter 30 Grad Celsius – und Abkühlung ist noch lange nicht in Sicht.

Palma.  Die Nachricht klang dramatisch: Im Speisesaal eines Hotels auf Mallorca habe eine Frau einen Hitzschlag erlitten, weil die Klimaanlage defekt sei und im Hotel Temperaturen von 34 Grad und mehr herrschten, berichtete die „Mallorca-Zeitung“. Prompt habe sich eine kleine Gruppe Urlauber formiert und gegen die vermeintlich unhaltbaren Zustände im Dreisternehaus in Cala Millor protestiert. Dass die Debatte hitzig geführt wird, wundert nicht – Mallorca ächzt wie die meisten Mittelmeeranrainerländer seit Tagen unter einer enormen Hitzewelle.

Ventilatoren sind Mangelware

Selbst nachts sank das Thermometer selten unter 30 Grad, tagsüber werden 40 Grad und mehr erreicht. Die leichte Abkühlung am Wochenbeginn ist ebenso hoch willkommen wie vorübergehend – schon in Kürze soll es weitergehen mit der Gluthitze. Ursache ist eine Hitzeblase, die sich von Nordafrika aus über das Mittelmeer geschoben hat. „Letzte Nacht hatten wir 22 Grad, da konnte man endlich mal wieder bei offenem Fenster durchschlafen und sich sogar mit einem Laken zudecken“, sagt Alexandra Wilms, Sprecherin des Tourismusministeriums der Balearenregierung. In den Nächten zuvor habe es nur eins gegeben: Fenster zu, Klimaanlage an. Da wegen der hohen Temperaturen sämtliche Kühlgeräte auf Maximalleistung laufen, ist Mallorcas Stromverbrauch auf Rekordwerte hochgeschnellt. Und inselweit sind Ventilatoren so gut wie ausverkauft – denn längst nicht jedes Hotelzimmer oder Apartment ist klimatisiert. Der Protest der Urlauber in Cala Millor ist laut Wilms aber ein Einzelfall, Beschwerden von Touristen wegen Hitzeschäden lägen derzeit nicht vor.

Wer gerade Urlaub in Griechenland macht, muss mit noch schlimmerer Hitze klarkommen. Und die nächste Welle rollt derzeit gerade auf das Festland zu: Bereits am Wochenende zeigten die Thermometer in Mittelgriechenland Werte um die 40 Grad an, bis mindestens kommenden Sonnabend soll es so weitergehen. Mit Nachttemperaturen über 30 Grad und 43 Grad Tagestemperatur steht den Griechen und ihren Gästen eine heiße Woche bevor. Ärzte und das Gesundheitsministerium rieten unter anderem zu Alkoholverzicht, heller Baumwollkleidung und fettarmer Nahrung. Die Städte öffneten klimatisierte Hallen für Bürger, die keine Klimaanlage in ihren Wohnungen haben. Zudem wurden die Menschen aufgerufen, Wasser für streunende Tiere bereitzustellen.

Die Waldbrandgefahr steigt und steigt

Wegen der Trockenheit sei auch die Waldbrandgefahr sehr hoch, warnte der Zivilschutz. Am Wochenende waren landesweit bereits mehr als 40 Busch- und Waldbrände ausgebrochen. Die Feuerwehr konnte sie mithilfe von Löschflugzeugen und Hubschraubern aber unter Kontrolle bringen. In Italien hingegen kämpfen Rettungskräfte schon seit Wochen gegen immer neu aufflackernde Waldbrände. Südlich von Rimini, in Casteldimezzo, mussten in der Nacht zu Sonnabend 70 Einwohner und Touristen auf einem Campingplatz vor einem Feuer in Sicherheit gebracht werden. Und in der Gegend um den Gran Sasso in den Abruzzen, die im Winter von Erdbeben und Schneemassen heimgesucht wurde, musten rund 500 Menschen bei höllischen Temperaturen fast zwei Stunden ohne Klimaanlage und Wasser in einem Zug ausharren, der auf der Strecke von Mailand nach Marseille liegen geblieben war.

Auf dem Balkan drohen Energieengpässe

Auch auf dem Balkan treibt das Wetter die Menschen zur Verzweiflung. In Kroatien brennen die Wälder, in Bosnien riefen Meteorologen die höchste Wetteralarmstufe aus. Die Stromwirtschaft des Landes warnt, dass alle vier Hochspannungsleitungen, die die Küstengebiete mit Hunderttausenden Urlaubern versorgten, „an die Grenze ihrer Möglichkeiten“ gestoßen seien. Schlimmstenfalls drohe ein großflächiger Stromausfall. Am Sonntagabend zog dann plötzlich ein Sturmtief über den Balkan hinweg, das zwar ein wenig Abkühlung brachte, jedoch auch Bäume entwurzelte und Dächer abdeckte. Schon in Kürze aber, so warnen Meteorologen, wird die Hitze zurückkommen und den Süden Europas weiter quälen.

Von Stefanie Gollasch/RND

Palma

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